Neuland: Kirchenparlament tagte erstmals digital

Hof. Premiere im evangelischen Dekanat Hof: Erstmals tagte die Synode des Kirchenbezirks digital. Per Videokonferenz informierten sich über 70 Mitglieder des Kirchenparlament über die anlaufende Stellenplanung, die aktuelle Situation in Corona-Zeiten sowie die Flüchtlingsarbeit im Dekanat.

Unter dem Motto „Kirche gestalten und leben  --mit neuen Herausforderungen umgehen“ stellte Dekan Günter Saalfrank die Grundlinien der neuen Landesstellenplanung vor. Bayernweit werde der Einsatz von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie anderer Mitarbeitenden neu  geregelt. Weil die Zahl der Evangelischen im Freistaat seit 2010 durchschnittlich um 10 Prozent gesunken sei, bleibe dies nicht ohne Folgen für  die Stellenverteilung. Saalfrank rechnet damit, dass dem Dekanat Hof von derzeit  rund 35 Stellen zukünftig mindestens fünf weniger zugewiesen werden. Der Grund: In den letzten zehn  Jahren habe der Kirchenbezirk über 16 Prozent an Gemeindegliedern verloren: Das hänge insbesondere mit Bevölkerungsentwicklung zusammen: „Auf eine Taufe kamen in der Regel zwei Bestattungen.“

Anders als bei bisherigen Stellenplanungen, die mit  genauen Vorgaben arbeitete, gibt es dem Dekan zufolge diesmal einen deutlichen  Gestaltungsspielraum. Das Dekanat erhalte ein Gesamtkontigent von Stellen. Wie diese verteilt werden entscheide der Dekanatsausschuss im Benehmen mit Gemeinden und kirchlichen Arbeitsbereichen.  Als Herausforderung bezeichnete Saalfrank angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen und weniger Mitarbeitenden „regional zusammen zu arbeiten und sich zu ergänzen -ohne das eigene Profil zu verlieren.“

Zukünftig werden laut Saalfrank bayernweit erheblich weniger Pfarrerinnen und Pfarrer zur Verfügung stehen. Die Landeskirche rechne einer Prognose zufolge bis 2025 mit einem Minus von 13 Prozent. In zehn Jahren gebe es rund ein Drittel weniger Geistliche. Bis zum Jahr 2035 belaufe sich der Rückgang mit 53 Prozent sogar auf über die Hälfte des  gegenwärtigen Personals. Verantwortlich dafür seien die starken Jahrgänge, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.

In seinem jährlichen Bericht vor der Synode ging der Dekan  ging der Dekan auf die kirchliche Arbeit in Corona-Zeiten ein. Dass Gottesdienste während des Teil-Lockdowns möglich seien, hänge mit dem grundgesetzlich garantierten Recht auf freie Religionsausübung zusammen. Mit diesem Grundrecht allerdings müsse sorgsam und verantwortungsvoll umgegangen werden: „Nicht alles, was erlaubt ist, solle auch gemacht werden.“ Gottesdienste gehören nach Ansicht Saalfranks auch zur „Basisversorgung im Leben“. Hier können Menschen „Nahrung für die Seele bekommen“.

Durch die Viruspandemie wurde die Kirche – so der leitende Geistliche  - digitaler. Gemeinden und die kirchliche Jugendarbeit hätten entsprechende Angebote entwickelt wie Online-Gottesdienste oder Livestreams. Sitzungen fänden verstärkt als Videokonferenzen statt. So gut die digitalen Formate auch sind, steht für Saalfrank außer Frage: „Sie können und sollen die direkte Begegnung nicht ersetzen.“

Auch wenn coronabedingt heuer die Kirchensteuern bei der Landeskirche um 13 bis 14 Prozent einbrechen, wird sich dies dem Hofer Dekan zufolge nicht gleich negativ bei den Kirchengemeinden bemerkbar machen. Die Zuweisungen an sie seien in fester Höhe bis 2023 garantiert. Danach allerdings werde der finanzielle Rahmen für Gemeinden vermutlich auch enger werden.

Über die Flüchtlingsarbeit im Hof informierten Flüchtlingsbeauftragte Elisabeth Frisch (Hof), Pfarrer Dieter Baderschneider (Oberkotzau) und Diakonie-Geschäftsführer Martin Abt (Hof).  Frisch und Baderschneider forderten, dass staatliche Behörden und Gerichte  den Glaubensübertritt von Flüchtlingen „religionssensibel prüfen sollen“. Insbesondere müsste den kirchlichen Stellungnahmen mehr Beachtung geschenkt werden. Diakonie-Geschäftsführer Abt berichtete, dass die Asylsozialberatung mit zurückgehender Finanzierung zu kämpfen hat.

Hier der Bericht der Dekanatssynode 2020: 

Infokasten: Dekanatssynode  

Die Synode des Dekanats Hof vertritt rund 41.300 Evangelische aus 26 Kirchengemeinden. Zu den Aufgaben des Kirchenparlamentes gehört unter anderem, die Zusammenarbeit unter den Gemeinden und mit den übergemeindlichen Diensten zu fördern. Außerdem soll es kirchliche Anliegen in der Öffentlichkeit vertreten sowie über Finanzfragen entscheiden. An der Spitze der Dekanatssynode steht ein dreiköpfiges Gremium, dem der Diakonie-Bereichsleiter Sebastian Oehme (Rehau), die Lebenshilfe-Bereichsleitung Monika Köppel-Meyer (Döhlau) sowie Dekan Günter Saalfrank (Hof) angehören.

 

Bild:

Erstmals als Videokonferenz: Über 70 Mitglieder des Kirchenparlaments erlebten die digitale Premiere.

Foto: Dekanat Hof