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Das Thema des Monats
im
April 2004
Stand:
10.04.2010 "Opfert ein liebender Gott seinen Sohn? - Zur Deutung des Kreuzestodes Jesu" |
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Der Film von Mel Gibson (Regie) über "Die Passion Christi" deutet das Leiden des Jesus von Nazareth als stellvertretendes Blut- und Sühneopfer. Ein über die Sünde der Menschen zürnender Gott, richtet stellvertretend seinen eigenen Sohn. Diese Deutung, die erstmals Anselm von Canterbury im 12. Jahrhundert pointiert vertrat, ist auch aus biblischen und theologischen Gründen zu kritisieren. Wir sagen Ihnen warum. |
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Die Gewalt beherrscht alles
... "Die Passion Christi" in deutschen Kinos Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will den Film „The Passion of the Christ“ (2004) weder empfehlen noch skandalisieren. Dem Film des Australiers Mel Gibson fehle theologische Tiefe, teilt das Kirchenamt der EKD in einem Schreiben an die Gliedkirchen mit. Lesen Sie mehr .... (Kirchenstimmen, Rezensionen et. - Eine Seite der EKD) "Jesus,
Jack und Rose"/ Von Johannes Taig
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Zur Deutung
des Kreuzestodes Jesu
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Offen gestanden: Er widert mich inzwischen nur noch an -
dieser zeitgeistbeflissene Dünkel all jener Theologinnen und Theologen, die
dem Kreuzestod Jesu den überlieferten Tiefensinn rationalistisch absprechen.
Dieses arrogante Kaputtreden der überkommenen Heilsbotschaft, das sich über
den Glauben der Väter und Mütter der letzten beiden Jahrtausende so erhaben
dünkt, dass es ihn nur noch verabschieden möchte. Dieses Kokettieren mit der
intellektuellen Redlichkeit, die Andersdenkenden in Theologie und Kirche
zumindest indirekt abgesprochen wird, aber mit merkwürdigen Alternativen zum
Ganz- und Heilwerden des Menschen oft kompatibel genug zu sein scheint. |
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Zur Frage der Passions-Theologie heute Auslöser meiner Untersuchung zum Verständnis der Kreuzes
Christi war das entschiedene Empfinden des Ungenügens der überkommenen
Sühnopfer-Theologie. Die dieser Theologie zugrunde liegende Vorstellung eines
blutigen Opfers zur Versöhnung Gottes mit dem Menschen sowie die Bildrede von
Christus als Opferlamm Gottes entstammen einer archaischen Vorstellungswelt und
einer Denkweise, die nur im Stande völliger Regression einfach übernehmbar ist.
Was ist das für ein Gott, der gesetzlichen Handlungszwängen unterliegt und eines
Menschenopfers bedarf, um gegenüber seinen Geschöpfen Gnade walten lassen zu
können? Welch passives Menschenbild vermittelt die Vorstellung von einem durch
Gott selbst inszenierten Opfervollzug! Das in der Bibel abgebildete
Beziehungsdrama Gott-Mensch lässt sich nur unter Verlust nachvollziehbarer
Lebendigkeit auf den Leisten der Sühnopfertheologie schlagen. In der
Passionsgeschichte Jesu nur ein Geschehen dem Sünder zugute zu sehen, heißt, den
lebendigen Sünder in Aktion auszublenden und das Selbstverständnis des Menschen
als Sünder von der Annahme einer Lehraussage abhängig zu machen. Dass dies nicht
sein muss, wird in dem Augenblick deutlich, in dem die biblischen Texte selbst
sprechen und Sünde konsequent als Beziehungsphänomen begriffen wird.
Lesen Sie hier den gesamten Aufsatz von Hermann Eberhardt |
"Zum
ersten: Nach dem, was Jesus von Gott-Vater etwa mit dem Gleichnis vom
"Verlorenen Sohn" (Lk 15,11ff.) vermittelt, habe ich ein anderes Gottesbild als
das eines in Rechts- bzw. Strafzwängen Verfangenen, der unbedingt ein
"Sühnopfer" braucht. "Das Kreuz ist nicht Fluch-, sondern Heilszeichen der Christen! Das allerdings erschließt sich freilich erst in der Wahrnehmung des ganzen Weges, den Jesus Christus den Menschen zugute gegangen ist und dessen zentrale Stationen (Geburt, Kreuz und Auferweckung) sich gegenseitig interpretieren. ... Der christliche Glaube ist entgegen verbreiteter Praxis keine gottgläubige und allgemein versöhnungsselige Gefühligkeit, die offenbar leicht in ihr Gegenteil, eine mehr oder minder dumpf empfundene Feindseligkeit umschlagen kann ...
Der christliche
Glaube ist ein Glaube, der weiß und versteht, woran er glaubt und der den
Christen zur auch theologisch verantworteten Rechenschaft über seine zentralen
Symbole befähigt (vgl. 1.Petrus 3,15)." "Es hängt mit Jesu Todesschrei zusammen, daß der christliche Glaube begründetes Gottvertrauen ist. Der heidnische Hauptmann nannte den so verstorbenen Menschen Gottes Sohn. Das heißt, daß Gott im Ereignis des Todes Jesu, also da, wo die Gottverlassenheit kulminierte, mit diesem Menschen eins geworden ist. Gott hat sich mit Jesus, mit diesem sterblichen Menschen, identifiziert, um so, in der Einheit mit diesem Toten, für alle sterblichen Menschen da zu sein. Am Kreuz Jesu ereignet sich deshalb das Heil der Menschheit. Denn das ist Heil: daß Gott für uns da ist. Im gekreuzigten Jesus ist Gott für uns da, und zwar für immer. Deshalb lebt dieser Gekreuzigte, lebt er in einer unvergleichlichen Weise: mit Gott für uns.
Das ist mit
»Auferstehung Jesu von den Toten« gemeint: daß Gott, der das ewige Leben in
Person ist, sich ein für allemal mit dem Gekreuzigten identifiziert hat, um für
uns da zu sein alle Tage bis an der Welt Ende. Da, obwohl man ihn nicht sieht.
Aber er läßt von sich hören - in unseren menschlichen Worten nämlich, die von
Jesus Christus reden. Der christliche Glaube glaubt also an einen menschlichen
Gott. Diesseits und Jenseits, Immanenz und Transzendenz, Zeit und Ewigkeit sind
für ihn keine Alternative. Der Glaube an Gottes Identität mit dem gekreuzigten
Christus bedeutet vielmehr, daß Gott in seiner Göttlichkeit menschlich ist, daß
er in seiner Ferne nah ist und sich uns Menschen zu ewiger Treue verbunden hat." |
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Opfert ein liebender Gott seinen Sohn? VON WERNER H. RITTER Insgesamt gesehen hat der christliche Glaube damit sehr wohl mit dem
Opfermythos zu tun, aber er ist nicht nur ein Mythos, sondern ein komplexes
Lebensangebot zum Deuten und Bestehen von Welt und unserer Lebensgeschichten
angesichts von durchkreuzenden Lebenserfahrungen und Opfern. Er verheißt
Lebensgewinn und Lebensdienlichkeit »pro nobis«, freilich nicht im
ausschließlich zweckdienlichen oder utilitaristischen Sinn. Christi Opfer kann
dabei in christlicher Religion heute in drei Erscheinungs- oder Ausdrucksformen
(vgl. Gerd Theißen, Die Religion der ersten Christen, 2001, 28ff.) zur
Darstellung kommen: im Mythos, Ritus und Ethos. Im
mythisch-metaphorischen Erinnern und Erzählen des Opfers und entsprechender
Lebensdeutung gewinnen wir neues Leben und neue Lebensqualität, weil wir von
Belastendem erlöst werden können. In den Riten (als Konkretisierungen des
Mythos) und Sakramenten Taufe und Abendmahl als wiederholbaren Mustern können
Menschen den Alltag unterbrechen und die im Opfermythos gemeinte andere
Wirklichkeit darstellen, sinnlich-gestalthaft begehen und damit temporär aus den
Belastungen der Normalwelt aussteigen oder zumindest Distanz dazu bekommen. Im
Ethos schließlich geht es um die Orientierung und Regelung des
Verhaltens, das, wenn es durch die Opfermetaphorik bestimmt ist, das Lebensopfer
ebenso umfasst wie die gegenseitige Hilfe und Hingabe, aber auch – potenziell –
das Opfer des Märtyrers, der Märtyrerin. Lesen sie hier den gesamten Artikel (Deutsches Pfarrerblatt Nr. 3/2004) |
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"Liebende
stehen füreinander ein und sind bereit, für den Anderen zu leiden und Opfer zu
bringen, bis hin zum Lebens-Opfer. Dies macht es nötig, einen positiven
Opferbegriff zu gewinnen, und zwar nicht allein aus Rücksicht auf die
christliche Tradition, sondern aus grundsätzlichen anthropologischen Erwägungen
heraus. Gutes Leben ist nämlich auf Dauer ohne den selbstlosen Einsatz für den
Anderen, die Lebens-Hingabe an den Anderen nicht möglich. Wo es im Neuen
Testament im Zusammenhang des Todes Christi um Opfer geht, ist nicht die Tötung
und der Tod Jesu das Entscheidende, sondern das Motiv der Gabe bzw. Dahingabe
Gottes oder Jesu Christi (vgl. Joh.3,16; 15,13)."
"Er
musste sterben, weil die Welt so ist, wie sie ist. Weil das Menschenherz so ist,
wie es ist. Weil die Macht des Bösen so ist, wie sie ist. Er sprach aus der
großen Nähe zu Gott, in der er stand, zu den Menschen. Aber wir Menschen wollen
einen Gott, der uns gar nicht so nah ist. |
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Opfertod Jesu - Exegetische Überlegungen zum Verständnis Von Wolfgang Rülke Seit unserem Studium vor dreißig Jahren stellt sich uns die Vorstellung, Gott
müsse erst das Blut seines lieben Sohnes sehen, bevor er uns verzeihen könne, zu
der Erfahrung quer, die sich durch die gesamte jesuanische Botschaft zieht, dass
Gott der uns liebende "abba",
Papa, ist, der seine Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und regnen lässt
über Gerechte und Ungerechte (Mt 5,45), dessen Liebe den Sünder zur Umkehr
treibt. Lesen Sie den gesamten Artikel (Deutsches Pfarrerblatt Nr. 3/2003) |
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"...
dass Gott dieses Opfer annahm, damit es fortan keine weiteren Opfer mehr
gibt ... " |
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Im Blut ist das Leben! Die Sühnetheologie der christlichen
Dogmatiker aus alter und neuer Zeit wird durch die priesterschriftlichen
Opfervorschriften des Alten Testaments nicht gestützt. Die Vorstellung, die mit
dem Wort Sühne bezeichnet wird und damit auch die Vorstellung der
stellvertretenden Übernahme von Schuld, ist diesen Texten vollkommen fremd. |
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"In der Auseinandersetzung um »Jesu Sühnetod am Kreuz«
verläuft
die Front nicht zwischen bibeltreuer und unbiblisch-liberaler Theologie,
sondern die Bibel selber legt
die Vermutung nahe, dass es sich beim theologischen Denkmuster vom
»stellvertretenden Sühnetod« um ein Konstrukt nachbiblischer abendländischer
Theologen handelt. Falls sich das bestätigen sollte, muss sich zeigen, welches
Gewicht das Schriftprinzip (sola scriptura) in unseren reformatorischen Kirchen
noch hat und inwieweit es sich gegen die Tradition durchsetzten kann."
(Michael Rau) |
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Hintergründe und Links
Weitere Artikel zum Film
Predigten zu Passion und Ostern
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"Worauf es
vielmehr ankäme, ist, dass die Theologie und Kirche sich hier ihrer
Verantwortung bewusst werden und das Kreuz Christi so zur Sprache bringen, dass
einem möglichen Missverständnis oder gar Missbrauch des Kreuzes Christi nicht
etwa durch Kreuzesvergessenheit oder Kreuzesfeindschaft begegnet wird, sondern
durch besseres, an der Bibel orientiertes Verstehen."
"Jesus stirbt
unseren Tod, den alltäglichen Tod eines Menschen; er wird in allem den Menschen
gleich. Um diese Aussage geht es in dem „Gekreuzigt, gestorben und begraben“ des
apostolischen Glaubensbekenntnisses: Jeder Mensch darf auch in der Tiefe des
Todes der Nähe des barmherzigen Gottes gewiss sein."
Weitere Links zur Passionszeit: |
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