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Das Thema des Monats im August/September 2003

Kirche auf Sparkurs - Im Dekanat Hof werden 5 Pfarrstellen gestrichen -
Proteste hatten keinen Erfolg - jetzt muss das Beste daraus gemacht werden ...



(Foto: Lammel, Münchner Sonntagsblatt)

 Hintergründe und Links

Am 17. Nov. 2002 vor der Michaeliskirche in Hof: Gemeindeglieder demonstrieren in Anwesenheit von Landesbischof Johannes Friedrich gegen die Pläne der Landeskirche, im ehemaligen Zonenrandgebiet Pfarrstellen abzubauen.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Thema des Monats im Januar/Februar 2004


im August/ September 2003



Der Berg des Protestes kreiste und gebar nicht einmal eine Maus. Die zusätzliche halbe Pfarrstelle, die die Hospitalkirchengemeinde für Studierendenseelsorge (2400 Studierende) erhalten sollte wurde wieder gestrichen, dafür blieb die Klinikseelsorge als halbe Stelle erhalten: ein Nullsummenspiel. Weitere Proteste machen keinen Sinn. Der Landesstellenplan wurde auf der Frühjahrssynode beschlossen.

Der Stellenplan folgt nachvollziehbaren Kriterien. Es bleiben aber Fragen offen: 1995 gehörten zum Dekanat Hof 61.491 Evangelische; im Jahr 2001 waren es nur noch 56617 - ein Rückgang durch Abwanderung um 7,92 Prozent (siehe Statistik). Jetzt sollen über 15% der Pfarrstellen wegfallen. Warum zieht sich die Landeskirche überproportional aus einem ihrer Kerngebiete mit über 70% evangelischem Bevölkerungsanteil und geringen Austrittszahlen zurück?



Quelle: http://www.landkreis-hof.de/zahlen.htm

Diese Grafik zeigt die Fragwürdigkeit der landeskirchlichen Stellenplanung. Wer jetzt von Abwanderung spricht übersieht die Wanderdüne, die sich seit der Wende 1989 durch den Landkreis bewegt. In dieser Zeit wurde keine einzige Pfarrstelle neu geschaffen. Wohl aber werden bis 2008 über 15 % der Pfarrstellen wegfallen, obwohl die Bevölkerungszahl den Stand von 1989 noch nicht einmal erreicht hat. Nach Umsetzung des Landesstellenplans wird das Dekanat Hof noch über 30 Pfarrstellen verfügen. Bei 55.000 Kirchenmitgliedern kümmert sich ein Pfarrer bzw. eine Pfarrerin um 1833 Gemeindeglieder.


Einziger Lichtblick: Da im Dekanat mehr als 10% der Pfarrstellen gestrichen werden muss ein Drittel des neuen Stellenplanes bis 2005 und der Rest erst bis 2008 umgesetzt werden; genug Zeit also für alle Gemeinden, sich auf die neue Situation einzustellen.

Die Vorgaben sind bekannt: Fast jede Gemeinde in Hof Stadt und Land verliert eine halbe Pfarrstelle, eine halbe Diakonen- oder Gemeindepädagogenstelle. Wie der Mangel in Zukunft verteilt wird, muss das Dekanat, seine Dekanatssynode und deren Ausschuss festlegen. Die Ergebnisse werden von der Kirchenleitung kirchenaufsichtlich genehmigt.

Bereits Anfang Juni 03 berief Dekan Weiß einen Strukturausschuss ein, der sich mit diesen Fragen beschäftigte und auf einer Sondersitzung des Dekanatsausschusses am 2. Juli 03, zu der je zwei Vertreter aller Gemeinden geladen waren, folgende Vorschläge machte:

  • In keiner Gemeinde auf dem Land, soll in Zukunft das Licht in der Kirche und im Pfarrhaus ausgehen. Daher wird die Zusammenlegung von halben Land- mit halben Stadtpfarrstellen empfohlen. Dabei soll der Pfarrer oder die Pfarrerin im Außenort wohnen und einen entsprechenden Stadtsprengel übernehmen.
  • Wo dies nicht möglich ist, soll eine halbe Dorfstelle mit einer halben Stelle für andere Aufgaben kombiniert werden. So ist bereits die halbe Stelle in Kautendorf mit einer halben Stelle für die Leitung des Bildungswerkes Hof-Naila kombiniert. Zur halben Pfarrstelle in Joditz konnte eine halbe Schulpfarrstelle an einem Hofer Gymnasium errichtet werden.
  • Aufgrund des hohen Anteils von alten Menschen und vielen Altenheimen sieht der Landesstellenplan eine überregionale Pfarrstelle für Altenseelsorge vor. Diese Stelle soll nicht aufgeteilt werden, sondern mit einem Spezialisten auf diesem Gebiet besetzt werden. Dies ist eine Entlastung für die Gemeinden, die halbe Pfarrstellen verlieren und viele Altenheime im Gemeindegebiet haben. Dort soll der der Altenseelsorger schwerpunktmäßig tätig sein.

Die Vorschläge des Strukturausschusses wurden von den Gemeindevertretern überwiegend positiv aufgenommen. Bis Mitte Oktober haben die Gemeinden Zeit in ihren Kirchenvorständen die Vorschläge zu beraten und Stellung zu nehmen. Danach wird der Dekanatsausschuss entscheiden. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, die die Versorgung der Kirchenmitglieder in Stadt und Land sicherstellt und Pfarr- und Diakonenstellen entstehen, die auch auch in Zukunft attraktiv und besetzbar bleiben.

Leider muss in Zukunft nicht nur am Personal, sondern auch an den Sachkosten gespart werden. Die Kirchensteuereinnahmen sind aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahren rückläufig. Die vorgezogene Stufe der Steuerreform wird die Kirchensteuer, die 8% der Einkommenssteuer beträgt, weiter schwinden lassen. Die Zeit schmerzlicher Einschnitte wird mit dem Abbau von Pfarrstellen im Dekanat Hof noch lange nicht vorbei sein.

Johannes Taig (Webmaster Dekanat Hof)

 

 


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