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Studienkreis Meister Eckehart                                                                      Kontakt               Links zu Eckehart

Der Studienkreis Meister Eckehart findet immer montags um 19.30 Uhr in den Räumen des Pfarramts, Unteres Tor 9 statt.
Und zwar am:
 
  • 20. September 10 (Predigt 42 mit Pfr. Taig)
  • 25. Oktober 10
  • 06. Dezember 10
 

Protokolle der Abende: pdf-Datei, Acrobat-Reader erforderlich


Mystik - das ist wohl das Stichwort, das uns zuerst eingefallen ist, als Herr Claus Henneberg von der Idee erzählte, einen Studienkreis zu Meister Eckehart ins Leben zu rufen. Ihm waren die Predigten und Traktate dieses mittelalterlichen Meisters der Theologie in die Hände gefallen. Sie hatten ihn nicht mehr losgelassen.

Mystik - darunter stellt sich der moderne Zeitgenosse vielleicht schummerige Beleuchtung und ebenso schummeriges, irgendwie religiöses Fühlen und Erleben vor. Damit ist man bei Eckehart aber an der falschen Adresse.

Um 1260 in Hochheim bei Erfurt in Thüringen geboren (zu dieser Zeit wurde das Hospital und die Hospitalkirche erbaut!), schloss sich Eckehart in seiner Jugend in Erfurt dem Dominikanerorden an und wurde in Köln, dann in Paris ausgebildet. 1302 legte er in Paris die Magisterprüfung ab - daher sein Beiname - und bekleidete dann verschiedene höhere Funktionen in seinem Orden. Er wirkte dann als Lehrer an der Universität in Paris, gleichzeitig wurde er der erste Provinzial seines Ordens in Deutschland: von 1303 bis 1311 betreute er von Erfurt aus die Großprovinz "Saxonia" von Holland bis in die Mark Brandenburg. Ab 1314 wirkte er für seinen Orden von Straßburg aus. Nun gelangte er auch als Prediger zu höchstem Ruhm; zugleich wurde er der bedeutendste deutschsprachige Mystiker.

Eckeharts Ziel war die Einswerdung der menschlichen Seele mit Gott, die "unio mystica" als Geburt Gottes im Seelengrund. Eckehart scheute auch kühne und spekulative Ansichten nicht. Er legte dabei den Grundstein für eine neue religionsphilosophische und mystische Begrifflichkeit in der deutschen Sprache. Thomas von Aquin, der Neuplatonismus, arabische Denker und der jüdische Philosoph Moses Maimonides haben Eckeharts Denken geprägt. Er hat es seinen Schülern Johannes Tauler und Heinrich Seuse weitergegeben.

1322 kam Eckehart als Leiter des Grundstudiums nach Köln. Er geriet aber immer mehr mit der katholischen Kirche in Konflikt. Für die Lehre der Kirche beachtete er den Unterschied zwischen dem Sein Gottes und dem der Geschöpfe zu wenig. 1326 wurde er von Mitbrüdern seines Ordens denunziert und vor der Inquisition angeklagt. Er musste sich mehrfach in Avignon dem Verfahren stellen. Vorgehalten wurde ihm z. B. der Satz "dass Gott nicht über uns steht, sondern in uns Menschen lebt". Eckehart widerrief, trotzdem starb er zwei Jahre später im Ruf eines Irrlehrers. Papst Johannes XXII. verurteilte 1329 - kurz nach Eckeharts Tod - 17 Textstellen aus seinen Werken als häretisch und 11 als häresieverdächtig. (vgl. Artikel „Eckehart“ bei heiligenlexikon.de)

Seit nunmehr vier Jahren beschäftigt sich eine Gruppe von Gemeindemitgliedern und anderen Interessierten einmal im Monat mit den Predigten des thüringischen Dominikaners und Theologieprofessors Eckehart, die er 200 Jahre vor Martin Luther auf Deutsch gehalten hat. Allein die Tatsache, dass er sich nicht in lateinischer Sprache an Theologen, sondern direkt an das Volk wendet, ist bemerkenswert. Er setzt zwar in seinen wortgewaltigen deutschen Predigten das um, was er an Glaubenserkenntnissen erarbeitet hat, weist aber auch den Weg, den jeder Mensch in seinem Leben auf der Suche nach Gott gehen kann. Man hat ihn deshalb einen "Lebemeister" genannt, im Unterschied zum "Lesemeister", der er als Professor war. Die entscheidende Aussage Meister Eckeharts ist: Entledige dich aller deiner Egoismen und ergebe dich mit deinem Eigenwillen in den Willen Gottes - "Dein Wille geschehe!" In diesem Augenblick der Gelassenheit geschieht in der Seele des Menschen durch Gottes Gnade die Geburt des Sohnes, der wesensgleich mit dem Vater ist.

Zu einer solchen Erkenntnis gelangte der Meister jedoch nicht durch "mystische" Innenschau, sondern auf philosophischem Wege "im Licht der Vernunft", die dem Menschen von Gott anvertraut ist. Fast 500 Jahre lang war es still um Meister Eckehart geworden, bis ihn die deutsche Romantik und die Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts (z.B. Erich Fromm "Haben oder Sein") wieder entdeckt hat. Seitdem nimmt sein Einfluss auch in der evangelischen Theologie langsam aber stetig zu, weil sie sich davon eine neue, tiefere Begründung des christlichen Glaubens in Zeiten der Ratlosigkeit und esoterischen Beliebigkeit versprechen darf.

„Der Mensch soll sich gewöhnen, sich in allen seinen Werken allzeit in das Leben und Wirken unseres Herrn Jesu Christi hineinzubilden, in all seinem Tun und Lassen, Leiden und Leben, und halte hierbei allzeit ihn vor Augen, so wie er uns vor Augen gehabt hat.“ (Eckehart, Traktate, S.76)

Wenn Sie Lust haben, mit uns der Predigt eines alten Meisters nachzusinnen, die Einsamkeit Ihrer protestantischen Seele (H.C. Zander) zu durchbrechen und die ein oder andere Perle auch für sich selbst zu entdecken, sind Sie herzlich eingeladen bei uns einzusteigen.  
   
                                                     Claus Henneberg/ Pfr. Johannes Taig


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