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Liebe Leser,
Weihnachtspredigten haben es manchmal in sich. Vor allem
bei vollen Kirchen ist die Versuchung groß, zu viel in eine Ansprache
hineinzupacken. Oder auch mit erhobenem Zeigefinger zu predigen, eine
Moralpredigt zu halten – nach dem Motto „Warum lassen Sie sich nicht
öfters sehen?“ Doch ein erhobener Zeigefinger passt nicht zu
Weihnachten. Schon gar nicht zu dem biblischen Wort für den Heiligen
Abend. Denn von dem Abschnitt aus dem 3. Kapitel des Johannesevangeliums
geht eine andere Botschaft aus: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Da geht es nicht um Kritik oder erhobenen Zeigefinger. Sondern da ist
von Liebe die Rede: Gott hat diese Welt lieb – mit all ihren
Schattenseiten. Er lässt diese Welt erst einmal so stehen, wie sie ist.
Er nimmt die Menschen so an, wie sie sind. Er sagt „Ja“ zu ihnen, auch
zu ihren Fehlern und Schwächen. Das hat Auswirkungen bis heute – bis
hinein in diesen Gottesdienst. Weil Gott diese Welt und ihre Menschen so
liebt wie sie sind, hat er damit einen Weg gewiesen. Nämlich alle erst
einmal so anzunehmen wie sie sind. Egal wie fromm sich jemand fühlt, wie
intensiv einer betet oder wie oft er heuer bereits in der Kirche war –
das spielt jetzt keine Rolle. Schön, dass Sie sich aufgemacht haben und
da sind. Und ich hoffe, dass Sie für sich etwas mitnehmen können – von
der Musik, den biblischen Texten, der Predigt, den Gebeten oder von der
Atmosphäre her.
Gott liebt diese Welt. Es blieb nicht bei einer bloßen
Absichtserklärung. Er ließ Worten Taten folgen. Gott gab den größten
Liebesbeweis, den er geben konnte. Er gab sich selbst. Er kam in seinem
Sohn Jesus Christus in diese Welt. Seine Liebe ging in Fleisch und Blut
über. Sie wurde buchstäblich begreifbar. Und diese Liebe war bis zum
Äußersten bereit. Selbst vom Tod ließ sie sich nicht abschrecken.
Weihnachten – das ist die große Liebeserklärung Gottes an die Welt: Die
größte Liebesgeschichte aller Zeiten. In Filmen gibt es zwar zu Herzen
gehende Love-Storys. Die Liebesgeschichte Gottes aber hat noch eine
andere, universale Dimension. Gilt sie doch nicht einer einzelnen
Personen oder einer Gruppe, sondern der ganzen Welt. Ihr wendet sich
Gott zu. Gott bleibt nicht auf Distanz. Er betrachtet diese Welt nicht
aus sicherem Abstand - gleichsam aus der Zuschauerperspektive. Er
belässt es nicht bei klugen Gedanken und dabei, von Ferne die Dinge
anzuschauen. Gott mischt sich vielmehr ein. Er will dem Treiben hier
nicht tatenlos zusehen. Er will Menschen helfen und ihrem Leben wieder
Hoffnung und Perspektive geben. Gott macht sich dabei die Hände
schmutzig. Ja, mehr noch: Er lässt sich die Hände binden und später
sogar ans Kreuz nageln. Soweit geht seine Liebe. Immer wieder stellt er
sie unter Beweis.
Liebe Gemeinde! Gott belässt es nicht bei der Zuschauerrolle. Er macht
mit seiner Liebe, seiner Zuwendung zu der Welt und ihren Menschen ernst.
Er hat damit ein Beispiel gegeben, sich einzumischen und seinen Beitrag
zu leisten, damit sich Situationen zum Bessern wenden können. Aus
sicherer Distanz lassen sich viele schlaue Gedanken machen. Da lässt es
sich leicht reden. Was anderes aber ist es, sich selbst in die Lage zu
begeben und dort zu versuchen, etwas zum Guten zu ändern. Das erfordert
Kraft, Mut und Engagement. Das braucht auch unsere Region, unser Land
und diese Welt. Mit der Zuschauerdemokratie, wo Menschen vom Wohnzimmer
aus Politik machen wollen, ist es nicht getan. Notwendig sind Frauen und
Männer, die sich engagieren in Parteien, Gruppen, Vereinen, in Kirche
und Diakonie. Und die auf diese Weise versuchen, für Andere, für die
Gesellschaft, für diese Welt da zu sein, damit sich da etwas zum Guten
ändern kann. Sicher: Wie sich manche politisch Verantwortliche
verhalten, fördert nicht gerade das Vertrauen in die Demokratie. Aber
solche Negativbeispiele, die es immer wieder gibt, dürfen nicht zum
Maßstab gemacht werden. Denn so würde schnell ein falsches Bild
entstehen – als ginge es meist so zu.
Gott hat diese Welt sich nicht selbst überlassen. Er hat damit ein
Zeichen gesetzt: Sie muss nicht so bleiben, wie sie ist. Er hat diese
Welt nicht schlecht geredet oder schlecht gemacht – trotz der vielen
dunklen Punkte und Schattenseiten. Zu ihnen geht er nicht auf Distanz,
er wird vielmehr offensiv, um etwas zum Guten zu ändern. Damit Licht in
das Dunkel kommt und damit es dort wieder hell wird, wo Finsternis
vorherrscht.
„Wie schlecht die Welt heute ist“ wird manchmal geklagt. Und nicht
selten schwingt dabei die Meinung mit, früher wäre alles doch besser
gewesen. Ganz abgesehen davon, dass Verbrechen und Vergehen so alt sind
wie die Menschheit selbst, bringt es nichts, nur zu klagen. So ändert
sich kaum etwas. Nur dort, wo jemand bereit ist, sich einzumischen,
seinen Beitrag zu leisten und selbst Hand anzulegen, kann etwas voran
gehen. Das gilt für kleine, überschaubare Bereiche wie für die große
Politik. Die Klage allein bewegt nichts. Wo Worten aber Taten folgen,
kann etwas in Gang kommen und sich etwas an einer Situation ändern.
Liebe Gemeinde! Weihnachten – das ist die große Liebeserklärung Gottes
an diese Welt. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen
eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren
werden, sondern das ewige Leben haben,“ so das Johannesevangelium.
Gottes Liebe hat ein Ziel: Er will Menschen helfen und ihrem Leben
Zukunft schenken. Voraussetzung allerdings ist, dass sie ihm vertrauen:
„Alle, die an ihn glauben, sollen nicht verloren werden.“. Das heißt,
diese Liebe, die Gott schenkt, will persönlich angenommen werden. Oder
wie Martin Luther es ausdrückte: „Die Geburt Christi ist wohl in
Bethlehem geschehen, doch sie ist mir geschenkt.“
Jede Einzelne und jeder Einzelne steht also vor der Frage: Wie verhalte
mich dazu, dass Gott mich so annimmt wie ich bin, dass er für mich da
sein und mir seine Liebe schenken will. Nehme ich das nur zur Kenntnis –
so als Information -, ist mir das egal oder nehme ich das für mich an?
Es ist wie mit einem Geschenk: Gott macht uns Menschen ein großes
Weihnachtsgeschenk. Und das lautet: „Ich bin für euch da. Ihr braucht
euer Leben nicht allein zu meistern“, sagt er uns zu. Dieses Geschenk
will angenommen werden. Erst wer es für sich akzeptiert und damit lebt,
kann sich so richtig darüber freuen und merkt, wie kostbar es ist. Denn
dieses Geschenk eröffnet eine neue Lebensqualität. Wer weiß, von Gott
geliebt zu sein, kann sich selbst und andere leichter annehmen.
Menschen, die sich angenommen wissen, sind eher in der Lage, mit selbst
und mit Mitmenschen ins Reine zu kommen. Wer darauf vertraut, von Gott
erst einmal so akzeptiert zu sein, wie er ist, muss sich nicht selbst
und anderen immer wieder beweisen, wie toll er ist und was er alles zu
leisten vermag. Das entlastet auch und nimmt den Druck weg, vor sich
selbst und den Mitmenschen brillieren zu müssen.
Wer Gott vertraut, kann auch gelassener mit der Zukunft umgehen. Er
weiß, dass sie nicht von den eigenen Möglichkeiten abhängt. Oder wie es
eine Frau vor kurzem in einem Gespräch auf den Punkt brachte: Meine
Zukunft hängt nicht von irgendwelchen Mächten und kosmischen Energien
ab, sondern von Gott und seinen Möglichkeiten. Menschen, die mit Gott
rechnen, müssen auch nicht den Kopf hängen lassen. Was manchmal zum
Verzweifeln Anlass gibt, kann dann ein Grund sein, noch mehr auf ihn und
seine Liebe zu bauen.
Es gibt Liebesgeschichten, die tragisch enden, wenn die Liebe unerhört
bleibt. Wenn jemand eine Liebeserklärung nicht erwidert. Gott freut sich
über jeden und jede, die seine Liebe und Zuwendung annehmen. Die Bibel
ist voller Geschichten von Menschen, bei denen sich etwas geändert hat,
als Gott in ihr Leben trat und sie ihm vertrauten. Wo seine Liebe nicht
unerhört blieb, sondern angenommen wurde. Die Folge: Um diese Menschen
herum wurde es wieder licht, es zeichneten sich gangbare Wege ab, es
wurde wieder etwas heil oder ihnen wurden die Augen geöffnet. Das alles
sind keine Geschichten von damals. Sondern das kann überall da erfahren
werden, wo jemand Gottes Liebe annimmt. Oder im Bilde gesprochen: Wo
Menschen das Weihnachtsgeschenk Gottes auspacken, es mit in ihren Alltag
nehmen und damit leben.
Liebe Gemeinde! Weihnachtspredigten haben es manchmal in sich, sagte ich
zu Beginn der Predigt. Diese Aussage muss ich nun noch ein wenig
zuspitzen. Genauer gesagt hat es die Weihnachtsbotschaft in sich : „Denn
so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige
Leben haben.“. Denn bei dieser Botschaft geht es zum einen um die größte
Liebesgeschichte aller Zeiten. Zum anderen ist es mehr als eine bloße
Erzählung, die mehr oder weniger interessiert zur Kenntnis genommen
werden will. Sie wartet vielmehr auf eine Antwort - egal wie alt jemand
ist, wie oft er zur Kirche geht oder wie fromm sich jemand fühlt. Wer
Gottes Liebe annimmt und sich ihm anvertraut, dessen Leben hat
Orientierung, Halt und Zukunft. Dann hat auch Gottes Liebesgeschichte
ein ganz persönliches Happy-End.
Dekan Günter Saalfrank
(St.
Michaelis Hof)
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Text:
16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er
seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht
verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt
richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.
18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt,
der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des
eingeborenen Sohnes Gottes.
19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist,
und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre
Werke waren böse.
20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht,
damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.
21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar
wird, dass seine Werke in Gott getan sind.
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