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Predigt Johannes 6/32-35 Erntedankfest 30.09.07 "Brot
des Lebens" |
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Liebe Leser, was Brot ist, das wissen wir alle. Und wie wichtig es ist, das wissen wir auch. Viele von uns kennen auch Zeiten, da war das Brot oft hart und knapp. Da musste man jeden Cent genau ansehen. Und es wird einem bewusst, wie wichtig das „tägliche Brot“ ist. Doch hier geht es noch um ein anderes Brot – ein Brot, das wir gerade auch im Alter immer mehr brauchen. Brot des Lebens – ist Christus, sagt er, aber wer öffnet uns, damit wir solche Worte verstehen können? Begreifen wir, was Gott uns da anbietet? Brot des Lebens. Ja, es ist wirklich mehr als jeder Bissen Brot, den wir vom Frühstück bis zum Abend in unserem Mund durchkauen. Brot des Lebens. Gott gibt uns das Brot, das den tiefen Lebenshunger in uns stillen kann. Und wenn wir von ihm gekostet haben, dann breitet sich in uns das aus, was Christus das Reich Gottes nennt. In allem Kummer und Sorgen kann sich dann Gott in uns einnisten und ausbreiten. Und je mehr er sich ausbreitet, desto weniger Platz bleibt für den Kummer und die Sorgen, bzw. sie bekommen wieder den richtigen Platz in uns und sie dürfen nicht mehr unser ganzes Leben bestimmen, weil Gott mitten in unserem Stürmen aufsteht und dem Wind gebietet: Sei stille. Brot des Lebens! Ja, dafür können wir keinen Werbefilm drehen und Hochglanzbroschüren drucken. Brot des Lebens, dazu müssen wir uns selbst auf den Weg machen und kosten wollen und erste Schritte wagen wie auf dünnem Eis. Sollte es stimmen, was das steht? Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Wer schon weiß, dass er alles hat, der muss nicht kommen. Der macht dieses Brot des Lebens nur kaputt. Der zertritt mit seiner lauten Stimme und seiner harten Sprache das, was uns so kostbar ist. Wir müssen es keinem aufdrängen und Perlen vor die Säue werfen. Doch die anderen, die wieder Hunger haben in unserer Welt der Dinge und der dinglichen Zerstreuungen, die, die noch Hunger haben nach dem Brot des Lebens, die dürfen kommen und kosten und sich gestärkt in den Kampf stürzen gegen all die Ängste und Sorgen, die uns den Magen zuschnüren und die Schultern verhärten und uns Nachts nicht schlafen lassen. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Spüren wir es überhaupt noch, was mit uns geschieht? Die meisten von uns haben Arbeit und sie kommen nicht zur Ruhe vor Sorge, dass sie keine mehr haben könnten. Unsere Kinder können zur Schule gehen und schon vom ersten Tag an bedrängen wir sie vor lauter Sorge, dass sie womöglich nicht den Übertritt aufs Gymnasium schaffen. Meiner damals erst 16jährigen Tochter wollten sie im ersten Lehrjahr den Abschluss einer Zusatzrente schmackhaften machen. Noch bevor sie den ersten selbstverdienten Lohn genießen kann und das Leben schmecken und etwas hat, soll die Angst greifen, dass sie in 60 Jahren womöglich nichts mehr hat. Sie hat dann einen Bausparer abgeschlossen. Wir haben unsere Rente, haben unsere Wohnung, haben ein immer noch sehr gut funktionierendes Gesundheitssystem und sorgen uns dennoch, weil es doch könnte und würde und womöglich ... Was ist das für ein Leben? Wohin soll das gehen? Wer kann da noch helfen? Wo Not ist, da sollen wir sie sehen, sie benennen und helfen. Aber wo keine ist, da müssen wir auch keine herbeireden. Die meisten von uns haben das, was Martin Luther in der Auslegung zum Vaterunser im Kleinen Katechismus schreibt. Täglich Brot ist "alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen." ABER! Noch zuvor fragt er uns trefflich zuerst: Was ist das: Unser täglich Brot gib uns heute? Und er antwortet: "Gott gibt das tägliche Brot auch ohne unsere Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er´s uns erkennen lasse und wir mit Danksagung empfangen unser tägliches Brot." Und so haben wir IHN in den guten Zeiten nicht geachtet und nur vom weltlichen Brot gekostet und wundern uns, wenn es nicht mehr nährt und jede Krankheit, jede Krise, jede Veränderung, jede Einschränkung, jeder Tod zur Katastrophe wird. Und wir wissen nicht, wo wir die geistliche Speise finden sollen, die uns hilft, an der Krankheit nicht zu zerbrechen und an der Veränderung nicht zugrunde zu gehen. Die Welt kann uns hier mit ihren Superlativen nicht helfen: mehr, höher, schöner, jünger, besser, weiter. Sie speit uns aus, wenn wir nicht mehr mithalten können. Wir nehmen sie doch oft schon an uns selbst wahr, die auslaugende Erschöpfung in uns, weil wir unsere Lebenskraft in harte Münze eingetauscht haben und dabei vergessen haben, wo wir neue Kraft zum Leben herbekommen. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Das ist der Grund, warum die Kinder gestern schon am Kinderbibeltag von Gott gehört haben und vom Hunger, den man nicht durch Brot stillen kann, weil es dazu schützende Hände und liebende Herzen braucht und einen, der uns für immer vergewissern kann: Du bist gewollt. Und uns nicht verzweifeln lässt, wenn wir meinen, dass sich die ganze Welt gegen uns verschworen hat. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Ja, Herr. Gib uns allezeit solches Brot und nähre uns. Wann werden wir uns auf den Weg machen und von diesem Brot kosten, dem Gott-sei-Dank-Brot, das er uns so freimütig anbietet. Und Christus stillt den Hunger nach Leben sogar so, dass nun erst recht der Lebensappetit erwacht. |
Text:
32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel
gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. |
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