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Predigt Hebräer 13,8-9b Altjahresabend 31.12.2007 "Rückblicke
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Liebe Leser, Rückblicke (gestern) Johannes B. Kerner war am 2. Dezember der Erste im ZDF mit „Menschen 2007". Eine Woche später folgte Günther Jauch bei RTL mit „Menschen-Bilder-Emotionen". Der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, der Focus und alle namhaften Tages- und Wochenzeitungen bringen sie seit Wochen schon heraus: die Rückblicke auf das Jahr 2007. Ereignisse. Menschen. Schlagzeilen. Skandale. Jahresrückblicke brauchen wir offenbar, um die Flut an Nachrichten zu ordnen und das besonders Wichtige und Eindrückliche festzuhalten. Voll war das Jahr. Wenn wir zurückschauen, dann war es wieder prallvoll, das Jahr 2007, voller großer und kleiner Ereignisse in der Nähe und in der Ferne. Bilder und Nachrichten aus der ganzen Welt haben uns erreicht und bewegt. Schlimme Bilder, verheerende Waldbrände in Griechenland, fast täglich Terror im Irak und Afghanistan. Aber schlimme Bilder kamen auch ganz aus der Nähe. Von Kyrill, der im Januar wütete, von Kindesmisshandlungen, von Gewalt unter Jugendlichen an den Schulen. Schöne Nachrichten waren auch dabei, an die wir uns gern erinnern: die Fußballerinnen und die Handballer wurden Weltmeister, der wirtschaftliche Aufschwung ist zu spüren, der Klimawandel wurde endlich als ernsthaftes Thema von den Mächtigen dieser Welt entdeckt. Silvester, der letzte Abend des alten Jahres, verleitet immer dazu, Bilanz zu ziehen und Rechenschaft abzulegen. Dabei kennt der persönliche Rückblick sicher ganz andere Schlagzeilen als die Zeitungen, ganz andere Höhepunkte als die, die im Fernsehen noch einmal auftauchen. In vielen Familien in unserer Kirchengemeinde lagen in diesem Jahr Freude und Leid ganz nah beieinander: Menschen sind gestorben, alte, kranke Menschen, auch junge. Der Abschied tat weh. Und andere haben sich getraut und ihr Glück unter Gottes Segen gestellt. Kinder sind geboren. Familiengeschichte geht weiter. Können wir das Gute auch noch sehen? Wir sind oft zu pessimistisch! Skeptisch sehen wir zurück. Misstrauisch nach vorne. Warum nur? Sammeln wir die falschen Bilder? Wer hat uns da im Griff? Wem lassen wir da zu, dass er unseren Blick so einseitig in den Bann zieht. Sie haben vielleicht auch den Artikel am Freitag im Hofer Anzeiger über das Thema Depression gelesen. Da heißt es u.a.: „Der Weltgesundheitsreport hat im Jahr 2001 die Krankheit Depression als die weltweit führende Ursache für menschliche Beeinträchtigungen erklärt“ und das gilt nicht nur für uns Deutsche, die wir eh gerne jammern. Rückblick Worauf blicken wir zurück? Was ist da in unserer Erinnerung? Das im Vordergrund und das da im Hintergrund, das oft erst beim zweiten Mal überdenken wieder in der Erinnerung erscheint? Und schauen wir ruhig alles an. Das Gelungene und das Zerbrochene. Die Freude über einen spannenden Urlaub, eine Beförderung, eine neue Aufgabe, ein erfolgreiches Jahr. Und die Trauer über Beeinträchtigungen, die Lasten mit dem Alter, das mühsame Einstimmen in ein Leben mit Krankheit. Das rechte Wort zur rechten Zeit und ein Leben kommt wieder auf die rechte Bahn. Das falsche Wort, ungehalten und unbeherrscht zur falschen Zeit, man könnte sich die Zunge abschneiden, aber es ist raus und man kann nur noch die Scherben zusammen kehren. Das Gelungene – wir vergessen es zu schnell. Das Misslungene – wir halten es oft zu lange fest und wissen nicht mehr, wie es heilen kann. Zumindest in uns. Ablegen (heute) Und deshalb heißt unser Predigttext: 8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 9 Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. Sie sind verwundert? Das könnte die Grundlage sein, um wahrhaftig Rückblick zu halten. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Und da spannt ER plötzlich den großen Bogen über mein Leben und über unser aller Leben. Nicht ich bin es mehr, dessen Bauchnabel der Mittelpunkt der Welt ist, sondern Christus. Und weil ich weiß, welche Liebe Gott zu mir empfindet, deshalb kann ich mein Leben in sein Licht stellen und mein Jahr 2007 ihm zu Füßen legen. Das Gelungene und das Misslungene. Das, was mich freut und das, was mich reut – und hoffentlich fallen mir zu beiden genügend Beispiele ein. Und ich kann mein Jahr abschließen und es da bei ihm lassen. Manchmal muss man wirklich ein Jahr ganz bei ihm lassen, weil es so ein schweres und verkorkstes Jahr war, dass man sich eigentlich nur noch auf ein neues Jahr freuen kann, eine neue Chance, eine neue Perspektive. Keine Sorge. Nichts ändert sich über Nacht und das Wenigste fällt vom Himmel. Aber wenn die ganze Welt einem auf den Schultern liegt, dann brauchen wir jemand Größeren, der dagegen hält und uns die Luft zum Atmen verschafft, damit wir wieder handeln und unser Leben in die Hand nehmen können. Ja, wir brauchen so einen Ort, an dem wir verlässlich unsere Jahre ablegen dürfen – nicht der Willkür der Trends und der Mode unterworfen, sondern so verlässlich wie dieses Wort: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Und dann können wir ihm eben auch das hinhalten, was uns belastet und das, was uns reut, dass es so gekommen ist. Und Gott legt uns dafür nicht auf unser Gestern fest – so wie wir es gerne unter uns Menschen pflegen. Sondern gerade weil er auch unser Gestern kennt, eröffnet er uns den Blick nach Vorne und lädt uns ein: „Legt ab. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ Denn damit eröffnet sich auch eine neue Chance für mein Leben. „Tut Buße. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Das ist immer wieder neu unser Heute und die Chance, nicht im Gestern zu ertrinken oder zu ersticken. Leg ab bei mir und ich lege dir dein Leben wieder neu in die Hand – was für ein großes Geschenk Gottes an uns. Und dabei geht es nicht gleich um die guten Vorsatz für das ganze nächste Jahr – so gut und wichtig die auch sind. Sondern erst einmal nur für den heutigen Tag. Und dann für den nächsten und den übernächsten. Wie sagte mir letzthin jemand bei einem Besuch: „Jetzt muss ich wieder weinen, aber das Sorgen nur für den heutigen Tag ist für mich eine große Entlastung, weil dadurch das Problem kleiner wird, portioniert, sozusagen.“ Und wenn wir so leben, haben wir auch die Chance, das Heute zu achten und nicht nur dem Gestern nachzutrauern und dadurch das Morgen zu verpassen. Den großen Rahmen in meinem Leben spannt damit Gott und ich bewege mich in ihm. Und manchmal bin ich der verlorenen Sohn und manchmal der Zöllner Zachäus und ein anderes Mal der kluge Haushalter. Und fangen wir nicht gleich wieder an, wenn es uns nicht gelingt, zu lügen oder zu vertuschen oder zu beschwichtigen, anstatt klar zu sagen: Da habe ich versagt. Doch heute habe ich wieder die Chance, umzukehren und neu anzufangen. So lernen wir die Schritte auf dem Weg der Versöhnung zu gehen, der Versöhnung mit mir selbst, der Versöhnung mit meinem Nächsten und der Versöhnung mit der Natur. Und wir haben es immer wieder auch geschafft. Nur zwei Beispiele: Kein Mensch hätte 1945 gedacht, dass wir einmal so ein vereintes Europa haben werden. Dazu braucht es Visionen und die Bereitschaft, das Alte abzulegen, Buße zu tun und umzukehren und sich versöhnen zu lassen mit seiner Geschichte und mit der Geschichte des anderen und dann neu zu beginnen. Mit der Wende 1989 war es nichts anderes. Die Kraft zu diesen Schritten will uns Gott geben, damit Leben möglich wird. Natürlich geht vieles nicht mehr weg. Und Ungeschehen kann man etliches auch nicht mehr machen. Aber entlastet neu beginnen, das ist die Chance. Das ist wie bei einer Kur. Nur in unserem Fall betrifft es die Seele, unser Gemüt, unser seelisches Gleichgewicht, unser Leben. Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Wie heißt es weiter: Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. Ausblicke (auch in Ewigkeit) Das ist das Evangelium, das uns Gott mit in das neue Jahr geben will. Dass wir ihm das alte Jahr zurückgeben, mit den Höhen und Tiefen, mit dem Gelungenen und dem Misslungen, mit den Blicken für den Nächsten und den eigensüchtigen Verirrungen, mit dem Dank und mit der Reue, mit den Fragen und den Verletzungen, mit den erhobenen Fäusten und den wund gescheuerten Knien. Und diese Übung ist „ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde“ – fest im Glauben und fest in der Liebe. Und es geschieht durch Gnade, wenn wir es aussprechen können: Nimm hin, Vater und wandle mich. Und lege mich nicht fest auf mein Gestern, sondern eröffne mir heute die Chance für mein Morgen. Und er tut es. Und er tut es, weil es uns zum Leben dient, so wie es die Jahreslosung meint, die über dem Jahr 2008 ausgerufen ist, wenn es heißt: Christus spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ (Joh 14,19) Und wir merken bereits jetzt, dass das nicht immer nur ein Geschenk ist, sondern auch der deutlich Auftrag für unser Handeln, damit die Menschen um uns herum auch leben können. Aber das ist ja gerade das Aufregende. Was für eine spannende Aufgabe. Was für ein köstlich Ding. Was für eine Gnade, das Jahr neu beginnen zu dürfen. Gehen wir es mutig an, voller Freude auf das Morgen Gottes mit uns. |
Text:
8 Jesus Christus gestern und heute und
derselbe auch in Ewigkeit. |
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