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Liebe Leser,
nützt der Gottesdienst etwas? Nützt das Gebet, die Beichte, das Abendmahl
– nützen die etwas? Helfen sie mir? Helfen sie dem anderen? Und zwar nicht
erst im ewigen Leben, sondern schon hier und jetzt?
Wir kennen ja alle die Vorwürfe, die immer wieder an die Gemeinde erhoben
werden: Da rennen sie am Sonntag in die Kirche und kaum sind sie zu Hause,
wieder der alte Streit, der alte Zank; sie tragen die Leute aus, sind
boshaft, hinterhältig und gemein. Die Christen, die Frommen sind keinen
deut besser als die anderen. Genau genommen sind sie noch schlechter, weil
sie es besser wissen müssten. Die reden von Nächstenliebe und tun nichts.
Einem Amtsbruder von mir ist die Hand ausgerutscht, weil die Provokation
im Raum stand: Als Pfarrer dürfen sie mir gar nichts machen.
Nützt der Gottesdienst etwas? Ist der einzige Maßstab der, ob wir das Gute
tun? Oder umgekehrt: Wird man dadurch, dass man sich zum christlichen
Glauben bekennt ein schlechterer Mensch? Tun wir mehr Böses, weil wir
glauben?
Als christliche Kirche stehen wir für eine ideale Gesellschaft, für Normen
und Werte, die wir fordern, die wir aber nie selbst erfüllen werden. Wir
wissen, dass wir das Ideal eines christlichen Lebens nie erreichen werden
und machen hoffentlich nie den Fehler zu behaupten oder innerlich zu
meinen, dass wir es hier und dort schon erreicht hätten. Wenn etwas
gelingt, dürfen wir uns freuen, wenn etwas misslingt, sollen wir bereuen –
und darin Gott die Ehre geben.
Unser heutiger Predigttext schüttelt uns wieder einmal richtig durch,
damit wir uns besinnen, warum der Gottesdienst, das Gebet, das Abendmahl
etwas nützt und wann und in welcher Weise. Ich lese aus dem Propheten
Jesaja im 1 Kapitel:
Text
Man kann es richtig vor sich sehen, wie sich Gott ekelt vor den
Gottesdiensten. Es widert ihn an, wie sie den Vorhof des Tempels zertreten
– könnten doch sonst zumindest die Blumen und das Gras ungehindert
wachsen; etwas Schönes an diesem arg missbrauchten Ort. Aber warum mag
Gott das nicht mehr? Was will Gott denn? Will er, dass wir am besten
überhaupt keine Gottesdienste mehr feiern. So wie es uns unsere Kritiker
und Spötter immer vorhalten: Wenn ihr die Zeit, die ihr für die Kirche und
für euer Beten verbraucht gleich für gute Taten verwenden würdet, dann
hätte sie zumindest einen Sinn.
Will das Gott? Oder sollen wir erst einmal aufhören mit unseren
Gottesdiensten, uns waschen und reinigen von unseren bösen Taten und
Ablassen vom Bösen. Wir lernen Gutes tun, trachten nach Recht, helfen den
Unterdrückten, schaffen den Hilflosen Recht und helfen den Armen. Und
dann, wenn wir das alles fertig haben – wann wird das sein? - dann kehren
wir zu Gott zurück und sagen: Sieh her, Herr, das habe ich alles gemacht.
Ich habe alles erfüllt, was du von mir forderst. Jetzt fehlt mir nichts
mehr? Jetzt nimmst du mich in Gnaden an.
Warum ist Gott denn so wütend auf seine Gemeinde? Warum findet er so harte
Worte, wie: „Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie
sind mir eine Last, ich bin's müde, sie zu tragen. Und wenn ihr auch eure
Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr
auch viel betet, höre ich euch doch nicht“
Ich glaube, Gott ist wütend, weil nichts passiert. Nichts verändert sich.
Und wenn der Gottesdienst mich nicht verändert, dann brauchen wir ihn auch
gar nicht zu halten. Gott braucht von uns keine Gottesdienste. Wir
brauchen sie von ihm. Das ist wichtig.
Ein Gottesdienst ist keine Veranstaltung, aus der ich heimgehe: Ach, war
heute wieder ganz schön. Dann kann ich auch Fernsehen und etwas über
Blumen und Tiere ansehen. Das beruhigt zumindest oder macht das Herz froh.
Ein Gottesdienst, bei dem ich mich nicht Gott ausliefere: Herr, hier bin
ich. Sieh mich an. Nimm das, was ich geschafft habe und gib mir neue Kraft
– ein Gottesdienst, ein Gebet, dass das nicht leistet, hat keinen Sinn.
Wenn ich mich nicht ansprechen, mich betören, mich durcheinander bringen
lasse – wenn ich nur Zuschauer bleiben will, bestätigt in dem, was ich eh
schon immer wusste und weiß, dann ist all mein Hier sein umsonst. Hier ist
kein Kultbetrieb – einmal fünf Euro in die Kollekte, vier Lieder gesungen,
ein Vaterunser, ein Glaubensbekenntnis und dann ist alles gut. Nichts ist
gut.
Herr, ich bin hier. Mit meiner Geschichte und manchmal ist sie so
verkorkst. Wo ist denn der Ort, wo ich beten kann: Gott, ich habe mein
Kind geschlagen und es war falsch – und aus der Vergebung Gottes kann ich
hingehen und um Verzeihung bitten. Im Gebet kann ich bekennen, dass ich
aus der Arbeit völlig geladen heimgekommen bin und wie ein Wahnsinniger
herumgebrüllt habe. Und es wächst in mir, bis ich es aussprechen kann; vor
den anderen, ein: Entschuldigung.
Wo kann ich denn, wo darf ich denn bekennen, dass ich falsch gehandelt,
Böses getan und Gutes unterlassen habe; nicht, weil dann alles vergessen
ist, sondern um daraus zu lernen „Gutes zu tun.“ Vergeuden wir nicht
Gottes Angebot. Lassen wir es in uns wachsen, seine Vergebung, die uns zum
Vergeben befähigt, bis es zart und ehrlich aus uns heraus sprechen kann.
„Vergib mir. Ich habe falsch gehandelt.“ Und ich halte es sogar aus, wenn
der andere mir nicht vergeben kann.
Was tun wir uns oft weh, gerade weil wir meinen, fromm zu sein und damit
falsch handeln. Das Problem ist doch meistens nicht, dass wir nicht
wüsten, was gut und richtig ist. Sondern wir schaffen es nicht, das Wollen
in die Tat umzusetzen – zu träge, zu ängstlich, zu bequem, zu seicht. Und
wenn ich dann noch den Gottesdienst zum billigen Seelentröster verwandle:
So, jetzt war ich in der Kirche, habe fromm gebetet. Das reicht. Ich habe
Gott genüge getan – das reicht wieder für ne Woche oder so. Dann hat Gott
Recht: " Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk
ist mir ein Greuel! Neumonde und Sabbate, wenn ihr zusammenkommt, Frevel
und Festversammlung mag ich nicht! Meine Seele ist feind euren Neumonden
und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin's müde, sie zu tragen.
Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor
euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure
Hände sind voll Blut.Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus
meinen Augen, lasst ab vom Bösen! Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht,
helft den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht, führet der Witwen
Sache!"
Nützt der Gottesdienst etwas? Ja, er nützt etwas. Er bringt mich wieder in
Kontakt mit meinem Gott. Er befriedet meine Seele und hebt mich über mich
selbst hinaus, damit ich weiter lerne, Gutes zu tun.Gerade aus dem Wissen
heraus, dass ich falsch gehandelt habe.
Pfarrer
Martin Adel
(Dreieinigkeitskirche
Hof)
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Text:
Paulus schreibt:
(10)Höret des HERRN Wort, ihr Herren von Sodom!
Nimm zu Ohren die Weisung unsres Gottes, du Volk von Gomorra!
(11)Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der HERR. Ich bin satt der
Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein
Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke.
(12)Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor mir - wer fordert denn von euch,
dass ihr meinen Vorhof zertretet?
(13)Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist
mir ein Gräuel! Neumonde und Sabbate, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und
Festversammlung mag ich nicht!
(14)Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir
eine Last, ich bin's müde, sie zu tragen.
(15)Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen
vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn
eure Hände sind voll Blut.
(16)Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen,
lasst ab vom Bösen!
(17)Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten,
schaffet den Waisen Recht, führet der Witwen Sache! |