Regionalbischöfin kritisiert Aufruf katholischer Bischöfe scharf

Hof. Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner den Aufruf einiger katholischer Bischöfe um Kardinal Gerhard Müller zu den staatlichen Einschränkungen wegen der Corona-Krise scharf kritisiert. „Da sprechen Menschen, denen es primär um die Macht und Freiheit der Kirche geht und die dabei weit von der Macht der Liebe Jesu entfernt sind“, erklärte Greiner beim ersten öffentlichen Gottesdienst nach Beginn der Corona-Pandemie in der Hofer St. Michaeliskirche. In dem Aufruf  würden „Halbwahrheiten ohne Liebe kombiniert mit merkwürdigen Verschwörungsszenarien“. Eine Kirche, die auf die Durchsetzung ihrer Freiheit poche, aber den Schutz der Schwachen nicht im Blick habe, sei „keine Kirche Jesu Christi“. Bei den Verfassern des Aufrufs, zu dem inzwischen katholische Bischöfe in Deutschland auf Distanz gegangen sind,  handele es sich um „fehlgeleitete und fehlleitende Menschen“.

Die Regionalbischöfin verteidigte die Sicherheitsmaßnahmen für Gottesdienste, die die evangelische und katholische Kirche im Einklang mit dem Staat festgelegt haben. Vorgaben wie Abstand und Mundschutz machten nicht wirklich unfrei, sondern „geben neue Freiheit in Liebe und Fürsorge“. So könnten nun in den Kirchen auch Liedverse wieder zusammen gesungen werden.

Der Gottesdienst in Oberfrankens größter evangelischer Kirche, an dem rund 50 Personen teilnahmen, wurde erstmals auch als Livestream übertragen. Beim Angebot „Gottesdienst analog und digital“  können dem Hofer Dekan Günter Saalfrank zufolge Menschen wählen: Entweder die Feier direkt in der Kirche mitzuerleben oder sie - aus Sorge um die Gesundheit – im Internet zu verfolgen.
Foto: Dekanat Hof