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Das Thema des Monats
im
Dezember
2004/Januar
2005
Stand:
14.08.2010 Die Diskussion um die multikulturelle Gesellschaft |
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Seit der
Ermordung des umstrittenen Filmemachers Theo van
Gogh durch einen Islamisten in den Niederlanden ist die
Diskussion um die (Un-) Möglichkeit einer multikulturellen Gesellschaft,
um Parallelgesellschaften und die Grundwerte unserer Gesellschaft neu
entbrannt. Der "Karikaturenstreit" zu Beginn des Jahres 2006 zeigte,
dass dieses Thema weiter aktuell ist.
In diesem Thema des Monats versuchen wir Ihnen Material zu bieten, das Ihnen hilft, sich selbst eine Meinung zu bilden ... Hintergründe und Links - Zum Karikaturenstreit
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| Standpunkte: | |
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Die Muslime sind längst
unter uns |
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"Problematisch
sind die Grenzen der Autonomie einer religiösen Minderheit.
Inwieweit kann von einer neu auftretenden Minderheitsreligion - auch
rechtlich - eine Rücksichtnahme auf die historisch und kulturell
verankerte Mehrheitsreligion verlangt werden? Jedenfalls dürfen die
Verhaltensweisen einer religiösen Minderheit - seien sie auch in
deren religiösem Recht verankert - sich nicht im Widerspruch zu den
Grundwerten unserer Verfassung setzen. Religiöse Praktiken, die etwa
Kinder oder Frauen zum Objekt (...)
herabwürdigen oder deren Recht auf körperliche Unversehrtheit
irreversibel schädigen, sind nicht vom Schutz der Religionsfreiheit
gedeckt."
"Die
Menschen können und sollen auf ihren Glauben und ihr kulturelles
Erbe stolz sein. Aber wir können in Ehren halten, was wir sind, ohne
zu hassen, was wir nicht sind". |
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EKD-Ratsvorsitzender Huber
gegen Umwandlung von Kirchen in Moscheen |
![]() "Identität hat mit eigener Überzeugung, mit Echtheit, mit Glaubwürdigkeit zu tun. Identität heißt, sich einer Gruppe, einer Nation, einem Land zugehörig zu fühlen und sich gleichzeitig seiner Individualität bewusst zu sein. Identität ist nichts Glattes und unveränderbar Ganzes, sondern etwas Zusammengesetztes und Zerbrechliches, etwas, das gepflegt und genährt, aber auch immer wieder überprüft werden muss. Ohne das Bewusstwerden der eigenen Identität kann man auch die Identität Anderer nicht wahrnehmen und deshalb auch nicht akzeptieren." Johannes Rau |
| Hintergründe und Links | |
Zum Karikaturenstreit:
Kirchliche Links
Weitere Links
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"Sollten
Regeln für das friedliche Miteinander in der Unvereinbarkeit festgelegt
werden, so hätte als eine der ersten zu gelten, dass man Christen nicht
als "Ungläubige" denunziert. Um eine weitere
Regel wird gegenwärtig gestritten: ob der Meinungsfreiheit eine Grenze
zu setzen sei. Sie findet sie bereits beim Schutz der Person. Es ist
nicht einzusehen, weshalb ein solcher Schutz nicht auch für die
Sakralsphäre gewährt werden sollte, ohne dass damit demokratische
Grundrechte aufs Spiel gesetzt würden.
Die religiös Indifferenten leben nicht mehr ganz unter sich in diesem Land. Der Verletzung sakraler Gefühle kommt daher eine andere Bedeutung zu als in der früheren Bundesrepublik. Sie sollte ebenso strafbar sein wie die Verletzung der Ehre. Wie oft beschrieben, bezieht der Islam seine stärkste Wirkung aus seiner sozialen Integrationskraft. Seine diesseitigen Vorteile lässt man leicht außer acht, wenn man sich mit dem politisch-spirituellen Konflikt beschäftigt. Gleichwohl werden liberale Systeme mit ihrem Integrationsangebot, ihren Assimilierforderungen immer mit der innerislamischen Integration konkurrieren. Mit anderen Worten, die angebliche Parallelgesellschaft ist eigentlich eine Vorbereitungsgesellschaft. Sie lehrt uns andere, die wir von Staat, Gesellschaft, Öffentlichkeit abhängiger sind als von der eigenen Familie, den Nicht-Zerfall, die Nicht-Gleich-Gültigkeit, die Regulierung der Worte, die Hierarchien der sozialen Verantwortung, den Zusammenhalt in Not und Bedrängnis. Selbstverständlich ist es für den aufgeklärten Westeuropäer der Born der Finsternis, der dies Leben in der Gemeinschaft unterhält und gut organisiert. Als Experte für passagere Krisen fällt es ihm schwer, mit einem auf Dauer nicht lösbaren Konflikt zu leben. Mit seinem Sinn für das Vorübergehende muss er an ebendieser Dauer scheitern. Da nützt es ihm wenig, wenn er - zwischenzeitlich und vorübergehend - neue Quellen der Religiosität in seiner Welt entdeckt. Sie hören meistens nach dem Kirchentag schon wieder auf zu sprudeln. Andererseits gibt es eine Chance der Inspiration und der indirekten Beeinflussung, die von der unmittelbaren Nähe einer fremden und gegnerischen sakralen Potenz herrührt. Sie sollte uns allerdings zu etwas mehr als zu Spott und Satire provozieren. In dieser Konkurrenz gilt es, unser eigenes Bestes aufzubieten, es neu zu bestimmen oder wiederzubeleben: das Differenziervermögen an oberster Stelle, das Schönheitsverlangen, geprägt von großer europäischer Kunst, Reflexion und Sensibilität - lauter Sinnes- und Geistesgaben, die in der westlichen Gesellschaft der Gegenwart von geringer Bedeutung, geringem Ansehen sind. Wir sind ja nicht bloß eine säkulare, sondern weitgehend eine geistlose Gesellschaft. Schon das macht den "Dialog" nicht leichter. Für die Vorbereitungsgesellschaft wäre zwar auch unser Bestes heute nichts als Häresie, und doch - gäb's je ein globales Toledo, zumindest eine kurze Blütezeit westöstlicher Synergien, dann führte der Weg dorthin weniger über die Weltmärkte, technische Innovationen, Sitten und Moden, sondern wiederum über die Annäherung und den Disput zwischen den Schriftkulturen. Der Konflikt ist nicht zu lösen, dafür aber fest umrissen und beendet die Periode der "neuen Unübersichtlichkeit". Mit der westlichen Einfühlung in einen unüberwindlichen Antagonismus, sakral/säkular, ist die herrschende Beliebigkeit, sind Synkretismus und Gleich-Gültigkeit in eine Krise geraten. Vielleicht darf man sogar sagen: Wir haben sie hinter uns. Es war eine schwache Zeit!" (Botho Strauß, Der Konflikt, Der Spiegel, Nr. 7/2006, S.121) |
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ESSAY - "WIR
KAPITULIEREN!" VON HENRYK M. BRODER (DER SPIEGEL 33/2006 vom
14.08.2006, Seite 38) |
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