Töpen/Hof. Mödlareuth hat keine Kirche. Das winzige Dorf an der früheren innerdeutschen Grenze, einst als „Kleines Berlin" bekannt, liegt still zwischen Thüringen und Bayern – ein Freilichtmuseum der deutschen Teilungsgeschichte. Kirchlich gehört der bayerische Teil zu Töpen. Und damit zum Amtsbereich von Gero Erber, der seit 01. Juni 2026 Pfarrer der Pfarrei Töpen im Dekanat Hof ist. Eine Kirche gebe es in Mödlareuth nicht. Aber die Grenzsituation, sagt Erber, fasziniere ihn. Aus tiefer biographischer Überzeugung: „Ich war schon immer ein Grenzgänger."
Herbst 1989, Mauerfall und die Kraft des Aufbruchs
Gero Erber ist ein Kind der DDR. Aufgewachsen, theologisch geprägt, kirchlich engagiert in einem Staat, der die Kirche an den Rand drängte – und in dem die Kirche dennoch zum Ort des Aufbruchs wurde. Im Evangelischen Jungmännerwerk, dem heutigen CVJM, war Erber früh aktiv; die Jugendarbeit in der jungen Gemeinde formte ihn. Und dann kam der Herbst 1989. Er war dabei, bei den Montagsdemonstrationen, in jenen Wochen, die Deutschland veränderten. Der Mauerfall habe ihn tief beeindruckt – nicht nur als politisches Ereignis, sondern als Erfahrung, dass Mauern fallen können, wenn Menschen sich nicht einschüchtern lassen, so Erber. Dass er gut dreieinhalb Jahrzehnte später in Töpen landet, mit Mödlareuth im Gemeindegebiet, dem wohl symbolträchtigsten Grenzort Deutschlands, erlebe er nicht als historische Kuriosität, sondern als Fortsetzung einer Lebensgeschichte, die immer an den Übergängen verlief, dort, wo Welten sich berühren und das Trennende aufhört, das letzte Wort zu haben.
27 Jahre Kirchendienst – ein Weg durch vier Bundesländer
Ordiniert am 19. September 1999, ist Töpen für Gero Erber die vierte Pfarrstelle. Die erste führte ihn in den Kirchenkreis Merseburg, nach Schkeitbar bei Markranstädt: ein Kirchspiel, das drei Gemeinden auf sächsischer und vier auf sachsen-anhaltinischer Seite vereinte – ein kleines Abbild der kirchlichen Grenzgänge, fünf Jahre gelebter Alltag an einer historischen Naht. Von 2005 bis 2009 war er in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Halle tätig, mit einem Dienst, der ihn an viele Orte in Sachsen-Anhalt führte – weniger der ortsgebundene Hirt als der reisende Prediger für Menschen in unterschiedlichsten Zusammenhängen. 2010 wechselte er ins Kirchspiel Unterkoskau im Kirchenkreis Schleiz, wo er fünfzehn Jahre blieb. In Thüringen verwurzelt - in einer ländlichen Gemeindewirklichkeit, die er kennt und schätzt. Vor dem Übergang nach Töpen moderierte er von Januar bis Mai 2026 als „Springer" im Regionalen Dienstbereich Pößneck Gemeindearbeit in Vakanzsituationen – damit bestens vertraut mit der Kirchenlandschaft der Region, bevor er am 1. Juni seine neue Stelle in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern antrat.
Von Basel bis Neuseeland: Ein Theologe mit weitem Horizont
Was Erbers Biographie besonders auszeichnet, ist ihre außergewöhnliche internationale Tiefe. Zwei Semester Theologie in Basel öffneten ihm früh einen europäischen Blick. Kinderpflege auf Hawaii, Aufenthalte in Russland und Afrika, Begegnungen mit christlichen Gemeinden auf mehreren Kontinenten: Erber betont, er habe Christsein als weltweite Wirklichkeit kennengelernt – nicht als abstraktes Bekenntnis, sondern als lebendige Gemeinschaft über alle Grenzen hinaus. Diese Weite sei für ihn zur Haltung geworden. Ende 2024, nach fünfzehn Jahren in Unterkoskau und vor dem Beginn seiner neuen Aufgabe, nahm er sich neun Wochen für Neuseeland. Eine Auszeit, die zugleich den Horizont weitete. Danach die Suche nach einem Haus im Oberen Vogtland, ein Finden, ein Ankommen. Seit Mai 2025 läuft der Umbau: Aus einem vollständigen Dachboden wird eine Familienwohnung und er lebt sich gleichzeitig zum Start in Töpen mit seiner Frau und seinen erwachsenen Kindern und Enkeln im Eigenheim ein.
Ein Herz für Kinder und Jugendliche
Wer mit Gero Erber spricht, spürt schnell, wo er in seiner Arbeit Schwerpunkte legen möchte: bei Kindern und Jugendlichen. Das Engagement im Jungmännerwerk war kein biographischer Zufall. Jugendarbeit als Herzensangelegenheit zieht sich durch seine gesamte kirchliche Biographie. In einer Zeit, in der viele Gemeinden nach Wegen suchen, jüngere Generationen zu erreichen, bringt er damit eine echte Ressource mit, die in Töpen an eine vielfältige und engagierte, stark ehrenamtlich getragene Kinder- und Jugendarbeit in einer kleinen Pfarrei sehr gut andocken kann.
Angekommen – und noch lang nicht fertig
59 Jahre alt, acht Jahre bis zum Ruhestand. Pfarrer Erber kommt als jemand, der im Oberen Vogtland zuhause ist, der die Grenzlandschaft zwischen Bayern und Thüringen mit eigener Geschichte füllt – und der in der Pfarrei Töpen eine Aufgabe sieht, die er mit dem ganzen Gewicht seiner Erfahrung angehen will. In Mödlareuth, dem historisch geteilten Dorf im Gemeindegebiet, steht kein Kirchturm. Aber mit Gero Erber steht der Pfarrei Töpen ein Pfarrer zur Seite, der diese Geschichte versteht. Von innen heraus. Er trifft auf drei selbstständige und ehrenamtlich geprägte Kirchengemeinden, die regionale Zusammenarbeit, die Grenzgänge und Brückenbauen gut und von Herzen leben. Für seinen Dienst an den Menschen im bayerischen Vogtland und in der Region "Cross + over - Glauben im Norden" wünschen wir Pfarrer Erber gutes Einleben, viel Zeit und Motivation für die Arbeit vor Ort und eine herzliche Aufnahme in der Pfarrei und in der Region Nord! Willkommen in Töpen.
Zur Person
Gero Erber, 59 Jahre, ordiniert am 19. September 1999.
Stationen:
- Kirchenkreis Merseburg/Schkeitbar b. Markranstädt
- Landeskirchliche Gemeinschaft Halle
- Kirchspiel Unterkoskau (Kirchenkreis Schleiz)
- Regionaler Dienstbereich Pößneck.
- Seit 1. Juni 2026 Pfarrer der Pfarrei Töpen, Dekanat Hof (ELKB)
Lebt im Oberen Vogtland auf sächsischer Seite.
Herzliche Einladung zur Einführung durch Dekan Andreas Müller:
Sa, 13. Juni 2026 - 14.00 Uhr
St. Martinskirche Töpen
Anschließend Empfang im ev. Gemeindezentrum