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Das Thema des Monats im Januar/Februar 2004

"Solidarität nach Kassenlage?" Die Diskussion über die Zukunft der Kirche


Zum Jahreswechsel bestimmte die Diskussion um Reformen Gesellschaft und Kirche. Angesichts leerer Kassen und demographischem Wandel werden schmerzhafte Einschnitte in gewohnte Sicherungssysteme notwendig. Dies betrifft auch die Kirche.

Wir haben einige Stimmen zum Thema zusammengetragen:


im
Januar/ Februar 2004


"Solidarität nach Kassenlage"

Ein Interview mit Landesbischöfin Margot Käßmann

Frage: Frau Käßmann, wir wollen auf die deutsche Gesellschaft Jahresende 2003 miteinander schauen und wir machen das an Hand von fünf Thesen, die wir Ihnen zur Kommentierung vorlegen. These Nummer 1: Der Aspekt der Solidarität geht in der deutschen Gesellschaft verloren. Würden Sie dem zustimmen?

Käßmann: Im Großen und Ganzen scheint es tatsächlich so zu sein und das ist für ein Land natürlich wahrhaftig ein schlechter Zustand, wenn die Starken nicht weiterhin bereit sind mit den Schwachen solidarisch zu sein. Und ich denke, wir müssen die Diskussion ein bisschen in eine andere Richtung umlenken und deutlich machen, wir sind weiterhin ein sehr reiches Land, nie gab es so viele Sparguthaben wie heute. Die Frage ist, wie können wir tatsächlich den sozialen Frieden bewahren? In der Denkschrift der beiden großen Kirchen von 97 für eine 'Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit', da heißt es, Gerechtigkeit bedeutet, dass alle so leben, dass sie mit der Bevölkerungsmehrheit vergleichbare Chancen haben und da scheint im Moment tatsächlich etwas verloren zu gehen ...
Lesen Sie hier das gesamte Interview, das im Dezember 2003 in der ZEIT erschien.

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Zur Diskussion über den Zwang zum Sparen und die Zukunft der Kirche

Das vergangene Jahr war in der bayerischen Landeskirche vor allem von der Diskussion um Einsparungen geprägt. Folgende Faktoren machen es notwendig den kirchlichen Haushalt bis 2006 um jährlich 90 Mio. Euro abzuschmelzen:

  • Rückgang des Kirchensteueraufkommens durch zurückgehende Kirchensteuereinnahmen aufgrund des Rückgangs und der Verringerung der direkten Steuern (Einkommens- und Lohnsteuer, Steuerreform)
  • Rückgang der Kirchenmitgliederzahl durch Austritte, vor allem aber durch die demographische Entwicklung (geringe Geburtenzahlen, Überalterung)
  • Strukturveränderungen auf Gemeindeebene bedingt durch die wirtschaftliche Entwicklung, die in einigen Gebieten zu Abwanderung (z.B. in Oberfranken) und in anderen zu Zuwanderung führt (z.B. im südbayerischen Raum)

Die Diskussion darüber, wo gespart werden kann drehte sich am Anfang besonders um die übergemeindlichen (überparochialen) Dienste und Werke der Kirche (ÜPD). Dazu zählen z.B. Einrichtungen wie der Windsbacher Knabenchor, das Amt für Gemeindedienst, das Gottesdienstinstitut, die Medienstelle und viele mehr. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in den letzten 20 "fetten" Jahren vor allem dieser Bereich, gegenüber dem "parochialen Dienst" (PD) der Gemeinde am Ort, ausgeweitet wurde. Zahlreiche Sonderpfarrstellen und Referentenstellen wurden geschaffen.

Der Aufschrei der bedrohten Einrichtungen war verständlicherweise groß. Schließlich einigte sich die Synode im November 2003 in Bad Reichenhall auf das "Rasenmäherprinzip": Alle Teile der bayerischen Landeskirche - auch die Gemeinden am Ort - sollen ca. 15% einsparen. Im Jahr 2004 sollen die Kirchengemeinden erstmals einen 15%igen Stellenbeitrag für ihre Angestellten (MesnerIn, SekretärIn, Putzkräfte et.) erbringen. Dies führt z.B. im Dekanat Hof dazu, dass die Schlüsselzuweisungen aus dem Gesamtkirchensteueraufkommen an die Gemeinden so drastisch sinken, dass manche Gemeinden allgemeine Rücklagen auflösen müssen und nicht wissen, wie sie in Zukunft ihre Pflichtaufgaben (Verkündigung, Seelsorge, Diakonie) erfüllen sollen. Außerdem soll (zukünftigen) Strukturveränderungen dadurch Rechnung getragen werden, dass bis 2008 im Dekanat über 15% der Pfarr- und Diakonenstellen abgebaut werden. So sieht es der Landesstellenplan vor, der auf der Herbstsynode 2003 beschlossen wurde. Durch Pfarrstellenwechsel von Pfarrerinnen, deren Stellen dann - gemäß dem Stellenplan - nicht mehr, oder nur zur Hälfte besetzt werden, wird das Einsparziel wohl früher erreicht werden.



Quelle: http://www.landkreis-hof.de/zahlen.htm

Diese Grafik zeigt die Fragwürdigkeit der landeskirchlichen Stellenplanung im Dekanat Hof. Wer jetzt von Abwanderung spricht übersieht die Wanderdüne, die sich seit der Wende 1989 durch den Landkreis bewegt. In dieser Zeit wurde keine einzige Pfarrstelle neu geschaffen. Wohl aber werden bis 2008 im Dekanat Hof über 15 % der Pfarrstellen wegfallen, obwohl die Bevölkerungszahl den Stand von 1989 noch nicht erreicht hat. Nach Umsetzung des Landesstellenplans wird das Dekanat Hof noch über 30 Pfarrstellen verfügen. Bei 55.000 Kirchenmitgliedern kümmert sich ein Pfarrer bzw. eine Pfarrerin um 1833 Gemeindeglieder. Mehr zum Thema Daten und Zahlen erfahren Sie auf unserer Statistikseite.


Angesichts solcher Probleme wird die Diskussion über das Verhältnis von ÜPD und PD in der bayerischen Landeskirche nicht beendet sein. Andererseits müssen Kirchengemeinden in Stadt und Land über weitergehende Synergieeffekte und Möglichkeiten der Zusammenarbeit nachdenken.

Nicht nur über das Sparen wurde nachgedacht, sondern auch darüber, wie die Kirche ihre Einnahmen verbessern kann. Über die Einführung wirtschaftlicher Methoden, wie Personalentwicklung, Fundraising et. wurde schon im Jahre 2002 heftig diskutiert.

Johannes Taig (Webmaster)


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Hintergründe und Links

Texte und Beiträge zur Diskussion um die Zukunft von Kirche und Gemeinde

Zur aktuellen Diskussion um den Gemeindeaufbau in der ELKB

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Zum demographischen Wandel in Deutschland

 

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