Lösung für von Abschiebung bedrohten Hofer Kirchenvorsteher in Sicht

Hof. Für den Hofer Kirchenvorsteher Naser R. ab, der von der Abschiebung nach Afghanistan bedroht ist, zeichnet sich eine Lösung ab. Dekan Günter Saalfrank (Hof)  zufolge schaut diese wie folgt aus: Naser R. reist freiwillig aus. Bei einer deutschen Botschaft in seinem afghanischen Nachbarland – die deutsche Vertretung in Kabul ist derzeit geschlossen - beantragt er ein Visum für eine Ausbildung in Deutschland, mit dem er in die Bundesrepublik zurückkommen kann. Bei einer Pressekonferenz in Hof informierte Saalfrank über die aktuelle Entwicklung des Falls. Gleichzeitig unterstrich er, dass es für die  Lösung, die „noch nicht in trockenen Tüchern ist“, die Unterstützung staatlicher Behörden Deutschlands brauche. Auch Naser R. äußerte sich selbst dazu.Der im Iran aufgewachsene Mann flüchtete im Herbst 2015 nach Deutschland. Hier kam er mit dem christlichen Glauben in Kontakt und besuchte einen mehrmonatigen Taufunterricht. Ende Oktober 2016 wurde er von Saalfrank in der Hofer St.Michaeliskirche getauft. Seitdem engagiert er sich in der Kirchengemeinde und im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM).  Seit  Ende 2018 gehört er dem erweiterten Kirchenvorstand der Gemeinde an.

Da  der Asylantrag von Naser R. abgelehnt und auch die Klage dagegen keinen Erfolg hatte, kündigte die Zentrale Ausländerbehörde Oberfranken seine Abschiebung nach Afghanistan an. Weil sein Vater Afghane war, sollte er in das Land ausgewiesen werden, in dem er noch nie gelebt hat und in dem auf Glaubensübertritt die Todesstrafe steht. Bislang kam es allerdings nicht dazu, weil die afghanische Regierung seit März keine Landeerlaubnis für Abschiebungsflüge erteilte. Das ändert sich nun. „Mitte November soll wieder eine Maschine mit abgelehnten Asylbewerbern nach Kabul starten“, hat der Hofer Dekan erfahren. Die Sorge sei groß gewesen, dass Naser R. mit auf der Liste steht.  Saalfrank allerdings hofft sehr, dass die Abschiebung noch verhindert werden kann und es für den Kirchenvorsteher eine Bleibeperspektive in Deutschland gibt. Innenminister Joachim Herrmann habe nun in einem Antwortbrief an den Hofer Kirchenvorstand, der sich für sein Mitglied eingesetzt hat, einen Weg aufgezeigt – auch wenn dieser mühevoll und risikoreich sei.

Der Fall von Naser R. hat bundesweite Aufmerksamkeit bekommen. Denn mit dem 28-Jährigen würde erstmals ein Kirchenvorsteher aus Bayern  nach Afghanistan abgeschoben werden. Nicht nur für die Hofer Flüchtlingsbeauftragte Elisabeth Frisch, den Vorsitzenden der Flüchtlingshilfsorganisation matteo, Stephan Reichel (München), und Dekan Günter Saalfrank ein Unding: „Wenn selbst die Mitarbeit in einem Kirchenvorstand nicht mehr als Beleg gewertet wird, dass ein Konvertit wirklich den christlichen Glauben lebt, was zählt dann noch?“