Protestanten feiern den Buß- und Bettag

Hof. Obwohl seit über 20 Jahren kein gesetzlicher Feiertag mehr, hat der Buß- und Bettag für Evangelische nicht an Bedeutung verloren. Im Gegenteil: Nach Ansicht von Dekan Günter Saalfrank (Hof) wird der Tag, der am kommenden Mittwoch auf dem kirchlichen Festkalender steht, zunehmend wichtiger: „Im immer enger getakteten Alltag ist es notwendiger denn je, von Zeit zu Zeit inne zu halten und zu überlegen, wo im eigenen Leben und in der Gesellschaft etwas verkehrt läuft und was geändert werden müsste.“ So bedeute Buße Umkehr von falschen Wegen und Korrektur. 

Bußtage haben eine Jahrhunderte alte Tradition. Ende des 19.Jahrhundert gab es in damals 28 protestantischen  Landeskirchen Deutschlands insgesamt 47 solcher staatlich angeordneter Tage. Sie wurden an 24 über das ganze Jahr verteilten Tagen begangen, waren jedoch nur von jeweils regionaler Bedeutung. Die Tage dienen der Besinnung und des Nachdenkens über begangenes Unrecht. 1950 wurden mit der Einführung des Buß- und Bettages, der jeweils Mitte November zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag begangen wird, die unterschiedlichen „Bußtermine“ vereinheitlicht. 1995 wurde der Tag in allen Bundesländern – bis auf Sachsen – als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. Im kirchlichen Kalender hat er jedoch weiter seinen festen Platz. Die Protestanten begehen ihn als Gedenktag – als Tag der persönlichen Gewissensprüfung, aber auch des Nachdenkens über gesellschaftliche Irrtümer. 

Im Dekanat Hof laden die evangelischen Gemeinden zu Gottesdiensten am Buß- und Bettag ein. In der Regel am frühen Abend, um so auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Zentral findet am Vormittag um 9.30 Uhr in der St. Michaeliskirche ein Gottesdienst mit Beichte und Abendmahl statt, bei dem Dekan Günter Saalfrank predigt.