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Predigt Matthäus 5/1-12 14. Sonntag nach Trinitatis 16.09.01 "Weil
Vergeltung keinen Frieden schafft" |
Lesen Sie hier die Ansprache von Pfr. Matthias Herling vom Sonntag Abend bei der Demonstration auf dem Volksfestplatz |
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Liebe Leser, Schreckliche Bilder und Angst Wir können uns nicht erwehren. Immer wieder bohren sich vor unseren Augen die Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers, die danach in sich zusammenstürzen. Tausende von Menschen sind ermordet. Ein ganzer Stadtteil ist verwüstet. Es lässt einen kaum los. Mühsam kehrt man in seinen Alltag zurück. Das Fernsehprogramm findet in seinen gewohnten Trott. Wie banal manches doch plötzlich wirkt. Und daneben die Angst. Die Angst, das könnte erst der Anfang sein. Die Angst, dass man vor solchen Wahnsinnstaten niemals geschützt sein kann. Die Angst, dass das auch bei uns geschehen könnte: Gift in der U-Bahn, Sprengstoff auf dem Oktoberfest. Und neben der Angst vor dem unsichtbaren Feind höre ich in vielen Gesprächen die Angst vor dem sichtbaren Freund. Wer treibt hier in den Krieg? Als ob wir aus unserer eigenen, leidvollen Geschichte gelernt hätten, hören wir besonnene Worte in Europa. In Amerika wird mobil gemacht, mit Worten, die uns fremd sind, auch wenn Amerika mit dem Begriff des Krieges anders umgehen mag. „Sehr, sehr viel wird von euch in den nächsten Wochen und Monaten verlangt werden. Unsere Soldaten werden sich in die lange Tradition amerikanischer Kriegshelden einreihen. Wir stehen mächtigen und schrecklichen Feinden gegenüber, und wir haben die Absicht, diese Feinde zu bezwingen.“ (US-Verteidigungsminister Rumsfeld; HofAnz. 14.Sept.2001 S. 1) Und George Bush spricht von einem „monumentalen Kampf zwischen Gut und Böse.“ Und ich habe den Eindruck, diese zwei-, dreihundert Wirrköpfe und blutrünstigen Terroristen um Bin Laden haben ihr Ziel erreicht - Krieg zwischen Ost und West, zwischen arm und reich, zwischen zivilisierten Westen und ... was sind die anderen? Letztlich wollen sie doch nur Chaos zwischen den Völkern. Religiös verbrämt als moslemischer Tschihad – als heiliger Krieg - springen wir aufs gleiche Pferd, verurteilen den Islam als radikalmachende Religion und vergessen dabei wie Menschen immer wieder unseren Glauben benutzt haben, um Inkas und Majas auszurotten, im 30jährigen Krieg halb Europa abzuschlachten, als Deutsche Christen die Nazis zu rechtfertigten und sich heute in Nordirland noch gegenseitig terrorisieren. Wann lernen wir endlich aus der Geschichte und lassen uns nicht immer neu verblenden durch also menschlich-abgründige Gefühle wie Rache und Hass und verletzter Stolz und falsch verstandene Ehre und Stärke. Bauen wir darauf, dass die arabischen Nachbarn ruhig halten, wie im Golfkrieg und wir kühl kalkuliert ein Land in Schutt und Asche legen. Wollen wir wieder ein Volk bestrafen, weil es sich seiner brutalen Regierung nicht erwehren kann. Wir konnten es damals auch nicht. Wir sind bei diesen Ereignissen nicht der David. Wollen wir uns hineinzwingen lassen in ein vorzivilisiertes Verhalten, in ein vorchristliches: Auge um Auge – Zahn um Zahn. Verfolgung – Ja! Bestrafung – Mit aller Konsequenz! Aber wir wollen keinen Krieg! Wir sind so gefestigt und stark, dass wir uns durch solche brutalen Mörder nicht in einen Krieg zwingen lassen und dabei alles vergessen, was wir täglich in unserem Leben bekämpfen: Wir bilden Mediatoren aus, Streitschlichter, machen Anti-Gewalt-Trainings und suchen nach Wegen der Deeskalation in den Schule und der Gesellschaft. Keine Selbstjustiz, sondern Rechtsstaatlichkeit. Und dann fällt uns auf weltpolitischer Ebene nur ein: Zündest du mir mein Haus an, dann zünde ich dir deines an. Sind wir nicht stolz darauf, dass wir den Linksextremismus der RAF mit rechtsstaatlichen Mitteln zum Erliegen gebracht haben und Milosevic vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zur Verantwortung gezogen wird. Wie sollen wir eine Vergeltungsschlag unseren Kinder erklären? Du sollst Streit schlichten, wir aber haben ein anderes Recht. Wann lernen wir von dem, den wir als unseren Herrn bekennen, wie der Weg zum Frieden geht. Wir haben es doch schon öfters gekonnt. Vergeltung und Rache ist es nicht. Das mag noch für das AT gelten, wo wir für die Worte: Vergeltung, Rache und ähnliche fast 200 Belegstellen finden, im NT jedoch nur 22 und davon nur 5 in den Evangelien. Wie anders lauten die Worte Jesu – unserem heutigen Predigttext: Verlesung des Predigttextes Auch wenn das kein politisches Programm ist, soll es doch für uns Leitbild zum Handeln sein. Durch unmenschliches Handeln verlieren wir selbst unsere menschliche Würde, die wir in Gott begründet wissen und nicht in unseren eigenen Empfindungen. Keinem der Opfer und ihrer Angehörigen wird geholfen sein, wenn wir die Gewalt noch weiter schüren. Das hat die Welt schon genug. Das bringt in Israel nichts, in Nordirland nichts und hat auch nach dem ersten Weltkrieg nichts gebracht. Nach dem zweiten Weltkrieg waren es vor allem die Amerikaner, die dafür sorgten, dass man sich nicht kollektiv an unserem Volk rächt, sondern die positiven Kräfte unterstützt. Und nach der Wende kam es wiederum nicht zur Vergeltung, sondern zu einem besonnenem Umgang auf rechtsstaatlich-demokratischer Grundlage. Sind wir nicht stolz darauf und dankbar dafür. Wenn uns Jesus solche Sätze entgegenstellt, wie in der Bergpredigt, dann möchte er, dass wir nicht unter unser Menschsein fallen und unsere Seele verlieren. Terror mit Terror beantworten. Gerade durch unseren Glauben sind wir stark genug und fähig, über unsere Verletztheit und Wut und Empörung hinaus das Ganze zu sehen und nicht Opfer unserer eigenen Empfindungen zu werden. Gott hat uns einen Verstand und ein Herz gegeben, damit wir beide verwenden, zum Guten hin, oder wie Paulus schreibt: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem“ (Rm 12,17). Darum sind wir zu gerechtem Handeln aufgefordert, nicht zu selbstgerechtem. Eine kollektive Bestrafung oder Verurteilung hat noch nie weitergeholfen. Das merken wir, wenn wir an unsere ausgebombten Städte wie Nürnberg oder Dresden denken als Vergeltung für begangenes Unrecht oder wenn ich in Südfrankreich 50 Jahre nach Kriegsende noch als „Nazi“ beschimpft wurde. Das christliche Abendland ist stärker, als dass es sich zu solcher Blindheit hinreißen ließe. Weil es einen Glauben hat, der nicht von Vergeltung lebt, sondern von der Liebe und der Liebe zur Gerechtigkeit. Wenn Amerika von Krieg spricht, dann mag das zunächst verstehbar sein aus der eigenen Erschütterung und Verletzung heraus. Aber umso wichtiger wird für uns sein, dass wir den Ausgleich suchen, weil wir aus der Distanz heraus und dem Erleben aus unserer eigenen Geschichte besser und nüchterner vermitteln können mit einem glaubenden Herzen und einem glaubenden Verstand. Wenn christlicher Glaube im Großen versagt und uns nur trägt, solange er nichts tragen muss, sollten wir ihn an den Nagel hängen. Dafür ist unser Herr Jesus Christus nicht gestorben. Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen, damit es eben nicht mehr heißt: Auge um Auge, Zahn um Zahn und endlich Frieden werde. Möge Gott uns geben, dass wir den richtigen Weg in dieser schwierigen Situation finden, beispielhaft – auch für die arabische Welt, weil nicht geleitet von Vergeltung, sondern vom Geist Gottes, wie es im 2. Tim 1,7 heißt: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. |
Text:
(1)Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. |
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