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Das Thema des Monats im Oktober 2001 Nine Eleven |
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Sehr persönliche Anmerkungen zum 11. September
2001 (lesen Sie außerdem:
"Terrorismus ist mit Krieg nicht zu besiegen" |
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| Die
Bilder, immer wieder diese Bilder. Aus allen Perspektiven, wie im Trick
gestochen scharf, mit
Glutbällen wie im Film. Immer wieder rast der Jet in die blitzende
Fassade des World Trade Centers.
Da oben, im „Windows of the World“-Restaurant, habe ich ein paar Mal
gesessen, die unglaubliche
Aussicht in mich aufgesogen. Ich will die Bilder nicht sehen, nicht
glauben. Und doch sehe ich sie
wieder und wieder. Die Trauer macht mein Herz leer. Mein Kopf dröhnt. Mein Mund spricht mechanisch. Gut, ich habe zu arbeiten, soll über die Ermittlungen, die Opfer, die Schäden, die Reaktionen, die möglichen Täter berichten. Das ist schließlich mein Job als Korrespondent. Aber ich bin doch auch Mensch. Wenn die Radioleitung, die seit 20 Stunden ununterbrochen geschaltet ist, mal eine Minute schweigt, werden meine Augen nass, könnte ich hemmungslos losheulen, sehne mich nach der Umarmung meiner Frau, die den ganzen Tag verwirrt um mich herumläuft. Waren das Menschen, die das getan haben?, frage ich mich und muss mir gestehen: ja. Was soll man mit den Tätern tun? Ich erwische mich bei einem schrecklichen Gedanken. Ich, der ich immer gegen die Todesstrafe war, der einen Mörder durch Giftspritze hat sterben sehen und es barbarisch fand, möchte die Täter tot sehen, gevierteilt, aufs Rad geflochten, bespuckt und verbrannt. Sie sind schon tot, und ich gönne es ihnen. Ob sie zu denen gehören, die im fragwürdigen Märtyrertod ihre Erfüllung sehen? Oder denken wir alle in die falsche, weil zu nahe liegende Richtung? Die Gedanken wische ich weg, ich zwinge mich, auch jetzt, angesichts der brutalsten Bilder, die ich je sah, gerecht zu bleiben. Es fällt verdammt schwer. Nein, wir schlagen nicht Auge um Auge, Zahn um Zahn zurück. Wir finden die Täter, wir stellen sie vor Gericht verurteilen sie. Wir, habe ich gesagt? Ich bin doch nicht Amerikaner, lebe nur hier. Aber heute sind alle Menschen Amerikaner, leiden mit diesem merkwürdigen Volk, das mir nach fünf Jahren immer noch neue Rätsel aufgibt. Das großzügig und großkotzig ist, das Freiheit über alles schätzt und in Gewalt vernarrt ist, das weltweit hilft, aber den Globus naiv in gut und böse aufteilt. Und ich gestehe ich habe Angst. Wie geht das weiter? Wird weiter gemordet? Fallen noch mehr Flugzeuge herunter, werde ich je wieder unbeschwert fliegen? Und was macht Bush jetzt? Kommt jetzt die Spirale der Gewalt? Bomben auf Menschen in Afghanistan, im Irak, Pakistan, wo noch? Und kommt noch Schlimmeres, hier in Washington? Kommt nach dem Terror der offene Krieg? Wo kann ich bleiben, wenn ungezielt gemordet wird? Alles beginnt sich zu drehen, die Ausweglosigkeit der Wut macht sich breit. Und da ertappe ich mich wieder bei etwas, was Journalisten ganz selten tun ich bete. (Quelle: www.kanzelgruss.de ) |
Im Oktober 2001 |
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„Terrorismus ist mit Krieg nicht zu besiegen“ Erklärung des EKD-Ratsvorsitzenden , Präses Manfred Kock 24. September 2001 Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Welt erschüttert. Sie haben nicht nur die USA, sondern die gesamte zivilisierte Menschheit getroffen. Schreckliches Leid ist über viele Familien gekommen. Weit über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus sind Menschen verstört und in Ängste gestürzt. Es ist Aufgabe der Kirchen, die Menschen in ihren Ängsten zu begleiten, ihnen einen Ort zu geben, an dem sie ihre Trauer, ihre Ratlosigkeit und ihre Sehnsucht aussprechen und vor Gott bringen können, und ihnen den Trost zu verkündigen, der inmitten der Angst vom Glauben an Jesus Christus ausgeht. Wir halten uns an das Wort Jesu Christi: "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden" (Johannes 16,33). Zugleich mahnen die Kirchen die politisch Verantwortlichen zu entschlossenem, aber besonnenem Handeln, um der Gefährdung durch den Terror im Maße des Menschenmöglichen zu wehren. Eine besonders schwere Verantwortung lastet auf denen, die in den Regierungen und Parlamenten, in internationalen Organisationen und im militärischen Bereich Entscheidungen zu treffen haben, um die Terroristen und ihre Hintermänner mit allen legitimen Mitteln an weiteren Attentaten zu hindern, sie dingfest zu machen und vor Gericht zu stellen. Auch im Blick auf die terroristische Gefährdung ist es nach evangelischer Auffassung der Auftrag jedes Staates, der internationalen Staatengemeinschaft und des innerstaatlichen wie internationalen Rechts, "nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen." (These 5 der Barmer Theologischen. Erklärung von 1934). Die Anwendung militärischer Gewalt, nach christlichem Verständnis allenfalls "ultima ratio", d.h. äußerstes Mittel, kann höchstens vorläufig äußere Voraussetzungen schaffen, unter denen politische, friedensfördernde Strategien verfolgt werden. Terrorismus ist jedoch mit Krieg nicht zu besiegen. In diesem Zusammenhang überhaupt von "Krieg" oder gar "Kreuzzug" zu sprechen, ist falsch und verhängnisvoll. Militärische Gegenschläge, die vor allem aus dem Wunsch nach Vergeltung hervorgehen, stehen in der Gefahr, das Gebot der Verhältnismäßigkeit zu missachten und weitere unschuldige Menschen zu Opfern zu machen. So werden sie am Ende mehr schaden als nützen. Ich erwarte von der deutschen Regierung, dass sie sich bei der Bekämpfung des Terrorismus in der Solidarität aller zivilisierten Staaten auf diejenigen Schritte verständigt, die unter der Herrschaft des Rechts vertretbar sind. Sie müssen dem langfristigen Ziel der Überwindung des Terrorismus dienen, nicht einer kurzfristigen Demonstration der Stärke. Die Weltpolitik muss auf die Lösung friedensgefährdender Konflikte - wie vor allem in Israel und Palästina - und die Schaffung einer gerechteren internationalen Ordnung ausgerichtet werden. Dieser Auftrag ergibt sich nicht erst aus der Angst vor dem Terrorismus; er entspricht den Weisungen unserer christlichen Tradition. Eine solche Politik bietet immer noch die besten Aussichten, Hass und Fanatismus als den gefährlichsten Brutstätten für terroristische Bewegungen das Wasser abzugraben. Terror und Krieg im Namen Gottes sind Gotteslästerung. Sehr wahrscheinlich stehen hinter den Anschlägen Kräfte, die vorgeben im Namen ihrer Religion einen heiligen Krieg zu führen. Wir aber müssen allen Versuchen widerstehen, den Islam als Weltreligion für diese Terroranschläge verantwortlich zu machen. Wir müssen uns hier noch stärker um Aufklärung bemühen, damit in unserem Land nicht Vorurteile gegen muslimische Bürger wachsen. Der interreligiöse Dialog mit den Muslimen aus unterschiedlichen Kulturkreisen ist zu verstärken und zu vertiefen. Die muslimischen Gemeinschaften in jedem einzelnen Land müssen ebenso wie die islamischen Staaten für das gemeinsame Ziel der Überwindung des internationalen Terrorismus gewonnen werden. Hannover, den 24. September 2001 Pressestelle der EKD |
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| "Sorge vor einer
weiteren Eskalation der Gewalt" EKD-Ratsvorsitzender zu den Militäraktionen gegen Ziele in Afghanistan vom 08. Oktober Die Streitkräfte der USA und Großbritanniens haben am 7. Oktober begonnen, Ziele in Afghanistan anzugreifen. Die Auswirkungen und die politischen Folgen der Aktionen sind im Augenblick nicht überschaubar. Die Verantwortlichen sind mit ihrer Entscheidung ein hohes Risiko eingegangen. Noch ist nicht erkennbar, ob diese jetzt gewählten Mittel dem Ziel der Bekämpfung des Terrorismus tatsächlich dienen, und ob eine Schonung der afghanischen Zivilbevölkerung in dem bekundeten Maße überhaupt möglich ist. In dieser Stunde überwiegt bei mir die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt. Bei der Bekämpfung der Terrororganisation, die hinter den Anschlägen vom 11. September steht, und ihrer Unterstützer darf es nicht um Rache und Vergeltung, sondern allein um Bestrafung der Schuldigen und Gefahrenabwehr gehen. Die Entwicklung in Afghanistan mahnt uns Christen, im Gebet für den Frieden nicht nachzulassen. Ich bitte die evangelischen Gemeinden und die evangelischen Christen in unserem Land, in Andachten und Gottesdiensten und auch im persönlichen Gebet die Hilfe und den Trost Gottes zu suchen. Wir denken auch an die Millionen Flüchtlinge in und um Afghanistan. Ihre Not droht nun noch schlimmer zu werden. Bitte unterstützen Sie die Hilfsmaßnahmen, die auch von der Katastrophenhilfe des Diakonischen Werkes der EKD eingeleitet wurden. Mein persönliches Mitgefühl gilt auch den in Afghanistan inhaftierten Entwicklungshelfern, deren Schicksal jetzt ungewisser ist denn je. Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger: Setzen Sie auch Zeichen der Gesprächsbereitschaft mit den muslimischen Nachbarn. Wir wissen uns mit unseren Partnerkirchen in der Welt, auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, darin einig, dass der Islam als Weltreligion für den Terror nicht verantwortlich ist. Gott hält diese Welt in seinen Händen. Das ist der Trost, auch in diesen Zeiten der Gewalt und der Angst. Dieser Trost ermutigt uns, entschlossen und mit langem Atem weiter zu gehen auf dem Weg zur Überwindung von Krieg und Gewalt. Hannover, den 08. Oktober 2001 Pressestelle der EKD |
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