Rolle der Kirche bei Feier "30 Jahre friedliche Revolution" kaum gewürdigt

 

Hof. Die Rolle der Kirchen wurde bei einer offiziellen Veranstaltung der Bundesregierung "30 Jahre friedliche Revolution" kaum gewürdigt. Diese Kritik am „Längsten Gespräch entlang der deutsch-deutschen Grenze“ übt Hofs evangelischer Dekan Günter Saalfrank in einem offenen Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer. Seehofer war zu Beginn des „Längsten Gesprächs“ am 9. November in der Saalestadt anwesend, einer offiziellen Veranstaltung der Bundesregierung zum Fall der Mauer im November 1989. „Es verwundert, dass angesichts eines Ereignisses, welches nicht nur Christen als „Wunder Gottes“ bezeichnet haben, in keiner Talkrunde ein Kirchenvertreter dabei war“, kritisiert Saalfrank. Lediglich in einem von 26 eingespielten Kurzfilmen sei ein Pfarrer zu Wort gekommen, der über die Verbindungen zwischen Kirchengemeinden entlang des früheren eisernen Vorhangs berichtet habe. Geschichten von kirchlichen Mitarbeitenden und engagierten Christen wie die von Plauens Superintendent Thomas Küttler seien praktisch nicht berücksichtigt worden.

 

Nach Ansicht des Hofer Dekans blieb zudem ein zentraler Aspekt der friedlichen Revolution in dem über viereinhalbstündigen "Längsten Gespräch" ganz und gar unbeleuchtet, das aus vier Studios entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze per Livestream ausgestrahlt wurde: „Kerzen und Gebete hatten damals eine entscheidende Rolle gespielt.“ Horst Sindermann, Mitglied des SED-Politbüros habe nach der Wende erklärt: "Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete."

 

In dem offenen Brief an den Bundesinnenminister, dessen Ministerium federführend für das „Längste Gespräch“ war, weist Saalfrank auf eine Festveranstaltung des bayerischen Innenministeriums am 9. November in Mödlareuth hin, dem geteilten Dorf an der bayerisch-thüringischen Grenze. Dort habe Innenminister Joachim Herrmann ausdrücklich die Rolle der Kirchen bei der friedlichen Revolution gewürdigt. „Ihr bayerischer Kollege sprach sogar von einer „christlichen Revolution“, merkt der Hofer Dekan an. hier