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Liebe Gemeinde!
Sie ist wirklich ein Kleinod im Dekanat Hof: die Johanneskirche hier
in Rehau. Vor 10 Jahren eingeweiht, stellt sie jüngste unter den
Gotteshäusern in der Region dar. Und sie ist einer der Sakralbauten,
in die besonders viel Licht einfällt: Von oben – von der Kuppel –
her und von der Seite durch die Glasfronten. Kein Wunder, dass sie
auch als Lichtkirche bezeichnet wird.
Johannes der Täufer ist der Namenspatron des Gotteshauses. Von ihm
heißt es im Johannesevangelium: Dies ist das Zeugnis Johannes des
Täufers: Er – Jesus – muss wachsen, ich aber muss abnehmen. (Joh.
3,30).
Drei Gedanken zum Namensgeber der Kirche:
1. Johannes der Täufer – der unbequeme Mahner
2. Johannes der Täufer - sein Zeugnis über Jesus
3. Johannes der Täufer – der Wegweiser auf Jesus
Zum ersten Gedanken: Johannes der Täufer – der unbequeme Mahner. Im
Juni letzten Jahres war ich mit einer Gruppe aus dem Dekanat in
Jordanien. Wir besuchten Bethanien jenseits des Jordans, die Gegend,
wo Johannes der Täufer dem Johannesevangelium nach gewirkt und wo er
Jesus getauft hatte. Eine unwirtliche Gegend – abseits der
Zivilisation, tagsüber sehr heiß, in dieser Jahreszeit zwischen 35
und 40 Grad. Hier lebte Johannes der Täufer. Hier rief er die
Menschen zur Umkehr und zur Besinnung auf Gott auf. Religiöse
Laxheit war ihm ein Dorn im Auge. Er sagte den Menschen, die zu ihm
kamen, klipp und klar: „So wie bisher lebt könnt ihr nicht
weitermachen. Ihr müsst umkehren. Werdet bessere Menschen.“ Als
Zeichen für die Umkehr sollten sich die Menschen taufen lassen. Das
Alte sollte im Jordan ertränkt werden. Um dann als neue Menschen aus
dem Wasser zu steigen.
Johannes der Täufer war ein unbequemer Mahner. Einer, der den
Menschen nicht nach dem Mund redete. Ein kritischer Geist. Eín
Querdenker. Einer, der sich mit der Botschaft, die er weitergab,
nicht nur Freunde schaffte.
Liebe Gemeinde! Die biblische Botschaft wird manchmal mit einem
Wohlfühlevangelium verwechselt. Dabei geht es doch im Alten und
Neuen Testament um viel mehr. Sicher spielen Trost, Orientierung und
Wegweisung eine wichtige Rolle. Aber auch dass andere ist der Fall:
Dass Menschen korrigiert, in Frage gestellt und zur Umkehr
aufgerufen werden. Es ist wichtig, dass die zwei Seiten jeweils
ihren Platz in Gottesdiensten haben – nicht nur hier in der
Johanneskirche: Trost und Ermahnung. Aufbauende Worte und Worte, die
einem einen Spiegel vorhalten.
So groß der Wunsch nach religiöser Wellness auch sein mag,
Gottesdienste dürfen nicht darauf verkürzt werden. Wenn Menschen
hier zusammenkommen, dann braucht es Beides: Worte, die gut tun und
Worte, die in Frage stellen. Johannes der Täufer hat die Dinge genau
beim Namen genannt, die nicht in Ordnung waren. Die Kirche ist hier
der Ort, wo auch unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden müssen.
Beispiel Sonntag: Er ist ein Geschenk Gottes, um im Getriebe des
Alltags nicht zu Getriebenen zu werden. Deshalb ist es nicht
hinzunehmen, wenn der Sonntag immer mehr zur Disposition gestellt
und Firmen verstärkt Ausnahmegenehmigungen für Sonntagsarbeit
erhalten.
Zu unbequemen Wahrheiten gehört auch die Bevölkerungsentwicklung in
der Region. Es leben immer weniger Menschen hier. Das soll nicht
Angst einjagen, sondern helfen, realistisch die Situation
einzuschätzen und sich ihr zu stellen. Beispiel: Rehau. Seit der
Einweihung der Johanneskirche vor 10 Jahren ist die Zahl der
Evangelischen in der Industriestadt im Grünen um fast 12 Prozent auf
nun 4.641 zurückgegangen. Da ist – nicht nur in Rehau zu überlegen -
zu überlegen, ob auf Dauer alle Gebäude gehalten werden können.
Denkverbote darf es dabei nicht geben. Die Devise „Weiter so wie
bisher“ hilft nicht weiter. Sie führt in die Sackgasse.
Zum zweiten Gedanken: Johannes der Täufer - sein Zeugnis über Jesus.
Als Johannes Jesus das erste Mal sieht, ruft er mit großer
Gewissheit aus: Dieser ist es, auf den ich so lange gewartet habe.
Und er legt Zeugnis von ihm ab. Indem er bekennt: Das ist Gottes
Lamm, das der Welt Sünde trägt. Johannes sieht in Jesus denjenigen,
der die Schuld der Welt auf sich nimmt. In Israel wurden einmal im
Jahr einem Tier, einem Sündenbock, symbolisch alle Verfehlungen des
gesamten Volkes auf aufgeladen. Danach wurde es in die Wüste
geschickt, um dort mit allen Sünden stellvertretend für alle
Menschen zu sterben.
Johannes der Täufer beschreibt das Leben Jesu als ein Opfer. So gibt
er Zeugnis über Jesus. Nicht wie ein Lehrer Noten seinen Schülern
geben muss. Oder einer, der einen Unfall beobachtet hat, vor Gericht
dazu Stellung nehmen muss. Sondern es ist eine Art Bekenntnis, das
der Täufer ablegt. Er gibt Auskunft über das, was ihm wichtig ist.
Was ihn im Innersten bewegt. Er gibt Auskunft über den Glauben.
Das Besondere an einem Zeugnis solcher Art ist, dass es hinein in
die Zeit spricht, in der es ausgesprochen wird. Denn zum Zeugnis
geben gehört, dass diejenigen auch verstehen, denen man etwas sagen
will. Sie sollen begreifen, worum es geht. Johannes hat so geredet,
dass es seine Zeitgenossen auch verstanden. Er hat ein vertrautes
Bild genommen - das des Sündenbocks -, um zu verdeutlichen, was
Jesus für ihn und seine Umwelt bedeutet.
Liebe Gemeinde! Auf nachvollziehbare und verständliche Weise Zeugnis
über den christlichen Glauben geben. Das ist die bleibende Aufgabe
aller, die hier in der Johanneskirche Gottes Wort verkündigen. Als
Pfarrerin oder Pfarrer, Lektorin oder Lektor, Prädikantin oder
Prädikant. Mit Bildern und Beispielen, die prägen und sich
einprägen. Und mit Worten, wo auch der persönliche geistliche
Herzschlag zu spüren ist. Wie bei Johannes dem Täufer, der sagte,
was ihm wichtig ist.
Zum dritten und letzten Gedanken: Johannes der Täufer – der
Wegweiser auf Jesus. Johannes stellt sich nicht selbst in den
Mittelpunkt. Er versteht sich nicht als Erlöser. Stattdessen
verweist er auf Jesus als den erwarteten Erlöser. Auf ihn kommt es
an, sagt Johannes, nicht auf mich. Er – Jesus – muss wachsen. Ich
aber muss abnehmen. Ich bin nicht wert, dass ich ihm seine
Schuhriemen löse. Der Künstler Matthias Grünewald hat im so
genannten Isenheimer Altar, der heute im französischen Colmar zu
sehen ist, Johannes mit einem großen, überdimensionalen Zeigefinger
dargestellt. Der Täufer weist in Richtung von Jesus. Die Botschaft
des Bildes: Johannes weist weg von sich – auf Jesus hin. Er versteht
sich als Wegweiser. Er zeigt, wer der Erlöser ist und auf wen wir
als Christen zu blicken haben: auf Jesus Christus.
Die Johanneskirche weist durch ihre besondere Architektur in
mehrfacher Hinsicht auf Jesus Christus. Insbesondere auf ihn als
Licht der Welt. Nicht nur, weil von oben und von der Seite viel
Licht einfällt. Sondern auf eindrückliche Weise durch das Lichtkreuz
in der Altarwand. Die sich kreuzenden zwei Glasbänder haben mich
besonders beeindruckt, als ich kurz nach meinem Dienstantritt vor
sieben Jahren Rehau besuchte und mir die Kirchen und Gemeinderäume
hier anschaute. Beeindruckt, weil sich dadurch Licht durch die
Altarwand bahnt. Und weil wie Licht aus dem Dunkel dieses Kreuz aus
der tiefblau gestalteten Wand hervortritt. Dieses Lichtkreuz
verdeutlicht anschaulich, dass das Sterben Jesu Heil und Leben
bringt. Auf eindrückliche und zugleich einmalige Weise hier in der
Region erzählt so die Johanneskirche in Rehau vom christlichen
Glauben.
Liebe Gemeinde! Was in der Architektur dieses Gotteshauses angelegt
ist, gilt für jeden Christen und jede Christin: Durchlässig zu sein
für das Licht Gottes. So zu leben, dass er durch uns hindurch
scheinen kann. Sich nicht selbst als großes Licht oder als besondere
Leuchte zu verstehen und in den Mittelpunkt zu stellen. Sondern so
zu reden und zu handeln, dass Gottes Licht durch uns scheinen kann.
Um nicht missverstanden zu werden. Es bedeutet nicht, sich von einer
gesunden Ich-Stärke und einem gesunden Selbstbewusstsein abzuwenden,
das um die eigenen Stärken und Schwächen weiß. Vielmehr meint es,
sich nicht immer wieder als großes Licht beweisen zu müssen – als
besonderer Strahlemann oder Strahlefrau. Sondern zu wissen: Gott ist
mein Licht. Er gibt meinem Leben Orientierung und Wegweisung. Sein
Licht strahlt auch in dunkle Bereiche bei mir hinein. Das zu wissen,
ist ungemein entlastend. Und es befreit vom Zwang, immer wieder
selbst Licht sein wollen. Wie es Johannes der Täufer vorgelebt und
ausgedrückt hatte: Er – Jesus - muss wachsen, ich aber muss
abnehmen. Auf ihn kommt es an, nicht auf mich.
Liebe Gemeinde! Mögen von Johannes dem Täufer als Namensgeber der
Kirche auch zukünftig immer wieder Impulse für das Leben und die
Verkündigung hier ausgehen. Insbesondere in dreifacher Hinsicht. Zum
einen, dass hier Platz auch für unbequeme Mahnungen ist. Zum
zweiten, dass auf ansprechende und nachvollziehbare Weise Zeugnis
vom christlichen Glauben gegeben wird. Und zum dritten, sich selbst
zurückzunehmen und durchlässig zu sein für Gott und sein Licht.
Amen.
Dekan Günter Saalfrank |
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