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Das Thema des Monats im November 2001 »GOD BLESS AMERICA«! Und die anderen? /Von Siegfried Sunnus |
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Der Durchschnittsamerikaner Jimmy Brown weiß erschreckend wenig
von der übrigen Welt. Ein Blick in Zeitungen oder TV-Nachrichten
belegt dies Desinteresse. Sein liebstes Deutungsmuster stammt
aus den Wildwest-Filmen: Eine friedliche community wird von
Banditen terrorisiert. Der tapfere Sheriff findet endlich
Unterstützung, und die Schar macht sich auf, die Feinde in ihrem
Schlupfwinkel zu erledigen. Gut und Böse sind schon in dem
Äußeren der Schauspieler zu erkennen, Zwischentöne sind selten. Aber so ist die Menschen-Welt nicht und war sie auch noch nie gewesen. Fast wie Engel können Menschen sein und bis zur Erschöpfung zu retten versuchen, und teuflisch böse Taten vollbringen. Und sie lassen sich von unterschiedlichen Mächten instrumentalisieren. Vor Jahrhunderten gab es auf den Weltmeeren Piraten, von denen einige Kaperbriefe von einer Seemacht hatten. Für diese waren sie willkommene Unterstützer gegen feindliche Seemacht - für die andere »Freibeuter«. Dann wurden sie allen Seiten lästig, weil sie nach Friedensschluss auf eigene Rechnung weiterhin kaperten. Schließlich einigten sich die Seemächte auf ihre Bekämpfung und führten ›ordentliche‹ Regeln der Kriegsführung auf See ein. Der heute mit äußerster Priorität verfolgte Terrorist war gestern ein willkommener und aufgebauter Bundesgenosse gegen die in Afghanistan eingefallene gegnerische Großmacht. Und jetzt? »Wenn nun der Westen Feuer und Schwefel über diese Länder regnen lässt, dann werden schließlich eine Milliarde Menschen zurückbleiben, die nichts mehr zu verlieren haben - und besser könnte es aus Ibn Ladins Sicht gar nicht kommen. Wahrscheinlich ist er im Irrtum. Zuletzt würde wahrscheinlich doch der Westen den Sieg davon tragen, was immer ›Sieg‹ dann bedeuten mag. Aber ein solcher Krieg würde Jahre dauern, und Millionen Menschen würden darin ums Leben kommen - nicht bloß bei ›denen‹, auch bei ›uns‹. Wer hat dafür schon den nötigen Mumm? Ibn Ladin hat ihn. Sonst noch jemand?« (Tamim Ansary, FAZ v . 18. 9. 2001) Warum ist es Amerika nach dem siegreichen 2. Weltkrieg und mit seiner Ablehnung, die europäischen Kolonialreiche zu garantieren, nur bei so wenigen Völkern - nicht den Oberschichten! - gelungen, die Herzen zu gewinnen? Wenige sind wie Deutschland, aus guten Gründen, den USA herzlich verbunden. Unserem Jimmy Brown und seiner Frau und seinen Kindern ist diese Frage ein Buch mit sieben Siegeln. Er kann nur Undankbarkeit erkennen und igelt sich in seiner Entweder-Oder-Weltsicht ein. So wie nach Pearl Harbor Amerikaner japanischer Abstammung in Lagern konzentriert wurden, läuft die jetzige Hysterie auf kollektive Verurteilung von Muslimen hinaus - und nicht nur dort! Die weltweite ›Internationale‹ der Christenheit wird neu die Vaterunserbitte »Erlöse uns von dem Bösen« in den Zusammenhang des genuin christlichen Gebotes der Feindesliebe auszulegen haben, um die Hassspirale von Terror und staatlichem Antiterror kritisch zu begleiten. Vor dem Abfinden mit den »Kollateralschäden« Unschuldiger fürchtet sich nicht nur Ihr Siegfried Sunnus Quelle: Deutsches Pfarrerblatt |
im November 2001
aus dem |
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