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Predigt Micha 6/6-8 22. Sonntag nach Trinitatis 04.11.07 "Gott
will mich" |
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Liebe Leser, 1. Warum gehe ich in den Gottesdienst? Warum sind sie heute in die Kirche gekommen? Die Antworten werden sicherlich ganz unterschiedlich ausfallen und hoffentlich nur bei den Konfirmanden lauten: Damit ich meinen Konfirmandenpass voll bekommen. Sicher, ein gewisser Druck gehört zur religiösen Erziehung. Und außerdem kommen manche wirklich mit einem inneren Interesse. Aber warum sind die anderen, die Erwachsenen hier? Wo es doch kein Zwang ist und kein muss. Freiwillig gewissermaßen. Oder sammeln wir immer noch Stempel. Stempel für die Nachbarn, damit sie sehen können, wie christlich ich ... Oder Stempel für das jüngste Gericht, damit ich meinen Pass dem lieben Gott vorlegen kann: Da, sieh her, so fleißig war ich ... Warum bin ich hier? Das ist eine gute Fragen an so einem Sonntag, an dem wir in besonderer Weise an die Reformation denken, an den Thesenanschlag Martin Luthers vor 490 Jahren an der Schlosskirche zu Wittenberg und dankbar sind für die daraus hervorgegangene erneuerte katholischen Kirche, die uns als evangelische Kirche lieb und teuer geworden ist. Warum bin ich hier? Weil es sich für einen Christen gehört, am Sonntag in die Kirche zu gehen? Natürlich gehört es sich, dass ein Christenmensch regelmäßig in die Kirche geht! Aber warum gehört es sich denn? Muss er? Soll er? Oder wäre es nicht besser, dass er will! Ja. Ein Christenmensch will in den Gottesdienst. Natürlich soll er auch kommen, solange er noch nicht erfahren hat, dass es gut für ihn ist. Und er muss manchmal kommen, damit er erfahren kann, dass es gut für ihn ist. Aber eigentlich sollte er freiwillig kommen, weil er da sein will, denn hier ist ein besonderer und geschützter Ort, wo er allein und in der Gemeinschaft der Glaubenden sich Gott nähern kann, gehalten und getragen von den anderen, wenn er selbst ins Wanken gekommen ist, geschützt und ummantelt von den Liedern und Gebeten, wenn einem vielleicht selbst gar nicht zum Singen und Beten ist und sich dabei vergewissernd an den anderen und mit den anderen und für den anderen, wer Gott ist und wie Gott ist und was wir an ihm haben. Denn dafür ist der Gottesdienst da! Und deshalb hat Luther darauf gedrungen, dass im Gottesdienst die Landesübliche Sprache gesprochen wird, in Deutschland deutsch und in China chinesisch, damit jeder von uns hören, lesen und verstehen kann, wer Gott ist und wie Gott ist und was wir an ihm haben. Keine Inszenierung eines göttlichen Spektakels in einer Spezialsprache – weder in lateinisch noch in hebräisch oder in arabisch, so ergreifend das auch sein mag, sondern mein Gott und ich und ich und die Gemeinschaft der Glaubenden vor Gott. 2. Der Predigttext Unser heutiger Predigttext fragt auch, warum wir Gottesdienst feiern, Obwohl: die Frage ist etwas anders verpackt, aber das gleiche Anliegen dahinter steht. Sie steht im AT beim Propheten Micha im 6. Kapitel und lautet: 6 »Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? 7 Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?« 6 »Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott?“ – Eine andere Fragestellung und doch steht im Hintergrund die Frage, die auch unsere Frage war: Warum gehe ich in den Gottesdienst? 7 Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?« Ist das der Grund meines Besuches im Tempel oder im Gottesdienst, dass ich ihn besteche, dass ich ihn betöre, dass ich ihn wohlgefällig stimme durch Geschenke, wie einen orientalischen Herrscher mit Brandopfern und Mastkälbern, Sklavengeschenken oder Töchter oder Söhnen? Haben wir überhaupt noch einen Anstand, dass wir unsere weltlichen Geschäfte übertragen auf die himmlische Welt Gottes und meinen uns freikaufen zu können auf Kaution. Und je mehr Mastkälber ich mir kaufen kann, desto gnädiger kann ich dann Gott stimmen. Je mehr Gebete ich verrichtet habe, je mehr Gottesdienste ich besucht habe, desto gefälliger wird mir Gott dann später sein, wenn ich vor ihm stehe und mich vor ihm zu verantworten habe. Damit ich meinen himmlischen Konfirmandenpass voll bekommen? Ist das unser Glaube? Und deshalb die bange Frage: 6 »Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? 7 Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?« 3. Gott will mich Sicherlich: Einfacher ist das allemal. Die Angabe einer religiösen Währung, festgelegt von der Kirchenleitung oder meiner religiösen Peer-Group und ich bekomme dafür ein reines Gewissen. Aber: Gegen einen solchen Glauben hat sich Jesus mit jeder Faser seines Seins gewehrt und nach seinem Einzug in Jerusalem den Tempel gereinigt mit dem Vorwurf: Mein Haus soll ein Bethaus sein. Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht. (Lk 19,46) Ein Geschäftemachen mit Gott. Stellvertretend opfere ich Mastkälber und Tauben oder wohlriechende Kräuter und meine damit, mich frei kaufen zu können. Der Prophet Micha sagt dazu an anderer Stelle: Sie hassen das Gute und lieben das Böse. (Mi 3,2) Doch Gott will keine Opfer und schon gar keine stellvertretenden Opfer. Was sollten die helfen und wofür? Denn Gott will mich! Er will mich, weil er mein Schöpfer und Erlöser ist! Er will mich, weil er der Grund meines Seins ist. In die Freiheit hat er mich entlassen, damit ich aus freien Stücken zu ihm zurückkehre. Nicht aus Zwang, sondern weil ich begriffen haben, wo das wahre Leben zu Hause ist. Gott ist nicht mein Geschäftspartner, sondern er ist mir Vater und Mutter und ich bin sein Kind. Und deshalb braucht es dieses Bethaus als Bethaus und nicht als Räuberhöhle, weil hier die andere Welt, das Reich Gottes seinen Platz hat, in der uns Gott in seiner ganzen Liebe begegnen will und wir gestärkt aus seinem Wort diese Liebe in unser Leben hineintragen können. Schwächer und verdünnter sicherlich, weil wir so menschlich sind, aber mit dem beständigen Bemühen, dass wir immer wieder neu durch sein Licht verwandelt werden und verstehen und begreifen und daraus handeln, was Micha bereits 800 Jahre vor Christus von der Gemeinde gefordert hat als Antwort auf die Frage: 6 »Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? 7 Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?« Denn er sagt weiter: 8 Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Kein fremdes Opfer. Keine feierlich geopferten Mastkälber. Mich will Gott. Immer wieder neu. Und dazu braucht es zunächst keinen Tempel und auch keine Kirchen, sondern er braucht zuerst mich als Mensch und uns, als seine Gemeinde. Und es braucht dazu kein Geld, sondern ein bereitwilliges Herz und ein beugsames Knie. Und dann versammeln wir uns als seine Gemeinde, hier im Gottesdienst, um Ihm, den wir Vater nennen, nahe zu sein und um sein Wort zu hören – wie z.B. das aus der Evangeliumslesung über das Vergeben-lernen, 70x7 – eine wichtige Aufgabe - und es zu verstehen versuchen und uns stärken lassen von seiner Liebe, damit wir Liebe üben können und sein Wort halten an dem Ort, an den uns Gott hingestellt hat. Ja, liebe Gemeinde, leichter wäre es, wenn wir so ein Spektakulum abhalten könnten mit religiösen Pflichtübungen, vom Fasten angefangen bis zu auferlegten 5 Vaterunsern oder Brandopfern oder was auch immer – und dann aufgrund unseres Treibens ein reines Gewissen haben könnten. Doch das macht den Menschen hochmütig und nicht demütig vor Gott. Und frei macht es ihn auch nicht und die Welt nicht menschlicher. Und deshalb muss Micha schon damals von Gott her dieses Wort ausrichten, das in Christus bestätigt wird: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Einen leichteren Weg kann er uns nicht geben, weil auf ihm keine Verheißung liegt. Und so bleibt der Auftrag Gottes an uns: Du, mein geliebtes Kind, forsche nach, in deinem Alltag, wie und wo du Gottes Wort halten kannst und wo du Liebe üben kannst und halte dabei demütig den Kontakt zu mir. Das ist der Weg ins Leben und der Weg in die Freiheit, die Bestand hat. Dazu brauchten wir den Gottesdienst! Dass aus dem Müssen und Sollen ein Wollen wird, ein Verlangen nach Gottes Wort und ein Bedürfnis, sich in Liebe zu üben. Und das gelingt, wenn wir immer wieder demütig werden vor unserem Gott. Dankbar, bittend, betend und hoffend. Bereit, uns verwandeln zu lassen, hin zu Bewohnern des Reiches Gottes. Und im Mahl unseres Herrn empfangen wir dazu die rechte Stärkung von ihm, göttliche Speise für diesen himmlischen Auftrag. |
Text:
6 »Womit soll ich mich dem HERRN nahen,
mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern
nahen und mit einjährigen Kälbern? |
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