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Das Thema des Monats im August 2001 

Eine Glosse zu den Sparbeschlüssen der Landeskirche / Von Pfarrer Johannes Taig


Plastikblumen am Altar

Um Gottes Willen, sagte die Kirchenbesucherin am Ausgang, was sollten denn die Plastikblumen am Altar? Die Plastikblumen bestanden aus zwei Gebinden von floralen Bewohnern aller bekannten Jahreszeiten und aller bekannten Erdteile, kurz: Jeder, wirklich jeder konnte sehen, dass diese Sträuße nicht Gottes guter Schöpfung entstammten, sondern dass es sich bei ihnen um die Sorte von Erzeugnissen handelt, mit denen die Industrie unser Leben auf allen Gebieten immer billiger, haltbarer und schöner macht.

Vorangegangen war ein Kirchenvorstandsbeschluss, gegen den sich der Pfarrer machtlos zeigte. Zu gewaltig war das Argument, den auf hohe See geratenen Gemeindehaushalt endlich wirksam zu konsolidieren und in Zukunft statt den Kompost das Sparschwein zu füttern. Hinzu kam die großzügige Spende eines Steinbruchbesitzers, der die Chance erkannte, im konkreten Fall seiner Gemeinde etwas Konkretes zu schenken, was er grundsätzlich für besser hielt, als eine namenlose Zuwendung an einen namenlosen Hungernden in Afrika. So fanden die Plastikblumen ihren Weg auf den Altar, streng unter Schutz gestellt durch einen hoheitlichen Beschluss des Kirchenvorstands und der selbstlosen Opferbereitschaft eines Unternehmers.

Diese wurde vom Pfarrer als aussterbende Tugend derart gelobt, dass den Plastikblumen bald die mit Lampenöl wiederbefüllbare „Kerzen“ folgten, wie sie das Krematorium für die Bestattung von Sozialhilfeempfängern ohne Angehörige bereithält. Im Gemeindebrief war nachzulesen, was der Schriftzug auf den Kerzen, die immer gleich lang blieben, der Gemeinde an jährlichen Werbegeldern einbringt. Ganz zu schweigen von der Kirchenfront, gegen die ein Formel 1-Wagen eine leere Werbefläche war. Es war wirklich nur noch ein kurzer Weg zum UMTS*-Sendemasten auf dem Kirchturm, zum Gesangbuchautomaten („Singen Sie mit für nur einen Euro!“) und zum praktischen Kopfhörerverleih („Hören Sie mit, was der Mann auf der Leinwand sagt- natürlich in Dolby Surround“).

Der Gemeindepfarrer war nämlich inzwischen auch schon wegkonsolidiert worden und es predigte sonntags live via Internet und Beamer der Landesbischof im Wechsel mit dem Papst - ökumenisches Profil, auf das die Gemeinde besonders stolz war.

Nicht unumstritten war die Entscheidung, die zwei Jahre später getroffen wurde. Man beschloss den Konsolidierungskurs etwas zu lockern. Und in der Zeitung stand unter Stellenangebote zu lesen: Gottesdienstbesucher auf 400 €-Basis ab sofort dringend gesucht. Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle.

*UMTS: Unternehmerisches Mitdenken trostloser Sakraler


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