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Mission - noch ein Thema der Kirche?! Die Missionsbeauftragte im Dekanat Hof

"Deutschland im 16. Jahrhundert – das war ein Corpus Christianum. Wer Bürger des Reichs war, war auch Christ. Konfessionslosigkeit gab es nicht. Darum brauchte es auch keine missionarischen Konzepte oder Projekte. Das ist heute anders. Wir haben mit Evangelischen, Katholiken und „Sonstigen“ nicht nur drei in etwa gleich große Blöcke, es sind unter den Kirchenmitgliedern zusätzlich noch eine erhebliche Anzahl sog. „Kirchenferne“, die zwar Kirchensteuern zahlen, die Kirche aber so gut wie nie in Anspruch nehmen. Der Missionsbefehl Jesu, sein letztes Wort an seine Jünger, drängt aber darauf, diese Menschen zu gewinnen bzw. wiederzugewinnen und sie das Evangelium zu lehren." (Johannes Friedrich)


im Juni/Juli
2004

Hintergründe und Links


Dekanatsmissionssonntag am 9. Mai 2010 um 14 Uhr im Lutherhaus in Hof

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Thema: Wir haben genug! Über die ungerechte Verteilung der Ernährung in unserer Welt.

Über diese Problematik wird Herr Pfarrer Christian Pohl von „Mission eineWelt“ referieren. Auf dem Programm steht weiterhin der Austausch über die verschiedenen Partnerschaftsprojekte in den Gemeinden im Dekanat Hof. Es gibt Kaffee und selbstgebackenen Kuchen.

Lesen Sie hier den Bericht vom Dekanatsmissionstag 2009.pdf-Datei, Acrobat-Reader erforderlich


Mission - noch ein Thema der Kirche?!
Vorwort von Johannes Taig (Webmaster)

Wer das Wort Mission hört, denkt zunächst an ferne Länder. Dabei ist Deutschland selbst zum Missionsland geworden, auch wenn noch knapp zwei Drittel der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehören. In der EKD-Schrift "Das Evangelium unter die Leute bringen" aus dem Jahr 2001 heißt es:

"Auch hierzulande kann man angesichts der Hochkonjunktur von außerkirchlicher Religiosität wie New Age, Zenbuddhismus, Astrologie und manchen Psycho-Techniken die These hören, es gäbe einen Religions-Boom. Der Dalai Lama erfreut sich höchsten Ansehens. Immer wieder entstehen neue religiöse und quasi-religiöse Bewegungen. Man muss aber genauer hinsehen. Die Zahlen sprechen nämlich zunächst eine andere Sprache. Denn in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die neuen religiösen Bewegungen einen besonderen Aufschwung nahmen, verloren die großen Kirchen in Westdeutschland durch Kirchenaustritte etwa zwei Millionen Mitglieder. Die Zahl der Mitglieder in neuen religiösen Bewegungen dagegen belief sich bei großzügiger Schätzung am Ende dieses Zeitraums auf nicht mehr als 30.000, das sind nicht einmal 2 % derer, die den Kirchen verloren gingen. Die neue Religiosität ist also frei schwebend. Sie entwickelt keine gemeinschaftlichen Bindekräfte. Aber sie dringt in die Köpfe und Seelen der Menschen ein. Geraten diese in eine persönliche Krise, wird die Bereitschaft groß, sich einer Sekte oder Weltanschauungsgruppe anzuschließen."

Die berühmte Reporterfrage nach dem Versagen der Kirche angesichts hoher Austrittszahlen muss sich die Kirche gefallen lassen. Sie darf aber auch auf die Tendenz zur Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft, die von manchen Eliten in Politik und Wirtschaft ausgeht, hinweisen, wie sie Bundespräsident Johannes Rau in seiner letzten Berliner Rede
pdf-Datei, Acrobat-Reader erforderlich beschrieben hat. Untersuchungen zur Religiosität in den USA zeigen: "Gerade der religiös aktive Amerikaner (wählt) in der Regel seine Denomination und damit die ihm persönlich genehme Doktrin selbst und zwar mitunter nach Maßgabe ganz rationaler Interessen. Eine wirklich religiöse Haltung oder gar Entscheidung ist damit nicht (mehr) verbunden." (Richard Ziegert, Die EKD-Kirchen angesichts der Globalisierung)  Landesbischof Johannes Friedrich gibt zu bedenken: "Wichtig wäre mir, dass sich Kirchengemeinden einmal mit der Frage beschäftigen, weshalb sie Menschen eigentlich nicht erreichen. Vielleicht hat eine Gemeinde ein zu einseitiges Profil. Oder ihr Profil ist nicht klar erkennbar. Solche Gemeinden müssen unterschiedliche Strategien entwickeln. Es macht keinen Sinn, wenn eine pietistische Gemeinde mit Zeltevangelisationen immer wieder dieselbe Gruppe anspricht, die sie eh schon hat. Es macht umgekehrt keinen Sinn, wenn eine sehr weltliche Gemeinde mit sehr weltlichen Aktionen auf sich aufmerksam machen will. Diese müsste wohl eher etwas zu ihrer schärferen Profilierung tun." (aaO.) Insgesamt wird man sagen können: In einer Gesellschaft, in der Gemeinschaft mehr und mehr zerfällt, wird beispielhaft gelebte Gemeinschaft auch ein überzeugendes Zeugnis für das Evangelium sein.

Die großen Kirchen haben aus der Kolonialzeit Europas gelernt, dass Mission, die mit Kulturzerstörung, Ausbeutung und Polarisierung einhergeht, die Botschaft des Evangeliums selbst desavouiert. Daher vollzieht sich ihre Mission nicht ohne Kultur-, Friedens-, und Entwicklungshilfe. Dies schlägt sich auch in den Grundsätzen des Missionswerkes in Bayern nieder. Evangelikal oder fundamentalistisch orientierte Missionswerke, die vor allem aus dem nordamerikanischen Raum kommen, scheinen diese Lektionen in den Wind zu schlagen, wie die unten stehenden Artikel belegen.

Pfr. Schwarz zeigt in seinen "Philippinischen Impressionen", wie Mission zur gegenseitigen Bereicherung führen kann und sei zur aufmerksamen Lektüre wärmstens empfohlen.

 

Missionsbeauftragte des Dekanats Hof

Pfrin. Susanne Hofmann
Joditzer Weg 42
95030 Hof
Tel. (0 92 81) 753 22 28
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Philippinische Impressionen
Von Pfr. Alois Schwarz, Tauperlitz

„... ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 1,8).

Meine Zeilen stehen ganz unter den Eindrücken meiner zweiwöchigen Philippinenreise, von der ich am 10. Mai 2004 zurückkam. Das Land befand sich gerade in seiner heißen Phase des Wahlkampfes, der am 10. Mai mit der Wahl abschloss und 20 Tote zu beklagen hatte. Ein aufrührerisches, anarchistisches Land. Die Zukunft sieht nicht gut aus, so die Meinung der Experten. Zählte das Land vor 40 Jahren etwa 35 Millionen Einwohner, so muss es heute 84 Millionen Menschen ernähren. Statistiker rechnen mit einer Bevölkerung von 160 Millionen in weniger als 30 Jahren, wenn die Geburtenrate weiter so anhält. Ein junges Land! In öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften, auf den Märkten, Feldern, in den Büros und in den Kirchen, prägen hauptsächlich junge Leute das Bild. „Das was bei Euch fehlt ist bei uns üppig vorhanden“, sagte mir ein Freund. Er meinte die Jungen.

Die ersten Tage verbringe ich an der Rizal Universität, in einer Stadt zwei Stunden Autofahrt von Manila entfernt. Hier werden Landwirte ausgebildet. Seit einer Woche befinden sich 150 Bläser auf dem Campus zu einer Fortbildung, die von der renommierten Kirchlichen Hochschule für Musik „The Asian Institute of Liturgics and Music“, mit Sitz in Manila, durchgeführt wird. Weit weg vom Trubel der Großstadt, mit ihren Wahlkampfparolen und Gewaltausbrüchen, musizieren junge Christen, lauschen gespannt den Bibelarbeiten und verschiedenen Vorträgen, und verbreiten eine hoffnungsstarke Zuversicht. In der Mensa treffe ich Studenten der Universität. Jose, im letzten Semester, mietet ca. 7 km von Rizal ein kleines Zimmer bei einem Bauern. Er zahlt keine Miete, hilft dafür dem Bauern bei der Feldarbeit. Täglich macht er sich auf den Weg, zu Fuß und das seit drei Jahren und bei jedem Wetter. Man sieht es an seinen Sandalen und an seiner Kleidung. Sonne, Wind und Regen haben Spuren hinterlassen. „Wie machst du das bloß?“ frage ich. „Das ist unser Leben“, meint er und lächelt, nimmt seine Bibel und verabschiedet sich freundlich. „Ich halte in unserem Dorf die Bibelarbeit und möchte mich vorbereiten.“ Er ist Student und zugleich Missionar, leitet einen Hausbibelkreis und unterrichtet Dorfbauern im Lesen, Schreiben und Rechnen damit sie von den Reisaufkäufern nicht mehr übers Ohr gehauen werden können. Am nächsten Tag treffe ich Sebastian B aus Hessen. Er ist Austauschstudent, will Tropenlandwirt werden. Wir kommen ins Gespräch. „Ich begreife nicht wie die das aushalten. Der Druck ist gewaltig und das bei dem Klima. Ich bin froh wenn das Semester vorbei ist.“ Nebenbei erfahre ich, dass er zur Studentengemeinde stieß und da gute Freunde hat. Er hofft, in Deutschland einen ähnlichen Kreis zu finden. Ich wünsche ihm alles Gute und unsere Wege trennen sich.

Freitag, 16.00 Uhr. Ich fahre mit dem Bus nach Baguio. Auf schlechten Straßen schleppt sich der übervolle Bus von der Küste in die Bergregion. Sieben Stunden dauert die Fahrt. Sie wird zu einer Tortur. Neben mir sitzt ein junger Mann, den ich im Laufe der Fahrt kennen lerne und dessen Namen ich erfahre. Reynaldo hört Musik. Er lauscht einer CD und scheint die Welt um sich zu vergessen. Mein Blick fällt auf das Cover der CD. Es scheint christliche Musik zu sein, aufgrund von Symbolen und Bibelzitaten. Wir kommen ins Gespräch. Reynaldo ist Chef der Band „The Way“ und auf dem Weg zu einem Konzert in den Bergen. Er erzählt mir seine Geschichte, viel Abgrund viel zuviel Negatives. Doch dann hörte er ein Lied aus dem Dunkel einer Slumgegend in Manila. Es packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, es handelte von Jesus, von Heilung, von einem Ausweg. Wirf dich nicht weg, Jesus schenkt dir neues Leben, lautete der Refrain. Und er sagt: „So wie sich Jesus Paulus in den Weg gestellt hat, als er auf dem Weg nach Damaskus war, so hat er sich mir in den Weg gestellt auf meinem Weg zu einer kriminellen Tat in Manila.“ Seit einigen Jahren komponiert er Lieder, singt für Jesus, hat geheiratet und und ist stolzer Vater von zwei Kindern. Seine Eltern staunen nur noch, seine alten Freunde können es nicht glauben und der Gefängniswärter, der, wenn er betrunken war, ihn im Gefängnis so furchtbar zurichtete, ist jetzt sein treuester Fan. Zu schnell verging die Zeit in dem Bus. Ich hätte ihm noch Stunden zuhören können.

Mittwoch, am frühen Nachmittag, 35 grad im Schatten. Ich bin zu Gast im German Sunset Beach Resort. Jan, der Eigentümer ist Bremer. Er lebt seit 15 Jahren in den Philippinen. Ich sitze im Garten, blicke aufs Meer. Orchideen, Kokospalmen, Mangobäume, eine tropische Idylle dazu der Klang der Wellen von der „South China Sea“. Endlich kann ich mich erholen von der Hektik der letzten Tage. Plötzlich höre ich eine laute Stimme. Ein Gast schimpft: „Die Leute hier müssten endlich mal das arbeiten lernen. Vor 10 Minuten habe ich ein Bier bestellt, schaun sie wie langsam die sich bewegt. Da kann ja aus diesem Land nichts werden.“ Ich gehe nicht darauf ein. Nachdem er sein Bier hatte und Ruhe einkehrte, fragte er mich, was ich denn mache und ob ich hier meinen Urlaub verbringe? Ich beantwortete seine Frage. Aber mit Kirche und mit dem ganzen „Gerede von Glauben“ wollte er nichts zu tun haben. Ich wünschte ihm einen erholsamen Urlaub, aber im Grunde genommen bedauerte ich, dass diese Begegnung so geendet hatte. Am Abend besuchten mich meine ehemaligen Studenten vom nahe gelegenen Concordia College. Mike und Ronda hatten ihre Gitarren dabei. Wir saßen an der Beach, sangen christliche Lieder und hielten eine kurze Andacht und dann gab es viel zu erzählen und zu lachen. Dabei bemerkten wir nicht, dass sich zehn Meter entfernt ein Gast niederließ und uns zuhörte. Es war der Mann mit dem Bier. Als meine Freunde gingen kamen wir ins Gespräch. Er war entspannt. Seine schlechte Laune und seine Vorurteile vom Nachmittag waren verschwunden. Die Lieder und die Fröhlichkeit hätten es ihm angetan. Wir führen ein langes Gespräch. Zum Schluss sagt er: „Ich möchte zuhause wieder mal in die Kirche gehen, dieser Abend ist ja so interessant gewesen.“

Wir haben Ende Mai Pfingsten gefeiert. Die Jünger erlebten das Pfingstwunder als ein „Event“ mit unfassbaren Auswirkungen bis in unsere Zeit hinein. Jose, Reynaldo, Mike und Ronda haben das Wirken des Heiligen Geistes in ihrem eigenen Leben erfahren und sie sagen weiter was sie erlebt haben. So wachsen die Gemeinde und die Gerechtigkeit nicht nur in einem Reisbauerndorf irgendwo auf den Philippinen, oder in den Slums Manilas, in einem Gefängnis, oder in der kleinen Landgemeinde in San Juan, am Strande, sondern auch in Deutschland. Sebastian aus Hessen und der Mann mit dem Bier sind nachdenklich und suchend geworden. In ihren Begegnungen und Gesprächen auf den krisengebeutelten, armen Philippinen haben sie die Bedeutung des obigen Bibelwortes erfahren.

(Pfr. Schwarz war viele Jahre Lehrer an einem christlichen College auf den Philippinen)

 

Pfr. Alois Schwarz war bis Mai 2009 Missionsbeauftragter im Dekanat Hof
Kontakt:
Hallgasse 6,
86720 Nördlingen
Mail

 

Partnerschaft mit den Philippinen

Die Evangelische Kirchengemeinde unterstützt die Arbeit der Lutherischen Kirche auf den Philippinen. Seit Juni 2005 besteht eine Partnerschaft mit der Kirche in Nord Luzon, die von Bischof Marvin Paas geleitet wird. Von September 2003 bis Dezember 2005 erhielten wir 2.467 € an Spenden, die ihrem Verwendungszweck zugeführt werden konnten. Allen Geberinnen und Gebern sei an dieser Stelle unser Dank gesagt.

Für die Jahre 2006 und 2007 wollen wir die Gemeindearbeit in Gebet und mit Gaben unterstützen.

  • Kindergottesdienstarbeit der Landgemeinden in Nord Luzon
  • Seminare, workshops und Rüstzeiten für kirchliche Mitarbeiter.
  • Stipendien für zwei Studenten am Asian Institute of Liturgy and Music, Manila.

Rundbriefe können bei Pfarrer Schwarz bestellt werden. Er ist bereit in Gemeinden über die Philippinen zu berichten.

Kontakt:
Pfr. Alois Schwarz
Eichenweg 27
95182 Tauperlitz
Tel. (0 92 81)
4 49 83
Mail:
aloanoir@yahoo.com

 


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Pfr. Schwarz hat ein Buch mit Geschichten von den Philippinen geschrieben: "Cafe Esperanza", Freimund-Verlag,
ISBN 3-86540-010-8

Cafe Esperanza – so nennt Alois Schwarz seine Sammlung von Geschichten, die der Pfarrer während seines Aufenthalts als Gastdozent am Theologischen College in San Fernando erlebt und aufgeschrieben hat.
Mit einer seltenen Mischung aus sensibler Beobachtungsgabe, liebenswürdigem Humor und großer Menschenfreundlichkeit schildert der Autor seine Erfahrungen und Begegnungen mit den Filipinos. So bringt er dem Leser nicht nur die philippinischen Alltagsprobleme, die Lebensweise und die Landschaft näher, sondern malt auch ein Bild evangelischer Christen und ihrer Kirche, die hierzulande kaum wahrgenommen wird. Lassen Sie sich mitnehmen auf eine informative Reise in dieses faszinierende Land!


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