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Predigt Römer 8/18-25 Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres 14.11.04
"GmbH - Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung" |
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Liebe Leser, Sicher sind heute viele von ihnen gespannt: Wie und was wird er denn predigen, der neue Pfarrer und Dekan? Wird er die Dinge gut auf den Punkt bringen - schließlich ist er ja ausgebildeter Journalist und hat als solcher besonders gelernt, mit Sprache umzugehen? Nicht nur manche Pfarrerinnen und Pfarrer fragen sich wohl, wie ist er theologisch einzuschätzen? Die Thiersheimer, die heute zahlreich im Gottesdienst vertreten sind, achten vielleicht darauf: Wie hat er sich entwickelt, unser früherer Pfarrer? Und die Journalisten und Journalistinnen, besonders die Mitglieder der Sonntagsblattredaktion, schauen vermutlich darauf, wie sich ihr ehemaliger Kollege nun auf der Kanzel macht. Was wird er denn predigen, der Neue? Kurz gesagt: eine Hoffnungsbotschaft. Denn im Predigttext für den heutigen Sonntag geht es ganz stark um Hoffnung. Ich lese aus dem 8. Kapitel des Römerbriefes die Verse 18 bis 25. Der Apostel Paulus zeigt in seinem Brief an die Christen in Rom eine Hoffnungsperspektive auf. Und die lautet: Lasst euch von dem, was euch ängstigt und knechtet, nicht so sehr beeindrucken. Lasst euch von den Dingen, unter denen ihr leidet und die euch das Leben schwer machen, nicht kleinkriegen. Sondern stellt das, was ihr gegenwärtig erlebt, in einen größeren Horizont. "Denn ich halte dafür - in anderen Übersetzungen heißt es: denn ich bin gewiss -, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ All das, was den Christen in Rom zu schaffen macht, wird mehr als aufgewogen durch das, was sie einmal an Gutem, Neuem und Überwältigendem erwartet. Damit will Paulus Leiden und Angst nicht kleinreden oder herunter spielen. Übrigens: Der Apostel meint nicht nur das Leiden der Menschen, sondern auch das der Tiere und der gesamten Schöpfung. Der Apostel möchte nicht auf ein Paradies vertrösten. Das wird ja Christen öfters vorgeworfen, dass sie gerne auf ein Jenseits verweisen, wo alles einmal besser sei, um von den drängenden Problemen der Gegenwart abzulenken und sich ihnen nicht stellen zu müssen. Was Paulus macht, ist keine billige Vertröstung. Er will auch keine falsche Hoffnung wecken. Es gibt eine begründete Hoffnung - das ist seine Botschaft für die Christen in Rom. "Wir sind wohl gerettet, doch auf Hoffnung“, schreibt der Apostel. Grund der Hoffnung ist ein einschneidendes Ereignis: Seitdem Christus am Kreuz gestorben ist, und am Ostermorgen auferstanden ist, erscheinen Leid und Tod in einem anderen Licht. Sie haben nicht mehr das letzte Wort. Das Kreuz, ursprünglich Ausdruck des Scheiterns und des absoluten Endes, ist zu einem Zeichen der Hoffnung geworden. An diese Hoffnung sollen sich die Christen in Rom halten, ja klammern. Und auf noch etwas verweist der Apostel: auf Gottes Geist. Gott hat euch seinen Geist gegeben, schreibt er in dem Brief an die Römer. Und dieser Geist ist ein Geist der Kraft und der Hoffnung. Lasst euch von schwierigen Umständen nicht bedrücken und kleinkriegen. Orientiert euch vielmehr an Hoffnungszeichen. Diese Botschaft des Apostels Paulus gilt heute noch genauso wie vor fast 2000 Jahren. Und sie ist ein Auftrag für Christen und Kirchen heute: Nicht Bedenkenträger, sondern Hoffnungsträger zu sein. Die wirtschaftliche Situation in unserem Land ist angespannt, die Zahl der Arbeitslosen hoch – in der Region Hof allzumal. Die Gelder beim Staat und in der Kirche sind knapp. Keine Frage: Es ist wichtig, diese Probleme beim Namen zu nennen. Und jemand wäre kein guter Politiker oder Repräsentant seines Bereiches oder Vertreter seiner Gemeinde, wenn er nicht auf die schwierige Lage hinweisen würde. Doch was bringt es letztlich, über die Probleme, über zurückgehende finanzielle und personelle Mittel nur zu jammern? Auch wenn manchmal der Eindruck entsteht, das Motto „Jammere in der Zeit, so hast du in der Not“, stelle ein clevere Möglichkeit dar, um nicht so ganz schlecht wegzukommen. Das Klagelied aber führt nicht aus dem gegenwärtigen Tief heraus und ist keine Lösung der Probleme. Weiter führt da die Botschaft des Apostels Paulus: Sich nicht von den äußeren Umständen - oder wie oft heißt "von der normativen Kraft des Faktischen“ – niederdrücken zu lassen, sondern es allein von der Perspektive der Hoffnung her zu sehen und sich an Hoffnungszeichen zu orientieren. Ein Freund, der sich selbst öffentlich als Atheist bezeichnet, sagte mir in Gesprächen öfters: "Ihr Christen habt's gut. Ihr habt etwas, woran er euch orientieren und halten könnt. Woher soll denn in unserem Land wieder Orientierung und Hoffnung kommen, wenn nicht von euch Christen. " Recht hat er, der Atheist. Und er verweist uns Christen auf den besonderen Auftrag, Hoffnungsträger zu sein - hier in der Region und darüber hinaus. In einem Land, in der viel von der Ich – AG die Rede ist, sollen wir Christen eine GmbH bilden: eine Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung. Und über die Konfessionsgrenzen hinweg immer wieder von der Hoffnung reden, die uns geschenkt ist und uns trägt. Was das für die Kirche und die Kirchengemeinden, für die Region hier und für den Einzelnen bedeutet, möchte ich nun ein wenig durchbuchstabieren. Zunächst zur Kirche und den Kirchengemeinden: Sparkurs und Stellenabbau sorgen mancherorts für resignative Stimmung und bange Fragen, wie die Zukunft wohl ausschauen wird. So verständlich dies ist, so lähmend kann es auch sein. Krisen und schwierige Zeiten sind auch eine Chance, einmal inne zu halten, die Arbeit genauer die Lupe zu nehmen und zu unterscheiden zwischen dem, worauf es wirklich ankommt und dem, was wünschenswert wäre, aber nicht mehr geleistet werden kann. Es muss auch nicht jede Kirchengemeinde zukünftig alles selbst abdecken. Benachbarte Gemeinden können sich ergänzen – ohne ihr eigenes Profil aufzugeben. Es ist gut, wenn sich Kirchenvorstände benachbarter Orte zusammensetzen, über ihren jeweiligen Kirchturm hinausschauen und überlegen, was sie denn zukünftig gemeinsam tun können. Es ist ein Zeichen der Hoffnung, wenn Kirchenvorstände auf diese Weise nach vorne schauen und nicht an dem hängen bleiben, was war und vielleicht nicht mehr sein wird. Die Zukunft der Kirche ist letztlich auch nicht an eine bestimmte äußere institutionelle Gestalt gebunden, sondern daran, dass sie immer wieder Gottes Wort predigt und dass Menschen so Hoffnung und Trost, Korrektur und Orientierung erfahren. Sehr eindrücklich habe ich das im Juni bei einem Besuch evangelischer Gemeinden in Siebenbürgen erlebt. Trotz einer Massenabwanderung Anfang der 90er Jahre lassen die Verantwortlichen dort heute nicht den Kopf hängen, sondern haben gelernt, sich auf die veränderte Situation einzustellen und sich neben den Deutschstämmigen auch zu öffnen für andere Volksgruppen. So sind Verantwortliche der Kirche zu Hoffnungsträger in der Gesellschaft geworden. Apropos Hoffnung und Hoffnungsträger: Ein Anlass zur Hoffnung sind im Dekanat Hof die neuen Wege, die im Blick auf Gottesdienste gegangen werden. Wo durch ein zweites Gottesdienstprogramm neuer Schwung in eine Gemeinde kommt und Menschen erreicht werden, die sich durch die bisherigen Angebote nicht so angesprochen fühlten. Oder ein Hoffnungssignal ist dort, wo in einer Gemeinde durch Eigenarbeit in alten Gemäuern ansprechende Räume für Gemeindearbeit entstehen. Weil sich ein geplantes Gemeindehaus nicht realisieren ließ, suchten die Verantwortlichen nach einer anderen, gangbaren Möglichkeit und legen nun selbst Hand an. Zur Hoffnung für die Region hier: Es ist wichtig, trotz der vorhandenen Probleme die Region nicht schlecht zu reden, sondern deren Vorteile und Chancen immer wieder herauszustellen. Je mehr Gemeinden, Landkreise, Unternehmen, Gewerkschaften, Kirchen und gesellschaftliche relevante Gruppen an einem Strang ziehen, umso mehr kann erreicht werden – für die Region und ihre Menschen. Gemeinsam geht's besser. Kirche und Diakonie sind sicher nicht in der Lage, als Jobmotor aufzutreten und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Aber sie können diejenigen begleiten, die sich um ihren Arbeitsplatz sorgen oder die bereits ohne Beschäftigung sind. Zum Bespiel, indem sie Arbeitslose beraten und ihnen helfen, sich mit der neuen Sozialgesetzgebung Hartz 4 zurechtzufinden. Von solchen Personen, die als Gesprächspartner für einen da sind und einen unterstützen, um etwa mit den komplexen Rechtsvorschriften besser klarzukommen, können Zeichen der Hoffnung ausgehen. Noch etwas haben Kirche und Diakonie vor: Sie möchten die Strukturveränderungen in der Region begleiten. Wie das genau geschehen kann, steht aber noch nicht fest. Zur Hoffnung für den Einzelnen: Da hat jemand eine schwierige Zeit zu durchleben. Woher kann Hoffnung kommen? Zum einen, dass Andere einen begleiten, für einen da sind und für einen beten. Solidarität, Anteilnahme und Fürbitte sind wichtige Pfeiler der Hoffnung. Zum anderen kommt es auf Hoffnungszeichen an, besonders auf das Kreuz. Ich denke an eine ältere Frau: Erst verlor sie ihren Mann und dann ihren einzigen Sohn. In ihrer Trauer schaute sie immer wieder auf das Kreuz, das in ihrem Wohnzimmer hing. Sie sagte: „Du Christus weißt, wie mir zumute ist, du hast selbst Schlimmes erlitten. Aber dein Leid und der Tod waren nicht das Ende, sondern der Beginn für etwas Neues.“ Das gab ihr Kraft und Hoffnung. Das Kreuz als Hoffnungszeichen. Mit dieser Erfahrung steht die ältere Frau nicht alleine da. Auf diese Erfahrung verwies schon der Apostel Paulus die Christen in Rom. Und sie wiederholt sich überall da, wo Menschen auf das Kreuz schauen und darauf vertrauen, dass Leid, Schmerz und Tod nicht das letzte Wort haben. Das Kreuz als Hoffnungszeichen. Gut, dass hier in der St. Michaeliskirche gegenüber der Kanzel dieses Kreuz hängt. Der Blick des Predigers oder der Predigerin fällt unweigerlich darauf. Mich erinnert das Kreuz daran, immer wieder von Hoffnung zu sprechen, die aus dem Glauben kommt. Der Hoffnung, die auch Schweres in einem anderen Licht erscheinen lässt. Und nicht der Versuchung zu erliegen, von der Kanzel aus die Probleme dieser Welt noch einmal breit zu schildern oder sie als Tagesschau Revue passieren zu lassen. Liebe Leser, was hat er denn gepredigt, der Neue? Wenn Menschen Sie so fragen, können Sie sagen: Er hat von der Hoffnung gesprochen, die Christen geschenkt ist, und davon, dass es in Zukunft besonders auf die GmbH`s in unserer Gesellschaft ankommt: Darauf, dass sich Christen und Kirchen als Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung zeigen. |
Text:
Paulus schreibt: (18)Denn ich bin überzeugt,
dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der
Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. |
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