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(Bonbonaktion - statt
Klingelbeutel ein Körbchen herumgeben, in das man seine Gabe einwirft und
man eingeladen ist, sich ein Bonbon herauszunehmen)
1. Hinführung
Liebe Gemeinde,
haben sie sich etwas aus dem Körbchen genommen? Oder vielleicht sogar
zwei, für sich und noch eines für ihr Enkelchen?
Hoffentlich haben sie sich nicht zurück gehalten – sie waren schließlich
eingeladen. Das ist ja gar nicht immer so einfach mit den Einladungen. Und
das fängt schon bei einer so kleinen Süßigkeit wie eben an. Vielleicht mag
ich prinzipiell oder momentan nichts Süßes. Oder ich habe Diabetes oder
gerade Schwierigkeiten mit den Zähnen. Außerdem ist Süßes nicht gesund für
die Zähne oder ich will gerade abnehmen und habe mich schwer getan, diese
Versuchung an mir vorüberziehen zu lassen oder am Vormittag essen sie nie
Süßes oder was auch immer für Gründe – und sie haben sich nichts genommen.
Sie merken schon, wir könnten hier viele Gründe aufzählen, warum jemand
der Einladung nicht gefolgt ist und sich vielleicht nichts genommen hat.
Und das ist ja auch nicht weiter schlimm. Auf eine freie Einladung darf
ich doch frei entscheiden, oder? Doch manchmal gibt
es Einladungen, da merkt man erst im Nachhinein, dass es falsch war, wenn
man sie ausgeschlagen hat. Natürlich gab es vorher genug gute und wichtige
Gründe, womöglich auch egoistische, über die man einfach nicht hinwegsehen
konnte – aber das spielt danach alles keine Rolle mehr. Der Zug ist
abgefahren. Chance verpasst.
Was die ganze Sache aber auf die Spitze treibt ist, wenn die Gäste
zugesagt haben, dass sie kommen werden. Und man hat sich sehr gefreut und
sich darauf vorbereitet – schließlich sind es ja Freunde des Hauses und es
hat einen Grund, warum man gerade diese und nicht andere eingeladen hat.
Und dann, zwei Stunden vor dem Fest klingelt das Telefon, und der erste
sagt ab – aus wichtigen, unaufschiebbaren Gründen – o.k.; man versteht es.
Doch kaum hat man aufgelegt, klingelt es wieder – die nächste Absage. Und
so fort. Was da mit einem passiert, muss ich ihnen
nicht weiter ausführen.
2. Predigttext
Und hier sind wir ganz bei unserem heutigen Predigttext: Lk 14, 15 - 24
3. Eine verständliche Geschichte – vom Zorn
Keine Frage, wir können den Hausherrn sehr gut verstehen. Seine
Enttäuschung und seinen Zorn und seine Reaktion: Dann können sie mir
gestohlen bleiben. Interessant finde ich, dass sich
der Hausherr nun nicht zurückzieht und schmollt: Dann feiere ich eben
alleine – und er setzt sich beleidigt vor sein Glas Wein und schluckt
allen Frust in sich hinein. Er will nicht alleine
feiern. Und wenn die einen nicht kommen, dann kommen eben andere. Zu einem
Fest gehören Gäste. Feiern kann man nicht alleine – wer das behauptet, hat
schon aufgegeben.
4. Wer kommt nicht und wer kommt stattdessen?
Aber nun ist das ja nicht irgendeine Geschichte und die Erzählung handelt
auch nicht von irgendwem, sondern sie steht in der Bibel und handelt vom
Mahl im Reich Gottes. Darum wollen wir genauer hinsehen, was das
geschieht.
Sehen wir uns die Personen an, die hier erwähnt sind.
Zunächst sind die eingeladen, die wir wahrscheinlich auch
eingeladen hätten. Die, die es im Leben zu etwas gebracht haben. Die, die
mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen. Menschen, wie wir sie kennen.
Ganz normale Bürger – so wie eben auch unser Leben aussieht: Der eine
kauft sich einen Acker, der andere fünf Ochsen, der andere hat geheiratet.
Wir gehören dazu. Überträgt man die Geschichte in
die Zeit Jesu, hat sie noch eine weitere Bedeutung: Gemeint sind hier auch
alle jüdischen Geschwister Jesu; das ganze jüdische Volk, das Volk Gottes,
zu dem der Messias – eben Jesus - geschickt wurde. Und eigentlich ist das
ja auch klar, dass man die einlädt, mit denen man verwandt ist oder
befreundet; mit denen man sonst auch lebt und zu tun hat – die, zu denen
man gehört.
Sie sind zuerst eingeladen. Und sie haben zunächst nicht abgesagt. Doch
dann lassen sie ihn im Stich. Kurz vor dem Fest sagen sie ab. Und da wird
der Hausherr, das wird Gott zornig. Er macht nun die Türen für alle auf.
Wenn die, die eigentlich gemeint waren, wenn die nicht wollen, dann gibt
es keine Beschränkungen mehr. Dann sind alle eingeladen.
Und was jetzt kommt treibt die Erzählung auf die Spitze. Jesus provoziert
uns hier. Der Unterschied könnte nicht krasser sein – aber wann hat uns
Jesus jemals Honig ums Maul geschmiert. Das können andere machen. Dafür
ist die Sache zu wichtig. Gott lockt uns aus der Reserve.
Nun sind ganz andere eingeladen. Die, mit denen man sonst
eigentlich nichts zu tun hat. Und er schickt sogar zweimal seinen Knecht
aus:
Zunächst nur in die Stadt: „Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen
der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Blinden und Lahmen hier
herein!“ (21)
Und als noch Platz ist, schickt er ihn noch einmal hinaus, diesmal vor die
Tore der Stadt, aufs Land und sagt: „Geh hinaus auf die Landstraßen und an
die Zäune und nötige sie, hereinzukommen, damit mein Haus voll werde!“
(23) Und wir ahnen es: übertragen ist hier der
Beginn unserer Kirche beschrieben: Weil das jüdische Volk Jesus nicht
angenommen hat, hatte die übrige Welt erst überhaupt eine Chance. Und sie
wurde eingeladen am Tisch Gottes Platz zu nehmen und wir haben die Chance
genutzt: Arme und Krüppel und Blinde und Lahme, im Staub der Landstraße
lebend, hinter den Zäunen kauernd auf einem erbärmlichen, windgeschützten
Lager.
5. Warum sie nicht kommen – Erstarrung
Wir könnten hier fertig sein mit dem Gleichnis Jesu. Die Juden sind
weggeblieben – die Heiden sind gekommen. Wir sind in der Kirche, wir
sitzen beim Mahl im Reich Gottes. Prima. Wir können beruhigt nach Hause
gehen. Wir haben uns alle einen Bonbon genommen. Amen
Doch ich frage mich: Ist es das, was wir hören wollen? Glück gehabt: Ich
bin dabei. Immerhin: Die anderen hatte ihre Chance. Jetzt sind die Türen
verschlossen. Verloren ist verloren. Des einen Leid, des andern Freud.
Lasst uns zum Essen gehen. Mahlzeit.
Ist es das, was wir hören wollen? Wie diese Woche auf der Titelseite:
Lasst die „Ossis“ doch streiken, dann erhöhen sich bei uns die Chancen für
die Autozulieferbetriebe. Ist es das, was wir
hören? Ich kann das nicht hören. Und sie sehen es
mir nach, aber Christsein ist eben nicht so leicht. Man ist nicht einmal
Christ und dann hat man's. Da bleibt immer wieder
der Anspruch und das, wie ich mit meinem Leben dahinter zurück bleibe. Da
habe ich mich gemütlich am Tisch des Herrn eingerichtet und merke gar
nicht mehr, wie ich schon längst draußen sitze.
Und ich frage mich, wo ich eigentlich in dieser Erzählung gemeint bin und
ich werde unsicher, denn ich bin kein Armer und kein Krüppel und kein
Blinder und kein Lahmer. Und ich sehe mir die genauer an, die nicht
gekommen sind. Und ich frage mich, warum sie denn nicht gekommen sind und
ich erschrecke. Das könnten auch meine Gründe sein.
a. Da höre ich sie sagen: Ich gehöre eh dazu, zu den Ausgewählten. Ich
habe es schon geschafft. Das passt doch alles schon. Da muss sich nichts
mehr verändern. So wie das jüdische Volk, so haben auch wir uns bereits
eingerichtet. Wir wissen, wie das so alles mit unserem Glauben und der
Kirche und dem lieben Gott zu laufen hat. Wir sind satt. Übersättigt
wahrscheinlich. Das System stimmt. Und es geht uns damit ja auch ganz gut.
Reich Gottes Partys haben wir eh schon genug. Da
muss man dann auch nicht mehr auf jede gehen. Ich kauf mir lieber einen
Acker oder fünf Kühe oder widme mich meiner Frau – da habe ich zumindest
etwas davon. Danke – ich bin schon satt.
b. Außerdem, so weiß man, provoziert dieser Jesus gerne. Er hinterfragt
einen andauernd. Er lässt einen nicht in Ruhe. Zum Schluss soll ich noch
mein Leben umkrempeln. Und darauf, das sage ich ehrlich, habe ich schon
gar keine Lust.
Wer satt ist, blockiert gerne. Wer satt ist, will sich nicht mehr bewegen.
Und wir sind satt, mehr als satt. Im Wirtschaftlichen
wird uns das mit am deutlichsten: Wie oft ist mir bei Besuchen erzählt
worden, die Textilbarone haben hier nach dem Krieg die Ansiedlung von
Siemens verhindert – da ist etwas Wahres dran. Das gleiche gilt für die
Wirtschaftstandorte Nürnberg oder das Ruhrgebiet. Ja nichts Neues? Ja
keine Veränderung? Ja keine Konkurrenz – gerade wenn ich merke, dass ich
nicht mehr so attraktiv bin. Der Gewinner ist nicht von ungefähr heute der
Großraum München – da war vorher nicht viel. Da hatte man Hunger und
weniger Bedenkenträger. Wer Hunger hat, der ergreift die Chance, wenn es
etwas zum Essen gibt. Das ist in den neuen Bundesländern und in Tschechien
nicht anders.
Wir wissen alle, warum sich in unserem Land momentan so wenig bewegt.
Nicht weil wir Hunger leider, sondern weil wir all zu satt sind. Bitte
keine Veränderungen. Keine Provokationen. Lass alles beim Alten, Jesus.
Der Messias kommt sicherlich später, nicht jetzt. Und außerdem kommt er
anders. Wir wissen das. Glaubt uns. Wer satt ist,
wer weiß, dass er es geschafft hat, wer sich sicher ist, dass er dazu
gehört, der wird träge: Warum sollte er sich bewegen. Er meidet
Provokationen. Er meidet Veränderung. Er kümmert sich lieber um die
Bestandssicherung: einen Acker, fünf Kühe, eine Frau. Das ist in der
Kirche nicht anders wie in der Wirtschaft. Warum sollte es auch – sind wir
doch alle Menschen, Geschöpfte Gottes.
Ich habe letzthin einen Artikel gelesen, da forderten Amerikanische
Multimillionäre die Erhöhung der Erbschaftssteuer mit der Begründung, wenn
das Erbe zu groß wird könnten ihre Erben zu träge werden in ihrer
unternehmerischen Phantasie. Wer in der alten Welt verharren will, der ist
nicht geschickt für das Reich Gottes. Verharren bringt Erstarrung.
Erstarrung bringt Blockade. Und dann heißt es irgendwann einmal:
„Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe
die Armen und Krüppel und Blinden und Lahmen hier herein!“ Und wenn dann
noch Platz ist „geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige
sie, hereinzukommen, damit mein Haus voll werde!“
6. Gott bekommt sein Haus voll
Beruhigend an der ganzen Erzählung ist eigentlich nur, dass Gott sein Haus
voll bringen wird. Auch ohne die, die zuerst eingeladen wurden. Er bekommt
es auch voll ohne uns. Doch eingeladen sind wir zunächst alle, aus der
engen Welt unseres Glaubens hinauszutreten in die große Welt Gottes, die
viel reicher ist, als wir uns überhaupt vorstellen können. Und scheuen wir
uns nicht, wenn wir dann neben Bettlern und Lahmen sitzen, neben Moslem,
Juden oder Atheisten. Neben Wolff Biermann oder dem
Dalai Lahma. Was fällt uns überhaupt ein, Gott vorzuschreiben, wen er an
seinen Tisch einlädt. Hier steht nur: Selig ist, wer am Mahl im Reiche
Gottes teilnehmen wird. Das müsste uns eigentlich reichen. Amen
Pfarrer Martin Adel
(Dreieinigkeitskirche
Hof)
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Text:
(15)Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch
saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!
(16)Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes
Abendmahl und lud viele dazu ein.
(17)Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den
Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!
(18)Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste
sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn
besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
(19)Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft, und ich
gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
(20)Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich
nicht kommen.
(21)Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der
Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die
Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden
und Lahmen herein.
(22)Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast;
es ist aber noch Raum da.
(23)Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und
an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.
(24)Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein
Abendmahl schmecken wird. |