Protestanten begehen den Buß- und Bettag

Hof. Vor 25 Jahren wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft. Trotzdem hat er für Evangelische nicht an Bedeutung verloren. Im Gegenteil: Nach Ansicht von Dekan Günter Saalfrank (Hof) wird der Buß- und Bettag, der am kommenden Mittwoch auf dem kirchlichen Festkalender steht, zunehmend wichtiger: „Gerade in Corona-Zeiten ist es notwendiger denn je, inne zu halten und nachzudenken, worauf es im Leben wirklich ankommt und was Halt sowie Orientierung im Alltag gibt.“ So bedeute Buße Umkehr von falschen Wegen und Neuorientierung. 

Ursprünglich wurden Bußtage aus aktuellen Anlässen ausgeschrieben, wie etwa während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648). Sie trugen einen öffentlichen Charakter: Die gesamte Bevölkerung wurde angesichts von Notständen und Gefahren zu Buße und Gebet aufgerufen. Im 19. Jahrhundert verständigten sich die evangelischen Landeskirchen auf die Einführung eines allgemeinen Buß- und Bettages am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres - dem Ewigkeitssonntag oder Totensonntag. 1995 wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen abgeschafft.  

Das Bußtagsopfer war nach den Worten von Dekan Saalfrank eine „Fehlentscheidung“, weil es die Finanzierung der Pflegeversicherung nicht auf Dauer gesichert hat. Nach anfänglichen Überschüssen sei sie bereits 1999 in die roten Zahlen abgeglitten. Trotz mehrmaliger Erhöhung der Beitragssätze habe sie das Jahr 2018 mit einem Defizit von 3,5 Milliarden Euro abgeschlossen. 

Im Dekanat Hof laden die evangelischen Gemeinden zu Gottesdiensten am Buß- und Bettag ein. In der Regel am frühen Abend, um so auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Zentral findet am Vormittag um 9.30 Uhr in der St. Michaeliskirche ein Gottesdienst mit Beichte und Abendmahl statt, bei dem Dekan Günter Saalfrank predigt.