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Predigt Titus 2/11-14 Heiliger Abend 24.12.03 "Fragen
an Weihnachten" |
| Liebe Leser, 1. Die Weihnachtsbotschaft Wer kommt an Weihnachten? Eine alte Frau sagt: „Und dann geh ich nach dem Gottesdienst nach Hause und es ist alles so wie jedes Jahr. Der Sohn konnte nicht kommen, der hat seine eigenen Familie – das versteh ich auch. Und die Tochter hat Dienst. Und dann sitz ich wieder allein zu Hause und schau, wie der Abend irgendwie herumgeht. Die Nachbarn haben mich angesprochen, doch ich habe abgelehnt: Ich will doch niemandem zur Last fallen.“ Wer kommt an Weihnachten? Paulus schreibt: Denn Gottes Barmherzigkeit ist sichtbar geworden, mit der er alle Menschen retten will. Was wollen wir von Weihnachten? In der Zeitung stand: „Auf unseren Weihnachtsmarkt können wir stolz sein.“ Die Geschäfte sind gut gelaufen. Selbst das Open-Air-Kino war gut besucht. Die Menschen trauen sich wieder ihr Geld auszugeben. Der Trend geht hin zu teuren Geschenken oder gar keinen. Was wollen wir von Weihnachten? Paulus schreibt: Die Barmherzigkeit Gottes bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit und allen selbstsüchtigen Wünschen trennen, dafür besonnen und rechtschaffen leben, wie es Gott gefällt. Was ist Weihnachten? Weihnachten verstehen die Menschen nicht mehr. In einer repräsentativen Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen konnten nur 37% die Geburt Jesu und Weihnachten einander zuordnen. Geschenke, gutes Essen, tolle Filme im Fernsehen und Urlaub – hier war die Trefferquote schon höher. Was ist Weihnachten? Paulus schreibt: Denn wir warten darauf, dass sich unsere Hoffnung bald erfüllt: dass unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner ganzen Herrlichkeit erscheinen wird. Was erleben wir an Weihnachten? Fetzen aus verschiedenen Gesprächen: „Und dann sag ich dir, dass mir der ganze Quatsch in der Kirche mit diesen traurigen Weihnachtslieder wahnsinnig auf den Keks geht. Stille Zeit, Zeit der Besinnung – so ein Blödsinn. Das ist so wie immer: die machen einem alles madig; dass einem nicht einmal mehr der Glühwein schmeckt. Von Schuld und Sünde, davon könne sie reden und einem ein schlechtes Gewissen machen. Fehlt nur noch, dass sie sich über das Fernsehprogramm aufregen. Aber Gott sei Dank – die Zeiten sind vorbei, als die Kirche das auch noch bestimmen konnte.“ Was erleben wir an Weihnachten? Paulus schreibt: Er hat sein Leben für uns gegeben und uns von aller Schuld befreit. Was geschieht an Weihnachten? „Und dann habe ich gesagt: Ich geh nicht hin. Ich geh sonst nicht in die Kirche, dann brauch ich an Heilig Abend auch nicht gehen. Da gehen die schon hin, die sich nicht trauen da auch noch zu Hause zu bleiben. Ich werde mit meinem Schwager Heinz Schach spielen.“ Was geschieht an Weihnachten? Paulus schreibt: So sind wir sein Volk geworden; bereit, von ganzem Herzen Gutes zu tun. Und ich frage mich: Wer ist unser Feind? Gott, die Kirche, die Christen, der Mensch? Was hat man uns angetan, dass wir so verletzt und bitter geworden sind, dass der eine sagen kann: Weihnachten fällt aus. Und der andere: Macht nichts, da wär' ich eh nicht mehr hingegangen. 2. Was feiern wir an Weihnachten Was feiern wir eigentlich an Weihnachten? Alle Umfragen und allen Kappes bei Seite. Ehrlich: Was feiern wir an Weihnachten? Was feiern sie an Weihnachten? Und sagen sie jetzt nicht: Die Geburt Jesu, den Retter der Welt. Das könne sie dann sagen, wenn er für sie wirklich der Retter der Welt ist, auch sonst, unter der Zeit, der Retter aus meiner Zahlenwelt, aus meinen Aktenbergen, aus meinem Familienstress – mitten im Alltags-Chaos der Gedanke an etwas Größeres, als ich bin. Nicht funktionalisiert zur Handpuppe: Hilf mir, mein Jesus und er hilft. Nein! Größer – du, mein Heiland, du, mein Retter, du, mein Erlöser. Kind in der Krippe, Leben am Kreuz, Auferstandener Christus. Das ist doch Weihnachten – der Beginn einer neuen Weltsicht. Die Alte kennen wir schon zu genüge. Weihnachten ist der Beginn einer neuen Weltsicht - keine verspielten oder falsche Träumereien. Elend, nackt und bloß kommt die neue Weltsicht zur Welt und wir wollen, dass sie in uns wieder geboren wird oder wir uns erinnern dürfen an die Zeit, als die Liebe noch kein Geschäft war und das Lernen Spaß gemacht hat und der Gedanke an Weihnachten allen anderen Stress auf die Seite geschoben hat. Sicher, das war als Kind. Und dann sind wir älter geworden und wir haben herausbekommen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt und wohl nie gab und dann sind wir stehen geblieben oder gleich ganz ausgestiegen. Und jetzt kämpfen wir uns ab, entweder für eine gerechtere Welt oder für das neue Haus oder für den beruflichen Aufstieg oder dafür, dass es dieses Jahr einmal keinen Streit gibt. Wir sind aus dem Nest geschubst worden und haben die Flügel nicht weit genug ausgebreitet um zu fliegen, sondern wir flattern völlig ausgelaugt über dem Abgrund und versuchen mit letzter Kraft wieder ins Nest zu kommen, um das bisschen heile Welt zu retten, das wir uns selbst aufgebaut haben. Und wir hoffen, je näher das Fest rückt, dass wir es noch durchhalten und ja nichts Schlimmes passiert, kein ausgebrannter Reisebus, kein Todesfall – nur jetzt nicht. Manche schaffen es bis über die Feiertage hinweg, doch viele scheitern bereits einen oder zwei Tage vor der Bescherung - und alle sehnen sich nach der Normalität des Alltags wieder, weil die enttäuschten Erwartungen so schwer zu verschmerzen sind. Nur die Kinder nicht. Die könnten jeden Tag Weihnachten feiern. Was feiern wir an Weihnachten? Die längst verlorene heile Welt aus Kindertagen? Der Heiland kommt zur Welt – heißt es, aber er kommt nicht in eine heile Welt. Die gibt es hier nicht. Und machen wir sie nicht zu etwas, das sie nie mehr war nach dem Rauswurf aus dem Paradies. Nicht wir müssen die Welt heil machen. Gott kommt in die gebrochene Welt, in unsere zerbrochene Welt. Und er sagt: Jetzt halt den Mund. Sei still und hör auf mir von den ganzen Katastrophen dieser Welt etwas vor zu erzählen. Meinst du, ich wüste nicht, wie es auf der Welt zugeht. Ich bin in diese Welt gekommen. Doch in welcher Welt lebst du? Sei still und verlasse deine Welt und mach dich auf den Weg zu mir, wie die Hirten und komm zu mir und knie dich nieder und sieh mich an. Mitten in dieser Welt. Tritt aus der Dunkelheit deiner Gedanken heraus und stell dich in mein Licht. Warum willst du immer alles selber und alleine schaffen? Tritt heraus aus deiner Welt in meine Welt, damit ich deine Tränen trocknen kann und deine Wunden heilen und deine Seele gesundet und zunimmt an Weisheit und Stärke. Ich bin nicht in eine heile Welt gekommen. Wo hast du mich hingestellt? Ich bin der Heiland der Welt und ich will deine verwundete Seele heilen, damit du in dieser Welt leben kannst. Lass mich ein in deine Welt und lass dich verwandeln. Das ist Weihnachten. Und ohne diese Sehnsucht nach Christi erlösendes Wort, ohne die Hoffnung auf seine heilsame Gegenwart bleibt Weihnachten, was es jetzt schon ist: ein großes Familientreffen, leckeres Essen und ein guter Schluck Wein, blinkende Fensterbeleuchtungen und am Abend spannende Actionfilme. Warum auch nicht. Noch halten wir es ja durch – Weihnachten ohne Gott zu feiern. Und schön ist es auch. Am Anfang hatte ich gefragt: Wer kommt an Weihnachten? Was wollen wir von Weihnachten? Was erleben wir an Weihnachten? Was geschieht an Weihnachten? Was feiern wir an Weihnachten? Paulus schreibt: Denn Gottes Barmherzigkeit ist sichtbar geworden, mit der er alle Menschen retten will. Sie bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit und allen selbstsüchtigen Wünschen trennen, dafür besonnen und rechtschaffen leben, wie es Gott gefällt. Denn wir warten darauf, dass sich unsere Hoffnung bald erfüllt: dass unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner ganzen Herrlichkeit erscheinen wird. Er hat sein Leben für uns gegeben und uns von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden; bereit, von ganzem Herzen Gutes zu tun. Das ist Weihnachten. Gehen wir doch einfach hin. Pfarrer Martin Adel (Dreieinigkeitskirche Hof) |
Text:
Paulus schreibt: (11)Denn es ist erschienen die
heilsame Gnade Gottes allen Menschen |
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