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Predigt Matthäus 6/25-34 15. Sonntag nach Trinitatis 31.08.08 "Entsorgung" |
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Liebe Leser, welches Entsorgungskonzept haben sie? Ja, sie haben schon richtig verstanden. Entsorgungskonzept. So, wie wir die Müllabfuhr bemühen für unseren weltlichen Müll und das Altglas und das Altpapier und die Dosen zum Container bringen, so brauchen wir für unsere Seelen um so mehr ein Entsorgungskonzept, um in unserem menschlichen Müll nicht zu ersticken. Denn in so einem Leben sammelt sich gewaltig viel an an Belastungen und Sorgen, an Last und Altlast und Neulast. Die Arbeit, der Beruf, die Kinder, das Altwerden, Krankheit – um nur die Nöte in unserem direkten Umfeld zu nennen. Die Nöte mit der Welt und der Zukunft mal ganz außen vor gelassen. Manchmal droht man unter all den Sorgen und Lebensbelastungen zu ersticken und darum ist es außerordentlich wichtig, dass wir eine Antwort haben auf die Frage: Was ist mein Entsorgungskonzept? Der Mensch braucht Orte und Zeiten des Ausspannens, des Vergessens und inneren Leer Werdens, davon weiß die Bibel und davon zeugt unsere christliche Tradition. Unsere christlichen Vorfahren pflegten eine reichhaltige Fülle an verschiedenen Formen und Ritualen, um sich wieder auf das Eigentliche zu besinnen, oder wie es Jesus nennt: „das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“. Gebet, Bibellese, Naturbetrachtungen, Stille, ein wahres Gespräch, Pilgerwege. Sie haben alle zutiefst etwas mit uns Menschen zu tun, mit unserem Wohl, unserem Heil, unserem Frieden, dem inneren und äußeren. Es ist sozusagen das Entsorgungskonzept Gottes für uns, weil wir dabei lernen, von uns wegzusehen und auf Gott hinsehen. Und darin ruht das Geheimnis: Im Wegsehen von sich selbst und im Hinsehen auf Gott. Sicherlich keine leichte Übung, aber eine wichtige allemal. Denn dabei werden wir Teilhaber am großen Entsorgungsangebot Gottes für uns. So wie es der Wochenspruch meint: (1 Petr 5,7) All eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Aber dazu müssten wir halt Ernst machen mit dem Vertrauen auf Gottes Wege und dem sich drauf einlassen und nicht alles absichern und versichern wollen und selbst bestimmen und dabei dann alles selber tragen müssen. Und keine Angst: Diese göttliche Entsorgung führt nicht in die Planlosigkeit, sondern sie ist ein Weg zu mehr Klarheit und mehr Ruhe und mehr Kraft, weil einem Gott darin den Blick befreit auf das Wesentliche hin.Mag sein, dass am Ende vielleicht nicht das dabei heraus kommt, was wir uns gerne gewünscht hätten, dafür kommt aber mehr von dem heraus, was Gott von uns gewollt hat. Aber hören wir die Worte Jesu selbst, die uns manchmal so sehr provozieren und ärgern und uns dabei so gut täten, wenn wir ihnen vertrauen könnten. Wir lesen im Matthäusevangelium im 6. Kapitel: (Verlesung des Textes, siehe rechts) Dieses Wort Gottes ist sein Angebot zu unserer Entsorgung, um wieder die notwendige Distanz zu unserem ruhelosen Alltag zu finden. So, wie es hier heißt: Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Im Wegsehen also von uns selbst und im Hinsehen auf Gott kann sich unser Herz entsorgen. Und Jesus lenkt dazu unseren Blick auf die Natur. Seht die Lilien auf dem Felde, sehr das Gras auf der Wiese, seht die Vögel am Himmel. Und wir kennen das ja. Gerade in den schwierigen Zeiten verfinstert sich oft unser Blick und wird eng und lässt nichts mehr Neues, nichts Ablenkendes, nichts Öffnendes in uns hinein. Doch das ist Gift. Und so lenkt Jesus ganz absichtlich unseren Blick hinein in die Natur, in Gottes gute Schöpfung. Und wir hören daraus die Stimme: Es wird gut! Weil wir alle in Gottes Hand ruhen. Auch da, wo wir es nicht mehr oder noch gar nicht sehen können. Und in der Betrachtung der Vögel und des Windes und der Ameisen und Schmetterling vergessen wir für einen Augenblick das Sorgen und Klagen und bekommen darin neu Kontakt zu dem Göttlichen. Deshalb genießen wir doch den Hund, der unsere Hand beschnuppert und die Sonne auf unserem Gesicht und die spielenden Kinder auf dem Spielplatz, wenn sie nicht gerade streiten. Sie lassen uns teilhaben an dem großen Ganzen Gottes und führen uns zurück in die Weite des Reiches Gottes und seine Gerechtigkeit. Dadurch wird der alte Mensch noch nicht jünger und der kranke Mensch noch nicht gesünder, aber vielleicht wird er ruhiger und zufriedener und gelassener und sein Nächster dadurch auch. Und so dachte ich mir, zum Abschluss der heutigen Predigt lese ich ihnen ein praktisches Beispiel dazu vor. Sozusagen eine Anleitung zu den Worten Jesu. Es stammt von Reinhold Stecher, einem inzwischen emeritierten kath. Bischof aus Innsbruck. Seine Leidenschaft waren und sind die Berge. In seinem Buch' Botschaft der Berge' schreibt er als Merksatz: viele Wege führen zu Gott, einer über die Berge. Und wer gerne in der Natur unterwegs ist, wird die Worte Reinhold Stechers gut verstehen. Und wer, so wie unsere Familie dieses Jahr, lieber an die Nord- oder Ostsee fährt, der hat wahrscheinlich auch schon ähnliches erlebt, wenn er sich dem Meer und dem Wind und der Natur dort oben ausgesetzt hat. Nun also: Setzen sie sich gemütlich in ihrer Bank zurück, soweit das möglich ist, und genießen sie die Sprache und die Bilder und die Gedanken Reinhold Stechers. Reinhold Stecher: Botschaft der Berge "Die ruhenden Berge" "Wir leben schnell. Unser tägliches Spiel heißt "dalli, dalli". Wir haben unzählige Maschinen erfunden, die schneller laufen, arbeiten, kombinieren, speichern, bauen, bewegen und kontrollieren, als wir es je könnten. Und nun laufen wir atemlos dem Tempo unserer Maschinen nach. ... In diesem Karussell des Lebens kommen wir kaum mehr an die Nabe der Zeit, an die innerste Achse, wo man langsamer kreisen könnte [ - dort, wo wir uns selbst und Gott begegnen könnten - ] nein, wir werden an die Peripherie hinausgeschleudert, wo alles in rasendem Tanz vorbeihuscht. ... Verhaltensforscher haben vom "Momentanismus" des modernen Menschen gesprochen. Wir sind Menschen des Augenblicks geworden ... mit wenig Sinn für den Blick auf große Ziele und wenig Verbundenheit mit dem kostbaren Erbe von gestern, einem verminderten Gespür für das zeitlos Gültige und einem tiefen Misstrauen gegenüber der Zukunft. [Kein Wunder, wenn wir dann daran zu ersticken drohen. Weil wir das gar nicht aushalten können. Und deshalb ist es wichtig, dass wir wieder wegsehen lernen, wegsehen von unseren eigenen Wichtigkeiten, hin auf das große Wirken Gottes.] Die Berge ruhen über dieser unstet treibenden Welt. Ihre Konturen sind immer dieselben geblieben für den Steinzeitjäger, den römischen Legionär, den Pilger des Hochmittelalters und Herrn Schultze mit Familie auf dem Campingplatz. Zuckerhütl, Ortler und Glockner grüßen mich heute noch so, wie sie mich als Kind gegrüßt haben. Und wenn sie die zehnte Generation nach uns grüßen werden, wird vieles anders sein, aber die Berge werden keine Miene verzogen haben. ... Die Blumen der Bergkristalle brauchen Weltzeitalter zum Erblühen. „Was willst du, aufgeregter, wichtigtuerischer Mensch des 20. Jahrhunderts?" fragt der Berg. "Der Bach, an dem du vorbeigehst, hat seine Schlucht in Jahrmillionen gegraben. Der Stein, über den du stolperst, hat Eiszeiten und Kreidemeere gesehen. Die Wand, die über dir aufragt, ist tausendmal älter als die Menschheit. ..." [31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? 32 Denn um all das geht es den Heiden.] Der Berg holt in die Ruhe zurück. Vielleicht schon damit, dass er uns ein wenig in die natürlichen Rhythmen des Lebens zurückzwingt. Das gilt zunächst von jenem Lebensvorgang, der einen so tiefen Bezug zum Seelischen hat, dass er in manchen alten Kultursprachen mit "Seele" gleichgesetzt wurde dem Atem. Wir sind doch kurzatmig geworden wie hechelnde Jagdhunde. Bergsteiger kehren zur natürlichen Tiefenatmung zurück. Der Berg holt in die Ruhe. Beim Wandern am Berg tauchen die Umrisse langsam auf, verschieben sich allmählich Kulissen und Horizonte, ganz anders als beim Blick aus dem Auto oder dem Schnellzug. Der Berg zwingt uns zum Gesetz der bedächtigen Schritte, der geduldigen Serpentinen, des Überlegens von Griff und Tritt. Bei ihm gilt wieder der vergessene Rhythmus von Tag und Nacht, Sonne und Mond und wanderndem Sternbild. Ein wenig erlöst er uns aus der Diktatur der Motoren und Gashebel, der Elektronik und der Terminkalender und der vielen anderen unheimlichen Einpeitscher und Beschleuniger unseres Daseins. Auf den Bergen kann das Herz nachkommen.“ [... und wir können etwas von dem Kosten, was uns Jesus in der Bergpredigt mit auf den Weg geben wollte, wenn er sagt:] 25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? 26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? 27 Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? ... 33 Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. |
Text:
25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer
Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib,
was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung? |
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