Predigt     Sprüche 3/1-8    Quasimodogeniti    Konfirmation    07.04.02

"Ein Rucksack voll guter Erinnerungen"
(von Pfrin. Beate Krauß)
am "Weißen Sonntag" wird in den Landgemeinden des Dekanats Konfirmation gefeiert

 

Sie sehen es mir sicher nach, liebe Gemeinde, wenn sich die Predigt heute in erster Linie an die Konfirmandinnen und Konfirmanden richtet. Natürlich dürfen Sie aber alles mithören. Und finden sich vielleicht trotzdem wieder darin. So, jetzt geht's erst los:

Liebe Konfis!

Ein Stück Weg sind wir zusammen gegangen. Ein Stück habe ich euren Weg begleitet und ihr den meinen. Die Erfahrung lehrt mich, dass ich viele von euch erst einmal längere Zeit nicht sehen werde. Ihr wollt eure eigenen Weg gehen, frei sein von vermeintlichen Zwängen, Abstand bekommen zur Pflicht von Unterricht und Sonntags in die Kirche gehen. Ich habe euch einen Rucksack gepackt.

(gepackten Rucksack zeigen/ sichtbar aufhängen an der Kanzel)

Damit ihr etwas dabeihabt auf eurem Weg. Verpflegung. Eine unverzichtbare Grundausstattung, auf die ihr zurückgreifen könnt. Zur Orientierung beim Packen habe ich auf den berühmten, weisen König Salomo, gehört. Ihm wird das Buch der Sprüche zugeschrieben. Da gibt er als Alter, Erfahrener seine Weisheit weiter an die Jungen, Grünen. Er schreibt: im Buch der Sprüche, im 3. Kapitel
Mein Kind, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden; Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen.

Liebe Konfis!

Vergiss meine Weisung nicht! - Kommt pünktlich! Schreibts euch auf! Lernt das bald! Bewahrt das auf! Vergesst diese Geschichte nicht! - So oder ähnlich habe ich es oft zu euch gesagt im Unterricht. Oft mit mäßigem Erfolg. Gut, ich war und bin kein König Salomo. Kein Patriarch, gegen den ihr nicht aufbegehren könntet. - Aber immer wieder und gerade jetzt am Ende der Konfirmandenzeit habe ich doch gedacht: Was behaltet ihr aus dieser Zeit? Was bleibt in der Erinnerung? Den Lernstoff? Wir haben ja vorhin das Lied gehört... Aber gestern haben einige doch tatsächlich die Worte bei der Beichte wieder erkannt oder die Einsetzungsworte mitgesprochen. Das hat mich gefreut. Ich setze auf die Langzeitwirkung. Was bleibt? Hoffentlich nicht das Missglückte oder das Gefühl, dass es vergeudete Zeit für euch war. Abgehakt mit dem heutigen Tag. Hoffentlich bleiben gelungene Momente, die es gab in unserer gemeinsamen Zeit: - als doch mal alle ein Lied mitgesungen haben und es sogar Spaß gemacht hat; - Fragen, die gestellt werden konnten und heiß beredet wurden; eine Ahnung davon, dass man über alles reden kann. - Mühsame Gespräche biblische Geschichten oder Sätze im Katechismus, wo auf einmal Interesse wach war. - Überraschungen, um etwas wieder gut zu machen oder einfach um eine Freude zu machen. - Erlebnisse, die über den Unterrichtsrahmen hinausgingen:

Einige von euch waren im Januar 2001 bei der Konfi-Night dabei - "Schlaflos in Hof"; fast alle waren mit bei der Freizeit in Untertiefengrün, mit kreativer Bibelarbeit und Küchendienst, Pizza, Spielen, Abendandachten und Gottesdienst. Einige haben selber bei einem besonderen Gottesdiensten mitgespielt und mitgemacht. Alle haben beim Vorstellungsgottesdienst mitgewirkt. Und vor allem: wir haben den Unterricht miteinander durch gestanden. Den hätte ich mir oft anders gewünscht: mehr von Gott hätte ich vermitteln wollen, mit euch gemeinsam auch mal Stille finden. Meistens ist das gnadenlos gescheitert. Ihr und ich, wir wissen oder ahnen, was die Gründe dafür sein können...

Was behaltet ihr aus dieser Zeit? Was bleibt in der Erinnerung?

(aus dem Rucksack ein Bonbon auspacken)

Hoffentlich die gelungenen Momente. Eine der jüngsten Mitgliedschaftsstudien der Evangelischen Kirche in Deutschland hat festgestellt, dass die überwältigende Mehrzahl ihren Konfirmationsunterricht in sehr guter Erinnerung hat. Ich kann mir das nicht ganz erklären ... die Wege des Herrn sind unerforschlich. Was behaltet ihr noch aus eurer Konfirmanden-Zeit? Was bleibt in der Erinnerung? Hoffentlich ein gelungener Konfirmationstag. Einen schönes Fest, bei dem ihr im Mittelpunkt stehen dürft. Trotz allem Auf und Ab, Hin und Her dieser eineinhalb Jahre feiert ihr heute eure Konfirmation; alle siebzehn. Die Vorbereitungszeit zur Konfirmation ist durchlaufen. Die kleinen Hürden an Anforderungen und Aufgaben haben alle überwunden, ganz souverän oder mit knapper Not. - Trotz allem feiern wir Konfirmation, denn: den Segen, den Gott schenkt, den kann und will ich euch nicht vorenthalten.

Ich weiß, dass wir alle Gottes Segen zum Leben nötig haben: weil wir aus seiner Vergebung leben; weil wir viel mehr von dem leben, was uns widerfährt und geschenkt wird, als von dem, was wir selber schaffen. Es ist das Beste, was wir Älteren euch weitergeben können: den Segen des ewigen und allmächtigen Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat. Unverdient wird euch der Segen geschenkt, ohne Gegenleistung. Wie ein  Bonbon, das ihr früher von einer freundlichen Nachbarin mit einem Lächeln geschenkt bekommen habt.

(aus dem Rucksack ein zweites Bonbon auspacken)

Wie geht's weiter mit der Notration? Der weise König Salomo fährt fort:
Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.

Ganz klar - Hier sind nicht meine Gebote gemeint. Ich gebiete euch nichts mehr. Wir reden heute nach diesem Gottesdienst miteinander als Schwestern und Brüder im Herrn, mit dem gebotenen geschwisterlichen Respekt. Und ich hoffe, wir reden noch miteinander! - Auch nicht die Gebote der Eltern, der Vorfahren, Lehrer, aller, die euch an Lebenserfahrung und Weisheit voraus sind - die sollt ihr euch zu Herzen nehmen und hinter die Ohren schreiben. Aber ihr braucht sie euch nicht um den Hals hängen. Da haben viele heute ein Kreuz umgehängt - als kleines, zierliches Schmuckstück.

(aus dem Rucksack ein Kreuz auspacken)

Das Kreuz Jesu, das uns erinnert: Er hat uns zuerst geliebt. Ist für uns am Kreuz gestorben. Ist aus dem Grab auferstanden. Das Kreuz weist uns hin auf diesen Ursprung unseres Glaubens und ist zugleich ein Bekenntnis zu ihm als Herrn, wenn wir es uns sichtbar um den Hals hängen. Ein Kreuz, euer Konfirmationskreuz, das die Gemeinde euch schenkt, packe ich mit in den Rucksack. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens: Das Gebot, die Aufgabe, die mit dem Kreuz verbunden ist, kennt ihr auch: Lasst uns lieben! Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und aller Kraft. Und deinen Nächsten, wie dich selbst. Dieses Gebot ist im Kreuz Jesu, in der Botschaft Jesu, in seinem Tod und seiner Auferstehung bezeugt und konzentriert. Dieses Gebot hilft uns:

so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen, sagt Salomo. Und fährt fort: Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

Verlass dich auf den Herrn - das heißt: Glaub an Gott. Vertraue ihm. Mehr als deinen eigenen Plänen und Berechnungen, deinem Verstand. - Das heißt nicht, dass ihr dumm ins Leben gehen sollt. Aber Gottes Wege und Pläne stehen noch über unserem Verstand. Das sagt Salomo, der für seine Weisheit berühmt war! Ihr werdet es noch oft genug erfahren. Der beste Weg, mit den Überraschungen im Leben umzugehen: Verlass dich auf Gott, er führt dich deinen Weg. Vertrau ihm dabei und gedenke an ihn: Vergiss ihn nicht, frag nach ihm, bleib in Verbindung mit ihm.

(aus dem Rucksack eine Bibel auspacken)

Eine Bibel habe ich dafür in den Rucksack gepackt: Gottes Wort, das uns führen will und stärken kann. Einen Psalm will ich stellvertretend erwähnen: Psalm 121: ich hebe meine Augen auf zu den Bergen - woher kommt mir Hilfe? Ihr kennt das ja: es gibt wahre Berge von Problemen: Für manche sind es die Anforderungen in der Schule, Berge von Arbeit und Aufgaben. Für andere ihr Aussehen, ein Berg von schlechten Gefühlen, die alles unter sich begraben. Oder es ist der Umgang mit den Eltern in der Zeit, wo die so schwierig werden. Woher kommt mir Hilfe? Der Psalm gibt euch eine Antwort, die ihr nicht vergessen sollt: Genau, liebe Konfis! Vergiss meine Weisung nicht! Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen und der dich behütet schläft nicht. Gott ist hellwach dabei in eurem Leben. Er will euch helfen zu einem guten, erfüllten und sinnvollen Leben. Packt das mit ein in euren Rucksack.

Und weil jede und jeder von uns einen anderen Zugang hat zu den vielen Geschichten und Worten in der Bibel ist als Wort für deine Zukunft auch dein Konfirmationsspruch mit eingepackt. Ich habe ihn für dich ausgesucht und glaube: er kann dir eine Orientierung sein und dich stärken.

(Kuverts mit Urkunden auspacken)

Hier sind es die Urkunden, die ihr später mit nach Hause nehmt. Salomo gibt einem grünen Jungen diese Ratschläge mit, weil er es von Herzen wünscht: dass den Jungen das Leben gelingt. Er schließt: Dünke dich nicht weise zu sein, sondern fürchte den Herrn und weiche vom Bösen. Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.

Hier möchte ich viel konkreter reden als Salomo. Hey, lasst die Finger von dem, was jedes Kind als böse erkennt: Erpressung, Klauen, andere mit Gewalt einschüchtern. Versucht es nicht mit Drogen. Probiert keine okkulten Sachen aus und haltet euch noch für schlau dabei. Bleibt bei eurem Herrn Jesus Christus und dem Brot und Wein an seinem Tisch, in seiner Gemeinschaft! Bleibt unter dem Schutz und Segen Gottes. Die Grundausstattung im Rucksack möge euch dabei helfen:

(dabei die Sachen in umgekehrter Reihenfolge wieder einpacken) Gottes Wort in seinem ganzen Reichtum und in dem, was du davon gerade am ansprechendsten findest. das Kreuz Christi und gute Erinnerungen, die aufbauen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann. Ich wünsche euch das, und sicher alle hier, die euch begleiten: dass ihr auf der Seite Gottes und des Lebens bleibt. Dass euch Mut und Kraft auf euren Wegen nicht ausgehen. Dass ihr euch am Leben freuen könnt.
Amen. Und der Friede Gottes, der viel umfassender ist als unser Verstand es begreift, der bewahre euch in der Gemeinschaft mit unserm Herrn Jesus Christus. Amen.

Pfarrerin Beate Krauß

Text: 

Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote,
(2)denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden;
(3)Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens,
(4)so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.
(5)Verlaß dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand,
(6)sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.
(7) Dünke dich nicht weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen.
(8)Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.


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