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Die Geschichte der Heidenreich-Orgel von St. Michaelis Hof


Georg Adam Friedrich Heidenreich (1782-1853)

Die Orgel der Gebrüder Heidenreich in Hof - St. Michaelis ist das größte erhaltene Instrument der seit 1782 in Hof ansässigen Orgelbauerfamilie.
Nach dem Stadtbrand 1823 in Hof, der auch die spätgotische Michaeliskirche und die aus der Renaissance stammende Orgel vernichtete, erhielten die Hofer Gebrüder Heidenreich, Georg Christian und Georg Adam Friedrich, den Auftrag zum Neubau einer Orgel. In den Jahren 1828 - 1834 wurde das Instrument mit 34 Registern auf zwei Manualen und Pedal in mechanischer Traktur vollendet.
Nach näherer Betrachtung der Disposition und des Prospektes lässt sich bei dieser Orgel eine Entwicklung vom Barock zum Biedermeier feststellen. Nachdem von den Silbermann-Schülern Graichen und Ritter die Tradition ihres Lehrherrn bis 1764 weiter gepflegt wurde, findet bei dem Silbermann-Enkelschüler, dem Senior Friedrich Heidenreich, und bei dessen vier Orgelbauer-Söhnen eine Neuorientierung statt. Eigenheiten fränkischer Barockorgeln, wie die chorische Verwendung von Streichern, von weiten und engen Flöten in verschiedenen Fußtonlagen dringen ein, und ein Hang zur Grundtönigkeit setzt sich durch. Aber abgesehen von diesen Veränderungen gibt es bei der Michaelis-Orgel als Kernbestand ein »Organo pleno«, das den Dispositionsgrundsätzen Gottfried Silbermanns noch weitgehend entspricht.


Bei einem Vergleich mit größeren Silbermann-Orgeln in Reichenbach, Zittau oder Dresden (Sophien- und besonders Hofkirche) zeigt sich eine große Übereinstimmung im Klangaufbau von Haupt- und Oberwerk.

Das über die Disposition Gesagte trifft auch sinnentsprechend für die äußere Gestaltung des Heidenreichschen Gehäuses zu. Die Heidenreich haben den zweistöckigen Silbermann-Prospekt einer mittelgroßen Orgel (etwa in Rötha bei Leipzig) lediglich klassizistisch-biedermeierlich verkleidet, wobei sie allerdings in die seitlichen Türme nicht - wie Silbermann - die tiefsten Pfeifen des Hauptwerks stellten, sondern echte »Pedaltürme« errichteten.

In der Heidenreichschen Original-Disposition von 1827 findet sich der Vermerk: »Principal Baß 16 Fuß von F bis d' im Gesicht stehend«.

Entwurf für die Orgel der Michaeliskirche

Drei Holzregister des Pedals, Untersatz 32', Violonbaß 16' und Posaunenbaß 16' sind auf einer besonderen »Großpedal«-Lade innerhalb des Orgelgehäuses vor der Rückwand untergebracht.
An der Heidenreich-Orgel der Michaeliskirche wurden seit ihrer Einweihung 1834 in den Jahren 1868, 1938, 1967 und 1991 Änderungen vorgenommen:
Der erste Eingriff erfolgte 1868 durch Orgelbauer Ludwig Weineck aus Bayreuth. Dabei wurde die nach zeitgenössischem Urteil »kreischende, raue Tonfarbe des vollen Werks« beseitigt. Leider gingen einige Heidenreich-Register verloren, und aus den Mixturen wurden die Terzen entfernt.
Der zweite Eingriff geschah 1938 durch die Firma Steinmeyer, Öttingen. Er stand unter dem Einfluss der »Orgelbewegung«, die das obertönige Klangideal des Barock propagierte. Wieder fielen dieser »Restaurierung« einige Heidenreich-Stimmen zum Opfer. Von 34 Originalregistern verblieben 23.


Gerhard Schmid bei der Arbeit

Der dritte Eingriff im Jahre 1967 durch die Firma Schmid, Kaufbeuren diente der Restauration, Erweiterung und Rekonstruktion der Heidenreich-Orgel von 1834. Jetzt wurden nach der Original-Disposition Stimmen ergänzt, die von den Heidenreich aus Sparsamkeitsgründen nicht gebaut werden konnten. Eine Erweiterung des Werks erfolgte in zweifacher Hinsicht: Im Untergeschoss der Pedaltürme wurden weitere Pedalstimmen auf einer »Kleinpedal«-Lade hinter neu geschaffenen, dem Stil des Gehäuses angepassten, Gittertüren untergebracht. Auf der oberen Etage hinter dem Oberwerk wurde, im Prospekt nicht sichtbar, das Schwellwerk neu eingebaut. Dieses wird von einem dritten Manual aus gespielt, dessen Spieltraktur mechanisch ist, während die Registrierung elektrisch wirkt. Insgesamt wurde mit der klanglichen Umgestaltung und Erweiterung 1967 ein optimales Ergebnis erreicht. Lediglich das neu hinzugebaute Schwellwerk war nach damaligem modischen Geschmack, im Gegensatz zum dunkel timbrierten Heidenreich-Werk, sehr obertönig konzipiert.
Der vierte Eingriff, 1991 wieder vorgenommen durch die Firma Schmid, Kaufbeuren, suchte im Schwellwerk bei einigen Registern durch Umstellen vorhandener Pfeifen und deren Neuintonation eine Angleichung an das grundtönige Heidenreich'sche Klangbild zu erreichen. Außerdem wurde im Oberwerk das Krummhorn 8' aus den

dreißiger Jahren gegen ein mehr klangtypisches gleicher Bauart ausgetauscht. Aus Kostengründen konnte mit der klanglichen Umgestaltung des Schwellwerks nur ein Kompromiss erzielt werden. Im Jahr 2006 wurde die Heidenreichorgel grundlegend renoviert und am 5. Februar 2007 durch Regionalbischof Wilfried Beyhl, Bayreuth wieder eingeweiht. Lesen Sie mehr ...


Literatur zur Heidenreich-Orgel

Egert Pöhlmann: Die Orgel der Gebrüder Heidenreich in Hof - St. Michaelis und einige kleinere Instrumente der Orgelbauerfamilie, 1967 Selbstverlag der St. Michaeliskantorei Hof

Hans Hofner: Der ostfränkische Orgelbau, 1972 Sonderdruck aus dem Archiv für Geschichte von Oberfranken


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