Predigt Matthäus 9/35 - 10/1+7 1.Sonntag nach Trinitatis 17.06.2001
"Die Verkündigung des Evangeliums erfahren..."
Predigt von Regionalbischof Wilfried
Beyhl zum 75-jährigen Jubiläum des Diakonisches Werkes (Stadtmission Hof)
in der Hospitalkirche Hof
|
Verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diakonie, liebe Gemeinde! 1.1 Es trifft sich heute gut, dass wir das Jubiläum begehen mit dem Evangelium von der Aussendungsrede Jesu und dem Wort von der großen Ernte. Denn das alte Wort von der „Stadt-Mission“ bewahrt noch das Wort von der „missio dei“, von der Aussendung Jesu. Und so sei es Ihnen, den Mitarbeitenden heute neu zugesprochen: Ihr seid die heilvolle Mission Gottes in dieser Welt. Werdet heute in den vielfältigen sozialen Berufen der Berufung von Gott her neu gewiss. Ihr seid es, wie damals die zwölf Jünger: Euch hat Gott berufen und gesendet und gesegnet. Durch Euch will das Reich Gottes zu den Menschen kommen. Das Wort von der großen Ernte lässt uns heute den großen Erntesegen erkennen, den Gott der diakonischen Arbeit in 75 Jahren geschenkt hat. Aus dem ehemaligen „Armenverein“ mit „Wärmestube“ ist ein professionelles Dienstleistungsunternehmen mit 700, ja 1.700 bzw. 2.300 Mitarbeitenden geworden – je nachdem wen man alle dazu zählt. Dazu kommen die Ehrenamtlichen. Welch ein Erntesegen entfaltet die Festschrift mit der Psychologischen Beratungsstelle, dem Berufsbildungswerk, der Erwachsenenhilfe, den Senioreneinrichtungen, der Kinder- und Jugendhilfe, der Behinderteneinrichtungen und einem umfassenden Verwaltungsmanagement! Ich habe hohen Respekt vor dem Diakonischen Werk Hof, einem der größten in Bayern. Dank und Anerkennung möchte ich Ihnen im Namen unserer Landeskirche aussprechen und zu diesem Jubiläum gratulieren. Hof ganz oben in Bayern. Hier wird Diakonie ganz groß geschrieben. Die früheren, heute altmodisch klingenden Bezeichnungen wie „Wärmestube“ und „Herberge“ bekommen heute einen neuen Klang. In einem Klima der sozialen Kälte bietet die Diakonie heute einen Ort der menschlichen Wärme, eine Herberge für Menschen, die orientierungslos hin- und hergeschoben werden „zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Das Wort Jesu von damals ist Wirklichkeit geworden. In der „Herberge der Diakonie Hof“. Dafür wollen wir Gott loben und ihm danken. 1.2 Gerade in Kirche und Diakonie leiden viele Mitarbeitende darunter, dass Anspruch und Wirklichkeit oft auseinander klaffen. Die wirtschaftlichen Zwänge in einem diakonischen Großunternehmen sind wahrlich sehr stark geworden. Ein straffes Zeitmanagement lässt kaum mehr Zeit für seelsorgerliche Zuwendung. Mitarbeitende werden selbst zu solchen, die müde, ausgebrannt und „zerstreut sind wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Burn out-Syndrom. Aus einem Altenheim schickte mir kürzlich eine Bewohnerin folgendes Gedicht und drückte damit ihre Sichtweise aus: „Keiner mehr, der mit den Leuten redet oder gar mit ihnen betet. Sie liegen da für sich allein. Hauptsache, sie fangen nicht an zu schrein. Die Arbeit läuft ab im Akkord, kaum noch Zeit für ein nettes Wort. Was soll daran noch menschlich sein? Und das soll es sein, mein Altenheim?“ Liebe Gemeinde, solche und ähnliche Worte machen das Leiden deutlich, das viele heute empfinden zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Darf ich an einem Jubiläum auch diese Erfahrungen zur Sprache bringen? Ich tue es, weil das Evangelium in dem Wort von der Ernte nicht ein Gericht meint, das Schuld zuweist, anklagt und verurteilt. Sondern die Doppelbedeutung von Ernte in Segen und Gericht definiert deutlich Richten als ein Aufrichten. Jesus will seine Mitarbeitenden immer neu aufrichten und sie brauchbar machen. Er will selbst der gute Hirte für sie sein, die da nicht wissen, wie es weitergehen soll, wie sie mit dem knappen Pflegeschlüssel zurecht kommen sollen. Dies war und ist die Sendung Jesu: Er macht uns brauchbar und sendet uns, dass jede und jeder in seinem Beruf dieser inneren Berufung gewiss werde: Ja, auch Gott ist es, der mich sendet und mich segnet, aufrichtet und mir Kraft gibt. 2.1 In der Geschichte der Diakonie in den letzten 150 Jahren waren es immer wieder Persönlichkeiten, die von dieser Sichtweise Jesu ergriffen waren. Sie sahen die Not, und sie sahen nicht weg. Sie sahen hin und die Not ging ihnen zu Herzen. Der Glaube machte sie sehend und die Herzen brennend in der Liebe zu den Menschen, die „verschmachtet und zerstreut waren“. Und die Menschen mit den sehenden Augen und brennenden Herzen taten sich zusammen zu Vereinen für die Armenpflege und Bahnhofsmission, für die Jugendhilfe und Behindertenarbeit. Wie bei den Gründungspersönlichkeiten so möge Gott uns heute immer neu sehende Augen und brennende Herzen für die Not der Menschen schenken, die unsere Hilfe brauchen und: Wir müssen uns immer neu auch verbünden um zu Lösungen in der Bewältigung der Not zu kommen. 2.2 2.3 3.1 Das könnte für unsere Kirchengemeinden bedeuten: Macht jungen Menschen Mut, einen sozialen Beruf zu ergreifen und darin ihre Berufung als Christen zu erkennen. Diese Ermunterung tut heute Not, denn schon zeichnet sich an den Ausbildungsstätten ab, dass immer weniger einen sozialen Beruf ergreifen. Die sozialen Berufe müssen gesellschaftlich wieder attraktiver gemacht werden. „Es sind zuwenig Mitarbeitende.“ Das könnte zu einer Aufforderung werden zu mehr ehrenamtlicher Mitarbeit in den diakonischen Arbeitsfeldern. Ich freue mich über die Initiative hier in Hof „Ehrenamt beim Diakonischen Werk – schön dass es sie gibt“. (siehe Flyer) „Die Ernte ist groß. Bittet den Herrn der Ernte, dass er Mitarbeitende in seine Ernte sende.“ Vor der Aktion ruft Jesus ins Gebet. Wir brauchen immer wieder einen inneren Ruhepol. Wir brauchen eine Spiritualität, eine persönlich gelebte Frömmigkeit, aus der wir Kraft schöpfen und die unser Engagement für andere trägt. Gönnen Sie sich dafür Zeit. 3.2 Ob Ihnen, liebe Mitarbeitende, dies eine fremde oder überfordernde Sicht erscheint? Zu sehr „kirchlich vereinnahmt“? Trotzdem. Ich möchte Sie dafür gewinnen. Was wir in den letzten Jahren funktional und strukturell getrennt haben, das ist bei Jesus immer eine Einheit: Wort und Tat, verkündigen und heilen. Lasst uns diese Einheit zurückgewinnen und in der Diakonie bewusst diesem Sendungsauftrag Jesu Christi dienen: „Geht und verkündigt in Wort und Tat diese Frohbotschaft: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.“ Gottes rettende Liebe zu allen Menschen. Amen. |
Text:
(35)Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. |
Zurück zur: Homepage Dekanat Hof Homepage Hospitalkirche