Freiheit ist kein einfacher Begriff. Die Philosophie streitet seit Jahrhunderten darüber, ob sie überhaupt möglich ist. Die Theologie fragt, ob sie dem Menschen gegeben oder aufgegeben wird. Und der Jazz beantwortet die Frage anders: Er spielt sie.
Am Sonntag, den 26. April 2026, um 11:30 Uhr wird die St. Michaeliskirche Hof zum Resonanzraum für genau dieses Gespräch. Unter dem Titel „Freiheit" laden die MUT-Pionierkirche YouLO und die Hof Jazz Nights zu einem Gottesdienst ein, der Raum öffnen will – für Fragen, die sich zwischen Saxophon und gesprochenem Wort, zwischen Improvisation und Stille entfalten.
Was den Jazz seit seinen Anfängen auszeichnet, ist die Spannung zwischen Struktur und Abweichung: das Thema, das bekannt ist, und der Moment, in dem ein Musiker davon abweicht und dabei etwas erschafft, das so noch nie existiert hat. In dieser Flüchtigkeit liegt eine eigentümliche Freiheit – eine, die sich weder festhalten noch wiederholen lässt. Jean-Paul Sartre beschrieb Freiheit als Last: der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. Im Jazz klingt das anders. Dort ist Freiheit Einladung.
Die musikalische Gestaltung des Events liegt in den Händen eines Trios, dessen Lebensläufe selbst vom Überschreiten von Grenzen erzählen. Slawek Dudar am Saxophon – Absolvent der Jazzabteilung der Musikakademie Wrocław, Gründer und künstlerischer Leiter der Hof Jazz Nights und im Dezember 2024 von der Europäischen Metropolregion Nürnberg als Künstler des Monats ausgezeichnet – steht für einen Jazz, der stilistisch ungebunden bleibt und gerade darin seinen Charakter findet. Russell Snyder am Bass, ausgebildet an der Eastman School of Music und der McGill University in klassischer und Jazz-Performance, ist als Komponist und Mitbegründer des SnyderxDudar Quartet bekannt für Basslinien, die nicht nur tragen, sondern erzählen. Bertram Liebmann am Jazz-Flügel verbindet kompositorische Präzision mit einer Offenheit, die dem Augenblick gehört.
Den theologischen Impuls setzen die Pionierpfarrpersonen Konrad und Nicola Aller von YouLO – ein Projekt, das sich der Frage stellt, was Glaube bedeutet, wenn er nicht auf Formeln besteht, sondern auf Haltung. Die beiden Geistlichen ergänzen das Format durch Spoken Word Art: gesprochene Sprache als eigene ästhetische Form, die zwischen Predigt und Poesie tanzt.
Der Gedanke, dass Kirche der Freiheit und die Freiheit des Jazz zusammengehören könnten, klingt zunächst kühn. Aber vielleicht sind es gerade die unwahrscheinlichen Begegnungen, die etwas sichtbar machen, was vorher nur zu ahnen war. Der Eintritt ist - natürlich - frei.