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Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
Unsere Kinder sollen es einmal weiter bringen und besser haben,
als wir. So lautete das Glaubensbekenntnis der Generationen nach dem
großen Krieg. Meine Großeltern haben das gedacht und meine Eltern
vielleicht auch. Immer besser sollen die Kinder es haben, immer
wohlhabender sollen sie sein, immer gebildeter natürlich auch. Sie
sollen in sicheren Verhältnissen leben. Und deshalb haben in unserem
Lande bis heute die die politische Mehrheit, die eben diese Ziele
haben und für einen dauerhaften Aufschwung stehen. So soll es immer
weitergehen.
Ich bin jetzt so ungefähr im Alter eurer Eltern. Und wenn ich mir an
ihrer Stelle für euch etwas wünschen sollte, warum nicht all das:
gute Ausbildung, sichere Arbeit, sicheres Einkommen, Wohlstand, ein
schönes Auto und eine nette Familie, und danach einen ruhigen
Lebensabend. Ich würde euch all das gerne wünschen und gönnen. Die
Sache hat nur einen Haken. Es spricht vieles dafür, dass ihr all das
nicht mehr in dem Umfang erreicht, wie eure Eltern und Großeltern.
Technologischer Fortschritt macht die menschliche Arbeit immer mehr
überflüssig. Immer weniger Arbeitnehmer zahlen Beiträge zur
Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Alles in allem
werdet ihr deshalb weniger Wohlstand und weniger soziale Sicherheit
haben, als eure Eltern und Großeltern. Gerade pumpt unser Staat
Milliarden und Abermilliarden in ein durch Gier und
Verantwortungslosigkeit ruiniertes Bankensystem, um einen
Zusammenbruch der Finanzwirtschaft zu verhindern. Da werden Schulden
gemacht, die ihr und eure Kinder einmal bezahlen müssen. Wer euch
etwas anderes verspricht, gehört zu den falschen Propheten, von
denen Jesus sagt: An ihren Früchten kann sie schon heute jeder
erkennen.
Ich sage das nicht um euch den Mut zu nehmen. Auch unter den
Unheilspropheten gibt es falsche Propheten. Ich sage euch das auch
nicht, um in das allgemeine Gejammer einzustimmen, das unter uns
Erwachsenen Gang und Gäbe ist. Und mancher von euch hat’s auch schon
gut drauf. Würde ein Durchschnittsbürger in Afrika das hören, er
würde an unserem Geisteszustand zweifeln. Auch ihr werdet zur
reichen Minderheit der Welt gehören.
Auch wenn vieles nicht mehr so bleiben wird und bleiben kann. Und
gerade das sehe ich als eure Chance. Als eine Chance, vor die ihr
deutlicher gestellt werdet, als eure Eltern. Wie vor eine enge
Pforte und hinter ihr liegt ein unbekanntes Land. Dort liegt euer
Leben.
Jesus ist der Meinung, dass das Leben nur hinter engen Pforten
liegt. Dass es nur gefunden werden kann, wenn wir durch solche engen
Pforten gehen. Das ist fast wie bei einer Geburt. Damals seid ihr
aus dem warmen, sicheren und geborgenen Schoß eurer Mutter gezogen
worden in das Licht einer unbekannten fremden Welt. Geburt ist ein
Urbild des Lebens. Nur durch die enge Pforte der Geburt geht es ins
Leben.
Damals hattet ihr keine Wahl. Als Erwachsene habt ihr sie. Und ihr
werden vor diese Wahl immer dann gestellt, wenn Dinge sich ändern.
Dazu gehört jetzt bald das endgültige Ende eurer Kindheit. Ich habe
gelesen, dass es sogar 40-jährige gibt, die noch bei Mutti wohnen.
Das eigene Leben findet nur, wer lernt auf eigenen Füßen zu stehen,
auch wenn man die Wäsche selbst waschen muss und das erste
Bücherregal aus Obstkisten besteht.
Und so werdet ihr in eurem Leben immer wieder in Situationen sein,
wo ihr die Wahl habt, entweder immer so weiter zu machen oder wie
durch eine enge Pforte hindurch einen neuen Lebensabschnitt zu
beginnen, neue Lebensmöglichkeiten zu entdecken und so Lebenskraft
und Lebensfreude zu finden, auch wenn der Weg dorthin mit Mühen und
manchmal auch mit Schmerzen verbunden ist. Aber es wird euer ganz
eigener Weg und euer ganz eigenes Leben sein. Durch die enge Pforte
ins eigene Leben passt nämlich nur ihr allein durch und nicht noch
Vater und Mutter, nicht die, die euch alle möglichen guten
Ratschläge geben und nicht einmal eure besten Freunde.
Freilich, die wollen euch nicht gerne hergeben, die möchten, dass
ihr auf ihrer Seite steht, die natürlich die richtige ist. Parteien
werben um eure Stimme. Firmen wollen euch ihre Produkte verkaufen.
Die Welt ist auf allen Kanälen voll mit Versprechungen. So voll wie
noch nie. Wem sollt ihr glauben, wem sollt ihr folgen?
Antwort: Euch selbst und eurem Gott. Christlicher Glaube hat einen
ganz persönlichen Zug. Er nimmt uns als einzelne Menschen ganz
ernst. „Der Herr ist mein Hirte“, heißt es im 23. Psalm. „Ich habe
dich bei deinem Namen gerufen“, sagt Gott beim Propheten Jesaja. Und
so hat er es auch bei eurer Taufe zu euch gesagt. Jeder von euch ist
ein Einzelstück, ein Unikat, ein Kunstwerk des Schöpfers,
einzigartig und unverwechselbar.
Und deshalb entspricht dem auch ein einzigartiger Lebensweg. Manche
Erinnerung wird gleich sein, wenn ihr in 50 Jahren vielleicht einmal
Goldene Konfirmation feiert und euch wiedertrefft. Aber ihr werdet
dann feststellen: So wie ihr einzigartige Menschen seid, gehört zu
jedem von euch auch ein einzigartiger Lebensweg. Und der führt durch
manche enge Pforte, durch manchen Neuanfang, oder wie die Frommen
mit dem Evangelisten Johannes sagen, durch manche Wiedergeburt.
Weicht diesen engen Pforten nicht aus, auch wenn die Eltern
schimpfen und die Freunde euch blöd finden, auch wenn ihr in der
Minderheit seid und nicht modern. Auch wenn es manchmal weh tut und
ihr ganz von vorne anfangen müsst. Jesus war auch kein Star und kein
Held. Aber er hat Menschen geholfen, den richtigen, ihren ganz
eigenen Weg zum Leben zu finden.
Wirklich „ätzend“ ist was anderes. Wirklich ätzend ist es, wenn
immer alles beim Alten bleiben soll, wenn man hocken bleibt auf
seinen Besitzständen und ständig Angst hat, dass sich was ändert.
Wenn man sich weigert einen neuen und eigenen Weg zu gehen, und
lieber sein Fähnchen nach dem Wind hängt, das Maul hält und macht,
was die andern oder die Mehrheit oder das Fernsehen fordern und
empfehlen, bloß damit man seine Ruhe hat: Das ist der breite Weg
und viele sind’s, die auf ihm gehen, bis ihnen ihr Leben wie Sand
durch die Finger rinnt. Und drum sind bei uns so viele, die doch fast
alles haben so unzufrieden und so unglücklich.
Denn das Leben ist kein Zustand, sondern ein Vorgang. Nicht Ruhe,
sondern Übung. Es ist nicht ein Ende, sondern ein Weg. Und den sollt
ihr finden und gehen. Und ihr werdet ihn finden, wenn ihr auf euer
Herz hört, das bei jedem von Euch in einem ganz eigenen Rhythmus
schlägt und, das ist die zweite Bedingung: Ihr werdet ihn finden,
wenn euer Herz mit Gott und seinem Wort im Gespräch bleibt.
Das Gespräch mit Gott wird euch davor bewahren, dass euer Herz doch
irgendwann kalt wird, dass es geschluckt wird von der moralischen
Mehrheit der sogenannten braven Bürger, die sich angeblich nie was
zu Schulden kommen lassen und nur ihre Pflicht tun. Die also für
nichts verantwortlich und für nichts zuständig sind. Die für nichts
was können, nicht mal für ihr eigenes Leben und für das Leben
anderer schon gar nicht. Wenn ihr mit Gott im Gespräch bleibt, dann
werdet ihr manchmal erschrecken über euch selbst, dann wird euch
manchmal weh tun, was ihr tut, was andere tun und was andere
erleiden müssen. Und wenn ihr das fühlt, dann wisst ihr nicht nur,
dass ihr noch am Leben seid, sondern auch, dass Gott noch zu euch
redet.
Dann werdet ihr die Kraft finden, für euer eigenes Leben zuständig
zu sein, und das heißt, für euch und für andere auch etwas zu tun.
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, sagt Jesus und er meint
damit vor allem, dass eine große Fresse nicht reicht. Zuständig für
das Leben ist der, der zu dem, was er sagt, mit seinem Leben steht.
Zuständig für das Leben ist der, der für andere nicht nur das Wort
ergreift, sondern auch zu ihnen steht. So selbstverständlich scheint
das und so außerordentlich ist das.
Wie eine enge Pforte. Weicht ihr nicht aus. Dann hält Gott, der sich
für euer Leben zuständig fühlt, sein großes Versprechen. Nicht, dass
alles so bleibt wie es ist, nicht ein Leben ohne Sorgen und
Schmerzen. Gott verspricht euch etwas anderes. Er verspricht euch
ein Leben, dass einzigartig ist und wird, das von ihm gesegnet ist
und zum Segen wird. Und ich wünsche Euch, dass ihr diesen Segen
heute annehmt, als Gottes Zusage für jeden von euch. Gott will euch
Mut machen, vor der engen Pforte nicht wegzulaufen. Dahinter liegt
unbekanntes Land. Doch nur dort findet ihr euer Leben.
Pfarrer Johannes Taig
(Hospitalkirche Hof)
(weitere Predigten von Pfarrer Taig finden Sie
exklusiv unter
www.kanzelgruss.de )
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Text:
Christus spricht:
13 Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die
Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und
viele sind's, die auf ihm hineingehen.
14 Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben
führt, und wenige sind's, die ihn finden!
15 Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern
zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.
16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
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