Andacht vor der Marienkirche Hof zum Tag "Hof ist bunt, nicht braun"
Lukas 1/79

"Der Weg des Friedens"
(Von Dekan Günter Saalfrank, St. Michaelis Hof)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Gäste!

„Richte unser Füße auf den Weg des Friedens“. Diese Bitte an Gott ist fast zweitausend Jahre alt, aber höchst aktuell. Zacharias, der Vater Johannes des Täufers, hat sich mit diesen Worten zu Gott gewandt. Zacharias wusste darum, dass es andere Wege gibt: Wege der Gewalt, der Intoleranz und der Ausgrenzung. Und gerade deshalb bittet er Gott um Schritte zum Frieden hin.

Diese anderen Wege werden uns immer wieder vor Augen geführt. Beispiel der Weg der Gewalt. Wenn in Berlin oder anderswo gewaltsam Wahlveranstaltungen gestört werden: Nicht mit Worten und in Diskussionen wird die Auseinandersetzung gesucht, sondern auf undemokratische Weise. Auf eine Art, die an dunkle Kapitel der deutschen Geschichte erinnert. Beispiel Weg der Intoleranz: Da werden Menschen verächtlich gemacht oder gering geschätzt, weil sie eine andere Hauptfarbe haben, aus einem anderen Land kommen oder einer anderen Religion angehören. Beispiel Weg der Ausgrenzung: Wenn Menschen behandelt als werden als wären sie Luft, als seien sie Bürger zweiter oder dritter Klasse.

„Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Die biblische Bitte richtet sich als Mahnung nur nicht an diejenigen, die mit Springerstiefel auftreten und die körperliche oder andere Gewalt einsetzen. Sondern sie ist ein Hinweis an uns alle, auf faire und demokratische Weise mit denen umzugehen, die rechtsradikale Positionen und Parolen vertreten. Das heißt, sich mit deren Meinungen und Überzeugungen kritisch auseinanderzusetzen, ohne die Menschen dabei fertig zu machen. Selbst wenn sie die Menschenwürde Anderer mit Füßen treten, haben sie noch eine eigene. Und die ist zu respektieren.

„Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Ich verstehe diese Bitte aus dem Neuen Testament so, sich tolerant zu verhalten. Toleranz ist zwar kein biblischer Begriff. Aber er fusst auf der biblischen Überzeugung, dass der Mensch als Gottes Geschöpf einen unendlichen Wert hat. Er ist Gottes Gegenüber. Rassismus in jeder Form ist intolerant, weil er im Gegenüber etwas Minderwertiges sieht. Wer Toleranz will, muss intolerant sein gegenüber Rassismus. Gewalt, die aus Rassismus kommt, ist gegen Gottes Willen. Sie muss geächtet werden.

Noch ein Wort zur Toleranz. Es gibt auch eine falsche Form von Toleranz, wenn Toleranz mit zwei „l“ geschrieben und alles für toll geheißen wird. Toleranz meint nicht, alles und jedes für gut anzusehen und so stehen zu lassen, sondern in der Begegnung auf Augenhöhe auch einmal kritische Fragen zu stellen. Etwa im Gespräch mit ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, wie sie es mit der Integration halten oder im Dialog der Religionen, wie sie jeweils zu Gewalt stehen.

„Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Dort, wo Menschen als Bürger zweiter oder dritter Klasse behandelt werden, braucht es den Widerspruch. Egal ob am Stammtisch, am Arbeitsplatz oder anderswo. Gerade wir Christen sind hier gefragt. Ist doch unsere Überzeugung ist, dass jeder Mensch Gottes Geschöpf und Ebenbild ist. Darin liegt die Würde des Menschen begründet, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, Kultur und Religion. Diese biblische Grundeinsicht verbindet uns Christen auch mit denen, die aufgrund anderer Überzeugungen für den Schutz der Menschenwürde und der Menschenrechte eintreten.

„Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“. Es ist ermutigend und wegweisend zugleich, dass wir – Hofer Bürgerinnen und Bürger und viele Gäste von außerhalb - heute mit diesem Aktionstag ein Zeichen gegen rechts setzen und eintreten für eine Kultur der Menschlichkeit und der Toleranz. Von Hof aus geht so ein Signal für ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Nationalität, Kultur und Religion aus: Dass Christen, Muslime und Juden sowie Menschen, die keiner Religion angehören, gemeinsam die Würde von Kindern und Jugendlichen, Frauen und Männern achten und schützen. Amen.

Dekan Günter Saalfrank      (St. Michaelis Hof)

Text: 

Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

 


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