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Das Thema des Monats im August 2005 - Januar 2006                                                                     Stand: 02.06.2009

Ein Gesprächsanstoß
des Landessynodalausschusses
der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Hintergründe und Links


im
August 2005-Januar 2006


Wo stehen wir?

Die Landessynode hat eine Reihe von Entscheidungen getroffen, um die kirchlichen Finanzen zu konsolidieren. Das Ziel war immer, dass unsere Kirche dadurch finanziell wieder handlungsfähig wird.

Gleichzeitig aber müssen und wollen wir uns den inhaltlichen und thematischen Herausforderungen stellen, die auf unsere Kirche in den nächsten Jahren zukommen. Wir wissen, dass die Zukunft der Kirche letztlich in den Verheißungen Gottes begründet ist. Ihnen wollen wir mit unseren Entscheidungen möglichst Räume öffnen. Auf allen Ebenen der Landeskirche, besonders aber in der Kirchenleitung müssen wir auf Fragen wie diese Antwort finden:

  • Worauf müssen wir unsere Kräfte und Mittel künftig konzentrieren?
  • Wie eröffnen wir Spielräume für Handeln in eigener Verantwortung?
  • Wie schaffen wir anstelle Kräfte raubender Verteilungskämpfe Anreize für Zusammenarbeit und Solidarität?
  • Wie gestalten wir die Einheit unserer Landeskirche?
  • Wie bleibt sie eine verlässliche Arbeitgeberin?
  • Wie bauen wir unnötige Vorschriften und Genehmigungsverfahren ab?
  • Wie verteilen wir die geringer gewordenen Finanzmittel gezielt und gerecht?
  • Wie gehen wir mit kirchlichen Gebäuden um, an denen Menschen hängen und wo sie zu Hause sind?

Als im Februar 2003 Landessynode, Landeskirchenrat und Landesbischof in Rummelsberg zu einer „Zukunftskonferenz“ zusammenkamen, waren sich alle einig: Unsere Kirche soll ihre Kräfte stärker dorthin lenken, wo sie „Kirche vor Ort“, also mit ihrer Botschaft nahe bei den Menschen ist.

„Kirche vor Ort“ - was ist das?

„Vor Ort“. Die Redewendung hat Konjunktur. „Vor Ort“, das ist mitten im aktuellen Geschehen; dort, wo sich Entscheidungen bewähren oder scheitern; dort, wo’s drauf ankommt, da zu sein. „Vor Ort“: das ist dort, wo die Menschen sind, um die es geht.
Der Ausdruck „vor Ort“ kommt aus der Bergmannssprache: Unten im Grubenschacht, wo Kohle, Salz oder Erz gebrochen wird, ist „vor Ort“. Dort ereignet sich das, wofür das ganze Bergwerk da ist.

Wo ereignet sich Kirche?

Das Augsburger Bekenntnis konnte 1530 Kirche in einem Satz definieren: Sie ist „die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden“ (CA VII). Predigt und Sakramente: Das umfasst sicher das gottesdienstliche Leben, reicht aber weit über den Sonntagsgottesdienst hinaus! Dem Wort folgt die Tat. Wo Menschen im Alltag verantwortlich vor Gott handeln, sah Luther einen Gottesdienst.

Nach den „Perspektiven und Schwerpunkten“ von 1998 ist das Ziel der Kirche, dazu beizutragen, dass „Menschen in ihrem Leben dem dreieinigen Gott begegnen, an ihn glauben und sich in ihrem Glauben entfalten können“. Anschließend wird der Auftrag unserer Kirche in vier Grunddimensionen beschrieben. Es sind dies:

  • Zeugnis und Orientierung (martyria)
    Glauben entdecken und für die Einsichten des Glaubens einstehen
  • Gotteserfahrung und Selbstbesinnung (leiturgia)
    Zu Gott und zu sich selber finden
  • Gemeinschaft (koinonia)
    Einander begegnen und miteinander leben
  • Hilfe und Begleitung (diakonia)
    Zuwendung erfahren und Verantwortung übernehmen.

Wo immer das unter Menschen konkret wird, da ist Kirche „vor Ort“. Wo eine der Dimensionen fehlt, fehlt der Kirche Entscheidendes. Wenn all das aber immer wieder verlässlich geschieht, dann ist da ein Ort der Kirche - selbst, wenn kein Kirchturm in Sicht ist. Denn Kirche ist nicht einfach Institution, sondern sie beschreibt ein Ereignis: die Begegnung von Menschen mit Gottes Botschaft in verstehbaren und glaubhaften Zeugnissen für unsere Welt.

Kirche vor Ort bricht als Kirche Gottes alle begrenzten Horizonte und jedes enge Denken auf. Sie lebt nicht für sich, sondern von ihrer Botschaft her und für die Menschen, zu denen sie gewiesen ist. Sie verwirklicht sich nach unserer Kirchenverfassung neben ihren Gemeinden auch in Einrichtungen und Diensten. Und sie ist ökumenisch im doppelten Sinn: konfessionsübergreifend und weltumspannend.

Die Landessynode fragt „vor Ort“ nach Ihrer Meinung

Die Landessynode kann nach ihrem eigenen Kirchenverständnis die Frage nach „Kirche vor Ort“ nicht nur intern diskutieren. Deshalb möchten wir zum Dialog einladen. Wir wissen, dass Sie als diejenigen, die für kirchliches Leben „vor Ort“ Verantwortung tragen, in einer ganzen Reihe von nebeneinander laufenden Prozessen bereits auf dem Weg und stark beansprucht sind:

  • Die Landesstellenplanung in Gemeinden und Dekanaten will umgesetzt werden und die für Dienste und Einrichtungen steht bevor.
  • Im Konsolidierungsprozess müssen Sie ihre Arbeit den veränderten finanziellen Gegebenheiten anpassen.
  • Der geplante neue innerkirchliche Finanzausgleich wird den Gemeinden und Dekanaten neue Rahmenbedingungen geben.
  • Die Kirchenvorstandswahlen 2006 müssen geplant und vorbereitet werden.
  •  Im Handlungsfeldkonzept wird erprobt, wie die Vielzahl kirchlicher Aufgaben und Institutionen sinnvoll koordiniert werden kann.
  • Ein Projekt „Immobilien“ sucht Wege zur Erhaltung notwendiger und zur Verwertung entbehrlicher Gebäude unserer Kirche.

Wir meinen: „Kirche vor Ort“ ist kein neuer Prozess neben den anderen, der zwangsläufig zusätzlich Kräfte bindet. Es ist die Suche nach dem, was alles verbindet. Es kann uns und Ihnen nützen, wenn wir darüber miteinander sprechen.

Die Mitglieder der Landessynode werden deshalb das Gespräch mit interessierten Mitgliedern unserer Kirche suchen. Zugleich lädt die Landessynode die Gremien, insbesondere in Dekanatsbezirken, Kirchengemeinden, Diensten und Einrichtungen, aber auch Gruppen interessierter Kirchenmitglieder ein, sich an der Diskussion zu beteiligen.
Bitte prüfen Sie die Strukturen und Arbeitsformen unserer Kirche insgesamt und besonders die in Ihrem eigenen Verantwortungsbereich daraufhin, ob sie dem Ziel dienen, mit Gottes Botschaft näher bei den Menschen unserer Zeit und zugleich ganz Kirche zu sein.

Drei Schritte sind uns dabei wichtig:

Erstens: Denken Sie theologisch nach
Was sind wir als Kirche - und speziell in Ihrem Verantwortungsbereich - von unserem Auftrag her den Menschen schuldig? Dazu zählen diejenigen, die in der Kirche mitarbeiten, die ihr als Mitglieder die Treue halten, aber auch alle Menschen an Ihrem Ort und darüber hinaus! Wenn Sie können, geben Sie uns eine zusammenfassende Antwort.
Zweitens: Machen Sie eine Bestandsaufnahme
Wo sind Sie in Ihrem Verantwortungsbereich ausgesprochen „nahe bei den Menschen“? Wo gelingt ihnen das? Welche Menschen sind zu wenig im Blick? Wo möchten Sie sich als Kirche an Ihrem „Ort“, in Ihrem Arbeitsbereich neu auf den Weg zu den Menschen machen? Welche konkreten Projekte haben Sie sich vorgenommen? Wir freuen uns, wenn Sie uns auch das kurz mitteilen.
Drittens: Geben Sie konkrete Rückmeldungen an die Landessynode
Auf dem Hintergrund der ersten beiden Schritte können dann Ihre Anregungen, Einschätzungen und Bedarfsanzeigen sehr hilfreich werden für unsere Entscheidungen:
  • Wie schätzen sie die Entscheidungs- und Beteiligungsprozesse in unserer Landeskirche ein - zu umfangreich, zu gering oder gerade richtig?
  • Bekommen Sie die nötige Unterstützung für Ihre Arbeit an Ihrem Ort? Welche bräuchten Sie in regionaler Nähe, welche von zentralen landeskirchlichen Einrichtungen und Diensten?
  • Stimmt die Aufgabenverteilung zwischen Kirchengemeinden auf der einen und Diensten und Einrichtungen auf der anderen Seite?
  • Benötigen wir neben lokal definierten Gemeindeformen auch andere, die eine bestimmte Region oder einen bestimmten Personenkreis umfassen?
  • Helfen Ihnen die Spielräume, z.B. in der Dekanatsbezirksordnung oder der Kirchengemeindeordnung in Ihrer Arbeit? Wo sind Verfahren immer noch zu aufwändig?
  • Welche Rolle spielen Kooperationen an Ihrem Ort?
  • Wie stellen Sie sich das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen vor?
  • Wie wirkt es sich bei Ihnen aus, dass wir im Ganzen weniger bezahltes Personal haben?
  • Braucht die Ökumene neue Impulse und wenn ja, von wem?
  • Geben wir die richtigen Antworten auf die Herausforderungen unserer Gesellschaft?
  • Wie sieht es mit der diakonischen Dimension unseres Handelns aus?
  • Welchen Stellenwert hat für Sie die weltweite Verantwortung der Kirche?

Bitte entscheiden Sie selbst, welche dieser Fragen Sie betreffen und fügen Sie die hinzu, die Ihnen fehlen.

Die Landessynode lädt Sie ein:

Setzen Sie sich bis Frühjahr 2006 in Ihrem Gremium zusammen und besprechen Sie diese Fragen vor dem Hintergrund Ihrer Situation und Ihres Verständnisses von Glaube und Kirche! Halten Sie die Gesprächsergebnisse fest. Teilen Sie diese bitte der Landessynode mit: Wir werden alle Zuschriften lesen, sorgfältig auswerten und ein Gesamtbild erstellen.

Wenn Sie uns schon früher antworten, dann können wir Ihre Rückmeldungen bereits in die laufende Arbeit der Landessynode (z.B. bei Gesetzgebungsvorhaben) einbeziehen. Das gilt besonders für alles, was mit dem Thema „Diakonisches Handeln“ zusammenhängt: Alle Ergebnisse werden bei der Frühjahrssynode 2007 veröffentlicht. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden dann Perspektivbeschlüsse gefasst.

Noch Fragen?

Ihre Synodalen stehen Ihnen als Ansprechpartnerinnen und -partner gerne zur Verfügung. Sie wollen bei diesem Diskussionsprozess nicht außen vor sein, oder erst am Ende etwas beschließen, sondern freuen sich, am Gedankenaustausch unmittelbar beteiligt zu sein.

Mit inhaltlichen und methodischen Fragen können Sie sich an das theologische Planungsreferat der ELKB wenden. (Meiserstraße 11-13, 80333 München; 089/5595-331, planung@elkb.de).
Dieses Papier als PDF pdf-Datei, Acrobat-Reader erforderlich

   

Zum Thema:

"Die Kirche bleibt bei oder kommt wieder zu ihrer Sache, indem sie, ohne dabei an sich selbst zu denken, sich ganz und gar für den Gott interessiert, dessen unendliches Interesse dem Menschen gilt und das heißt: indem sie glaubt. Der Glaube allein gibt der christlichen Kirche das Recht einer eigenen und unverwechselbaren Existenz. Das uneingeschränkte Interesse an Gott allein macht auch die Kirche wahrhaft interessant, während die nur an sich selbst interessierte Kirche (ecclesia incurvata in seipsam) immer uninteressanter wird. Eine uneingeschränkt nach Gott selbst, und das heißt: nach dem Gott, der Mensch wurde, weil er die Gemeinschaft von Menschen sucht, fragende Kirche vollzieht von selbst einen Akt geistlicher Konzentration. ...

Die Anwesenheit Gottes ereignet sich im von ihm redenden Wort. Im Wort kommt er denen nah, die ihn hören, und denen, die auf ihn hören, näher, als sie sich selber nahe zu sein vermögen. Hören ist folglich die Grundform christlicher Existenz. Die christliche Kirche existiert als hörende und deshalb verkündigende Kirche.

Ihr zentrales Ereignis ist der Gottesdienst. Von ihm her gewinnen alle anderen Aktionen und Passionen christlichen Lebens ihre Funktion und Bedeutung. Im Gottesdienst imponiert sich die Bibel der Kirche als die für sie allein maßgebende, eben deshalb kritisch zu lesende Autorität. Die gottesdienstliche Versammlung ist eine Erzählgemeinschaft, die das Erzählpotential der biblischen Geschichte im Verstehen unserer Welt pointiert zur Sprache bringt und so den Leistungsmenschen aus der Dimension angespannter Tätigkeit in die Dimension kreativer Empfänglichkeit versetzt. Der Gottesdienst gewährt einen »Müßiggang« des Glaubens, in dem sich der Glaubende von Gott dienen und gerade so zur verantwortlichen Tat stärken läßt.

Zum Lernen ist die Schule da. Die Kirche ist erst in zweiter Linie eine Schule des Glaubens oder "Lerngemeinschaft". Ursprünglicher ist sie eine die Geschichte Jesu Christi als Gottes Geschichte mit der Menschheit ansagende Erzählgemeinschaft. Zur Erzählgemeinschaft des Gottesdienstes gehört die Abendmahlsgemeinschaft als Ausdruck gemeinsamer Freude und Dankbarkeit (Eucharistie) für den Dienst Gottes an uns. Die ursprüngliche gottesdienstliche Einheit von Wort Gottes und Tisch des Herrn wieder herzustellen, ist eine der evangelischen Christenheit auferlegte theologische Pflicht.

Die geistliche Konzentration des christlichen Lebens auf den Gottesdienst führt zu einer Intensivierung der politischen Verantwortung der Christen, insofern diese Verantwortung aus einer Entkrampfung erwächst, die es erlaubt, unbeschadet der Nähe oder Ferne zu parteipolitischen Positionen allein dem Geist der Wahrheit und der Liebe zu dienen, der Gott entsprechende Menschen schafft."
(Eberhard Jüngel, Anfechtung und Gewissheit des Glaubens oder wie die Kirche wieder zu ihrer Sache kommt, Kaiser Traktate 23, 1976, S. 42 ff.)

 

"Das Evangelium von dem in Jesus Christus zur Welt gekommen und den Gottlosen rechtfertigenden Gott konstituiert den christlichen Gottesdienst als elementare Unterbrechung des weltlichen Lebenszusammenhanges, und zwar in der zweifachen Gestalt

  • des liturgischen Gottesdienstes in der Versammlung der Glaubenden,
  • des vernünftigen Gottesdienstes im Alltag der Welt.

Die beiden Gestalten des liturgischen und des vernünftigen Gottesdienstes sind gleichursprünglich. Die Herabsetzung des liturgischen Gottesdienstes zu einem bloßen Mittel zur Verwirklichung des vernünftigen Gottesdienstes - als des angeblich einzigen Gottesdienstes "im Geist und in der Wahrheit" (Joh 4,24) - ist das insbesondere dem Protestantismus drohende Mißverständnis des evangelisch zu verstehenden Gottesdienstes.

Das insbesondere im Protestantismus drohende Mißverständnis des christlichen Gottesdienstes birgt die zweifache Gefahr

  • einer "Beugung des Gottesdienstes unter die Tyrannei der Ethik" bzw. unter die Tyrannei politischer Ziele und Werte,
  • einer das gesamte wirksame Leben in Beziehung auf seinen sittlichen Gehalt zu einem opus operatum (aus sich selbst wirksamen Werk) machenden Werkgerechtigkeit.

... Im christlichen Gottesdienst und seinen Handlungen findet das die priesterliche und königliche Tätigkeit offenbarende Wort-Amt Jesu Christi und nur dieses seine menschliche Entsprechung. Deshalb ist das "docere evangelium" (Predigen des Evangeliums) als Dienst am Wort der "praecipuus cultus Dei" ("allergrößte, heiligste, nötigste, höchste Gottesdienst, ...., denn das Predigtamt ist das höchste Amt in der Kirchen." ApolCA XV, BSLK, 305,9f).
(Eberhard Jüngel, Wertlose Wahrheit, Mohr Siebeck, 2. Auflage 2003, S. 305 ff.)

 

"Gottes Werk wirken zu lassen - das und nur das ist die Funktion kirchlichen Handelns. Weil wie "in allen . . . sacramenten, auch in der prediget" kein Mensch "gott ettwas gibt odder wol thut, sondern nympt ettwas", deshalb ist das gottesdienstliche Handeln "nit ein werck ..., sondern ein ubung des glaubens allein" (Martin Luther). Die für den Menschen als Weltwesen lebensnotwendige Leistung und das heißt: das wirkende und bewirkende Handeln, das selber etwas herstellen will, muß und soll, deshalb aber immer in der Gefahr steht, zur menschlichen Selbstverwirklichung zu entarten, wird im kirchlichen Handeln durch Gott selbst elementar unterbrochen. Das gottesdienstliche Handeln der Kirche ist also das genaue Gegenteil von religiöser Selbstverwirklichung."
(Eberhard Jüngel, Wertlose Wahrheit, Mohr Siebeck, 2. Auflage 2003, S. 325)

 

Ekklesia, Kirche, ist für Paulus zu aller erst eine konkrete Gemeinschaft von Menschen, die ihre Struktur durch den im Evangelium gegenwärtigen gekreuzigten und erhöhten Christus erhält. In ihrer Existenz wird - freilich nur zeichenhaft und vorläufig - die verändernde und erneuernde Kraft des Evangeliums sichtbar und erkennbar (1.Kor 10,17). Der Apostel bringt das Evangelium so zur Geltung, dass dadurch ekklesia, also Kirche, entsteht. Im Zentrum seines Dienstes am Evangelium steht dabei zunächst die Glauben schaffende Verkündigung des Evangeliums.
(Jürgen Roloff,
Die Torheit des Kreuzes und die Weisheit der Personalentwicklung
pdf-Datei, Acrobat-Reader erforderlich)  


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Hintergründe und Links

Die Frühjahrssynode 2007 der ELKB zum Thema "Kirche vor Ort"


Zur aktuellen Diskussion um den Gemeindeaufbau in der ELKB

Literatur

Weiteres zum Thema auf dekanat-hof.de

   

Gegen zentralistische Kirchenstrukturen - Plädoyer für gemeindliche Eigenständigkeit zum Abschluss der Landessynode-

Mit einem Plädoyer für die Eigenständigkeit evangelischer Kirchengemeinden sowie mit mehreren Beschlüssen zur Theologenausbildung und zur Pfarrstellenbesetzung ist die Frühjahrstagung der bayerischen Landessynode zu Ende gegangen. Mit Blick auf das Schwerpunkthema "Kirche vor Ort" sprachen sich mehrere Synodale am Donnerstag in Ansbach übereinstimmend dafür aus, dass die Gemeinden ihre Arbeitsschwerpunkte eigenverantwortlich festlegen können.

Vor Fusionen zu Großgemeinden warnte vor dem Kirchenparlament der rund 2,6 Millionen Protestanten der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Helmut Mangold. In allen Umfragen werde die Ortsgemeinde besser eingeschätzt als die Gesamtkirche. "Volkskirche muss nicht Massenkirche heißen, sondern Kirche, die nahe beim Volk ist", betonte er.

Gegen zentrale Kirchenstrukturen wandte sich auch der Vorsitzende des Grundfragenausschusses, der Neuendettelsauer Theologieprofessor Wolfgang Stegemann. An der Basis gebe es ein beeindruckendes Maß an Engagement und Kreativität, das unterstützt werden müsse. Das Gegenüber von Kirchenleitung und Kirchenvolk bezeichnete Stegemann als überholte Sicht. "Wir brauchen eine Beteiligungskirche, keine Servicekirche", sagte er.

Durch Anforderungen "von oben" gewinne das Gemeindeleben nichts, fügte der Nürnberger Stadtdekan Michael Bammessel hinzu. Aufgabe der Kirchenleitung sei es vielmehr, den Mitarbeitern an der Basis "die Last leicht zu machen". (Artikel vom 22.03.2007)

"Denn es weiß, gottlob, (schon) ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören. Denn so beten die Kinder: Ich glaube eine heilige christliche Kirche. Diese Heiligkeit besteht nicht in Chorhemden, Tonsuren, langen Röcken und ihren andern Zeremonien, von ihnen über die heilige Schrift hinaus erdichtet, sondern im Wort Gottes und rechtem Glauben."
(Martin Luther: Die Schmalkaldischen Artikel, 1537, Luther-W Bd. 3, S. 366)


"Die ekklesiologische Findungsregel oder Grundnorm kann in einer evangelischen Kirche nur das Gemeindeprinzip sein. Es drückt das Priestertum aller Gläubigen als Konsequenz der Rechtfertigung allein aus Glauben aus. Das Gemeindeprinzip enthält die Gedanken der Freiheit und Würde des Einzelnen, gestiftet durch die Verkündigung der Botschaft von der freien Gnade Gottes, der Gleichheit der Gemeindeglieder, verbürgt durch die Taufe sowie der Teilhabe an Leitungsvollzügen des Volkes Gottes und der Solidarität und gegenseitigen Fürsorge, verankert im Geschehen des Abendmahls. Aus diesem Prinzip bzw. aus dieser Findungsregel lassen sich sowohl Prioritäten in der künftigen Aufgabensetzung als auch Richtlinien für den Systemwandel der Kirche entwickeln.
Das Gemeindeprinzip führt zu einer Rückgabe der Verantwortung an die Gemeinden am Ort. Die Finanz-, Personal- und Bauhoheit sowie die Aufgabe der inhaltlichen Schwerpunktsetzung gehört in die Hände der gewählten Gemeindevertreter. Vor Ort müssen die entsprechenden Entscheidungen getroffen werden und nur hier sind sie möglich. Was in Berchtesgaden richtig ist, kann in Naila falsch sein. Wo in Kempten eine Schwerpunktsetzung in der Arbeit nötig ist, kann in Weiden eine Kürzung nötig sein. Ob im Dekanat Rosenheim ein Bildungswerk oder ein Jugendwerk nötig oder sinnvoll ist, ob man sich beides leisten will und kann oder nur eines oder keines von beiden, das kann nicht in bayernweiten Beschlüssen der Landessynode geregelt werden. Dafür braucht es die Situationskenntnis und Kompetenz vor Ort. Der hermeneutische Zirkel funktioniert nur im überschaubaren Kontext: Auftrag der Kirche, Situation vor Ort, Ressourcen an Raum, Zeit, Geld und Personen müssen miteinander ins Spiel gebracht werden, um sinnvolle Handlungsziele und -inhalte zu entwickeln." (Dr. Martin Hoffmann)

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