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Predigt Matthäus 27/33-54 Karfreitag 06.04.2007 "Er
hat auf Gott vertraut" |
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Liebe Leser, 1. Leiderfahrungen Er hat auf Gott vertraut, der helfe ihm jetzt heraus, wenn er ihn lieb hat. Ist das auch unser Glaube? Viele mögen den Karfreitag nicht und sie meinen, wenn sie ihn umgehen durch Fernsehen oder Urlaub machen oder Auto waschen, dann wäre er schon überstanden. Doch die Stunden, das Thema des Karfreitag holt uns ein – Leiden, Leiderfahrungen, Ohnmachtserfahrungen. Und wir merken, wie wir viel zu oft davon gelaufen sind von den Schreckensbildern und dem Leiden und dem Leid und dann sind wir nicht vorbereitet für die Stunde, wenn wir ihnen selbst nicht entgehen können und nicht mehr fliehen. Wie viele von uns tragen so viel ungelöstes und unerlöstes Leid mit sich herum und fliehen deshalb den Karfreitag und bleiben mit ihrem Leid weiterhin allein. Dabei zeigt uns Christus gerade in seinem Kreuz, dass wir nicht alleine sind, wo alle anderen sagen: „Den letzten Weg muss jeder alleine gehen.“ Denn das ist eine Lüge – eine gottlose Lüge sogar – um zu vertuschen, dass man nichts begriffen hat von der Liebe Gottes zu uns Menschen. Wenn Karfreitag überhaupt einen Sinn macht, dann doch genau wegen dieser Botschaft: Den letzten Weg, die schwierigen Wege in deinem Leben musst du nicht mehr alleine gehen – Gott geht sie mit, weil er sie selber schon vorgegangen ist. Ganz Mensch. Wahrer Mensch. Wer seinen Sohn verloren hat, der weiß, wie es ist, wenn ich meinen Sohn verliere. Nur weil wir so selbst verliebt in dieses Bild vom Wundermann mit Rauschebart sind, wollen wir nicht sehen, wer unser Gott wirklich ist: „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen.“ Wie viel lieber sprechen wir mit den Spöttern: Den letzten Weg musst du immer alleine gehen. Letztendlich sind wir dann immer noch nicht viel besser als die Hohenpriester und Schriftgelehrten und Ältesten, die mit ihren Worten uns mitten ins Herz treffen: Er hat auf Gott vertraut, der helfe ihm jetzt heraus, wenn er ihn lieb hat. 2. Psychologische Folter Ja, wie oft haben wir selbst uns schon diese Worte vorgesagt: Ich habe doch geglaubt. Ich habe doch gebetet und vertraut. Und trotzdem: Der Sohn bleibt Epileptiker. Das Enkelchen stirbt an Krebs. Die Oma liegt und darf nicht sterben. Und alles steht in Frage. Unser Glaube. Unser Lebensentwurf. Unser Menschenbild. Und wir müssen aufpassen, wem wir da huldigen und sollten uns besser erinnern und mit Gottes Stimme sprechen, wie sie schon zu Kain erklang, bevor er seinen Bruder Abel erschlug: Pass auf. Die Sünde lauert vor der Tür. Matthäus zeichnet uns ja sehr eindrücklich den Spott der Umwelt bis ins Detail hinein nach. Und das ist wahrscheinlich neben dem realen Leiden noch die schlimmste Folter dazu, wenn es fast schon im Stakkato kommt: Die Vorübergehenden aber lästerten ihn, schüttelten die Köpfe und sagten: Der du den Tempel zerstörst und in drei Tagen aufbaust, rette dich selbst, wenn du der Sohn Gottes bist, und steige vom Kreuz herab. Ebenso spotteten die Hohenpriester und Schriftgelehrten und Ältesten und sagten: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist der König Israels, er steige vom Kreuz herab, und wir wollen an ihn glauben. Er hat auf Gott vertraut, der helfe ihm jetzt heraus, wenn er ihn lieb hat. Er hat ja gesagt: Ich bin Gottes Sohn. In der gleichen Weise schmähten ihn aber auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt worden waren. Und sie treffen, die Worte. Treffen mitten ins Herz. Und machen uns mürbe. Sie lassen uns zweifeln und fragen und dann hören wir auf zu glauben. Der Karfreitag das Ende unseres Glaubens – oder der Anfang eines neuen Glaubens. Wer hat das letzte Wort? Wenn das Kreuz das Letzte ist, dann können wir nicht überleben. 3. Gott geht ans Kreuz mit uns Sehen wir aber Gott am Kreuz – wirklich Gott, wir er uns entgegen blickt und zu uns spricht: Ich lasse dich nicht allein. Und in jedem Menschen, dem du solches Leid zufügst, wirst du mich anblicken müssen und ich werde dich fragen: Was hast du mir getan? Und wenn du all das Leiden um dich herum nicht mehr aushältst, weil du es gerne verändern würdest, aber nicht helfen kannst, dann lauf nicht davon, sondern geh hin, in deiner Hilflosigkeit, so wie die Jünger und die Frauen da standen und entdecke mich im Anderen, dem Kranken, dem Hilflosen, dem Dementen. Wenn der andere kein Mensch mehr ist, entstellt, gezeichnet, dann lerne, dass du hier auch das Ebenbild Gottes siehst – Geschöpf und geschaffen, wie du. Im „Eli, Eli, lama asabtani?“ – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ Gott suchen und ihm begegnen. Ja, auch wir müssen immer wieder durch diesen Karfreitag hindurch und sollten nicht stehen bleiben, als ob wir nicht wüssten, was dann geschehen ist – Leben, mitten im Tod. Wie oft leiden in Krankheitssituationen alle: Die Gesunden, weil sie ein schlechtes Gewissen haben, dass sie gesund sind und die Kranken, weil sie sich schuldig fühlen, dass sie krank sind. Und tragen kann dann keiner mehr helfen. Dabei wäre etwas anderes möglich. Gewandeltes Leben, verwandelter Tod. Aber dazu müssten wir vertrauen und glauben. Nicht wissen, sondern glaubend neu Leben lernen. So wie es hier ja steht. Die Spötter haben es ausgesprochen, aber nicht begriffen:Er hat auf Gott vertraut, der helfe ihm jetzt heraus, wenn er ihn lieb hat. Und Gott hat geholfen. Aber dazu müssten wir wirklich das Alte vergehen lassen und neu werden. Bis heute meinen die Schlächter, dass sie die Wahrheit durch Tod verhindern könnten. Doch wir erzählen von Bonhoeffer und Mutter Theresa und Albert Schweitzer und Kofi Annan und Gandhi. Natürlich kennen wir auch die anderen: die Saddam Husseins und Adolf Hitlers und Stalins und all die anderen, Große und Kleine. Aber Vorbilder sind uns die einen und Hochachtung und Ehre werden wir nur ihnen zollen. Und deshalb müssen wir aufpassen, wenn uns das Leid zu zerfressen und zu zerbrechen droht. Denn die Anklage ist immer auch Anfechtung und will uns von Gott trennen. Bis wir endgültig allein sind. Gott verlassen. Aber diese konnten sogar wie Christus ihr Leben geben, voller Vertrauen, dass sich die Wahrheit durchsetzen wird und Leben dort entsteht, wo die anderen nur Hass und Verzweiflung und Tod säen. 4. Er hat Gott vertraut Deshalb Karfreitag. Wie ein Wegweiser steht er da, so wie Bonhoeffer vor dem Henker noch sagen kann: Für viele das Ende, für mich der Anfang eines neuen Lebens. Im Kampf für die Gerechtigkeit die tiefste Gotteserkenntnis, weitreichender als alle Nazischergen und SS-Stiefel. Ja. Gott geht ans Kreuz mit uns, damit wir unser Kreuz nicht mehr alleine tragen müssen, sondern uns selbst dort getragen wissen – anders, als die Welt glaubt, aber gewiss, dass es vor dem Tod schon ein Leben gibt, das getragen ist von dem, was „nach dem Tod kommt“ und an dieser Stelle wird sich zeigen, was wir geglaubt und gehofft und gebetet haben. Wir wissen nicht, ob wir einst beim „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ stehen bleiben werden, oder beim Wort aus dem Johannesevangelium: „Es ist vollbracht.“ Auch das müssen wir Gott überlassen, zu welchen Höhen oder Tiefen wir berufen sein werden. Denn es bleibt immer wieder Hingabe und Aufgabe, Kampf und Kontemplation, im Leiden nicht an Gott irre zu werden, sondern lernen und begreifen wider allen Augenschein und dann durchs Kreuz ins Leben gehen, in der Gewissheit: Gott wird sich durchsetzen. Das bleibt unsere Hoffnung und unser Glaube. So wie Christus nicht im Grab geblieben ist, so wird sich Gott durchsetzen, ob mit uns oder ohne uns oder gegen uns. Denn Gott steht zu seinem Wort – und er hat es bereits an seinem Sohn, in Christus uns gezeigt und wahr gemacht, was wir hier lesen: Er hat auf Gott vertraut, der hilft ihm jetzt heraus, weil er ihn lieb hat. Und deshalb gilt das letzte Wort auch für uns, wenn der Hauptmann zum Schluss sagt: „Dieser ist in Wahrheit Gottes Sohn.“ |
Text:
33 Und als sie an die Stätte kamen mit
Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte, |
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