Konradsreuth. Am 5. Sonntag nach Trinitatis, dem 5. Juli 2026, feierte die Kirchengemeinde Konradsreuth einen Festgottesdienst der besonderen Art. Denn an diesem Sonntag führte Dekan Andreas Müller in der dortigen Pfarrkirche Prädikantin Cornelia Seifert in ihr Amt ein. Sie ist die erste weibliche Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde Konradsreuth, die mit dem Ehrenamt der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung beauftragt wurde und darf künftig als Prädikantin im Dekanat Hof Gottesdienste, auch solche mit Feier des Heiligen Abendmahls, selbsttätig gestalten. Pfarrerin Elfriede Schneider und Dekan Andreas Müller drückten die helle Freude darüber aus, dass das Team der Prädikant:innen und Lektor:innen im Dekanat Hof einen tollen Zuwachs erfährt. Ihre Predigt zum Fischzug des Petrus fand allgemeinen Anklang im gut besuchten Gottesdienst und zeugte von ihrer Begabung für das Predigtamt.
Was ist ein:e Prädikant:in?
Ein wichtiges protestantisches Prinzip ist das sog. Priestertum aller Getauften. Das bedeutet, das zunächst einmal jede:r Christ:in aufgerufen, das Evangelium in seinem Umfeld weiterzugeben und für andere zu beten. Wer das in der Öffentlichkeit tun soll, ist für unsere Kirche im Augsburger Bekenntnis angesprochen. Dort steht im Artikel 14, dass „niemand in der Kirche öffentlich lehren oder predigen oder die Sakramente reichen soll ohne ordnungsgemäße Berufung“. Das waren traditionell nur ordinierte Pfarrer und seit 1975 auch Pfarrerinnen. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich darüberhinaus der Lektor:innen- und Prädikant:innendienst entwickelt - ein guter und wichtiger Dienst, der in unserer Kirche unverzichtbar ist, um Kirchen mit Leben zu füllen und das Predigtamt als zentrale Aufgabe der Kirche zu demokratisieren. 2012 wurde der Prädikant:innendienst mit einem neuen Kirchengesetz gewürdigt und die „Beauftragung zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung“ als lebenslange ordnungsgemäße Berufung geregelt. Deshalb „dürfen" die so beauftragten Prädikanten und Prädikantinnen - im Rahmen ihrer Dienstordnung - also „vollwertige“ Gottesdienste - auch mit Abendmahl - feiern.
Grundsätzlich kann jede:r Christ:in, der:die Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist, die Lektor:innen- und Prädikant:innenausbildung machen. Allerdings wird in Bayern ein „Sendungsprinzip“ gepflegt, was bedeutet, dass die Person von einer Gemeinde vorgeschlagen und angemeldet wird - Dekan:in und Regionabischöf:in müssen die Eignung für die Ausbildung beurteilen und die Entsendung befürworten. Das hat organisatorische Gründe, weil die Gemeinde die Ausbildung unterstützen muss - auch finanziell. Vor allem aber ist es wichtig, dass die Gemeinde ihr Gemeindeglied geistlich trägt, für die Ausbildung betet und den Dienst auch annehmen soll. Ob die Person nach gelungener Ausbildung beauftragt wird, entscheiden die Regionalbischöf:innen.
Ganz unterschiedliche Menschen durchlaufen die Ausbildung zur Prädikant:in, Beamte ebenso wie Handwerkerinnen, Ärztinnen genauso wie Friseure oder Reinigungskräfte. Diese Fülle der Lebenswelten bringen die Ehrenamtlichen auch in ihre Gottesdienstgestaltung mit ein. Damit können sie wertvolle Perspektiven einbringen, die Pfarrpersonen so nicht haben und mithin das gottesdienstliche Leben in der Kirche erheblich bereichern. Ihr ehrenamtliches Engagement ist auch Vorbild und Anreiz für andere, sich und ihre Gaben in die Gemeinde einzubringen.
Die Ehrenamtlichen sind in der Regel am Lektor:innen- oder Prädikant:innentalar erkennbar. Der V-Ausschnitt und der rote Kragen haben keine tiefere Bedeutung. Aber die Ehrenamtlichen sollen einerseits den Talar tragen, und andererseits auch von den ordinierten Pfarrern und Pfarrerinnen unterscheidbar sein.
So läuft die Ausbildung zur Prädikantin ab
Neben den theologischen Grundlagen und dem geistlichen Durchdenken von Texten und Themen steht die praktische Übung während der ausführlichen Ausbildung ganz oben. Liturgische Präsenz wird immer wieder geübt, damit sich Teilnehmende eine angemessene Haltung und Sprache aneignen. Das Predigen wird mit fachkundigen Theolog:innen nicht nur inhaltlich besprochen und eingeübt, sondern auch hinsichtlich des Predigtvortrags. Die Predigenden sollen nicht nur die Lesepredigt oder die eigene Predigt vorlesen, sondern sollen in der Kommunikation - quasi im Dialog - mit den Gottesdienstbesuchenden stehen. Das Evangelium soll als lebendiges Wort zugesprochen werden und ankommen.
Wichtig für die Ehrenamtlichen ist auch der geistliche Weg, den sie im Laufe der Ausbildung gehen. Hier geschieht Glaubensbildung, weil die Menschen in ihrem Glauben gebildet werden und lernen, persönlich und überzeugend über ihren Glauben und das Evangelium zu reden. Mit einem Abschlusskolloquium inklusive Probegottesdienst wird die Ausbildung dann abgeschlossen.