Predigt     Hebräer 11/8-16    Sonntag Reminszere (Gedenke Herr)    24.02.02

"Aus Glauben"
(von Pfr. Martin Adel, Dreieinigkeit)

Liebe Leser,

Ein Glaube, der nicht trägt

Über den Glauben haben wir heute nachzudenken. Glaube der trägt und hält. Glaube, der einen unumstößlichen Grund hat. Was ist denn der Glaube? Einige Zeilen vor unserem Predigttext bekommen wir eine Definition: "Es ist aber der Glaube eine Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht." (Hebr. 11,1) Diese Worte bleiben sehr allgemein, denn in dieser Form gilt das für jeglichen Glauben: Eine Zuversicht auf das, was man hofft .... - das galt auch für unsere Großväter und Großmütter, die dem Führer folgten und an ihn glaubten. Das gilt auch für die Anhänger der diversen Sekten in unserer Stadt.

Paulus hat auch geglaubt, damals, als Saulus, und er war stolz auf seine Beschneidung am achten Tag, auf sein Hebräersein und ein Pharisäer nach dem Gesetz, untadelig im Wandel und voller Eifer in der Verfolgung der christlichen Gemeinde. Kleine, gesetzliche Welt - die weiß, was richtig und falsch ist und danach urteilt mit der Schärfe des Schwertes und sich selbst damit richtet. Welch eine Befreiung erlebt er, als Gott ihn übermannt und ihn verwandelt vom Saulus zum Paulus. Und er geht hinaus, in die Welt lässt sich von nichts und niemandem den Mund verbieten und verkündet die Liebe Gottes und die Freiheit und ein Leben ohne Angst, bis er selbst hingerichtet wird.

Luther erlebt das gleiche. Was ist er für ein fleißiger Mönch. Wie sagt er: "Wenn je ein Mönch durch Möncherei in den Himmel gekommen ist, so wäre ich es. ... Ich mache täglich meine Gebetsübungen, ich faste, lese in der Heiligen Schrift, plage mich, bis ich nicht mehr kann ... Und doch komme ich nicht zur Ruhe. Immer wieder habe ich Angst, durch ein Versehen neue Sünden auf mich zu laden."
Eine Glaube, der nicht trägt! Und dann steht er 12 Jahre später vor Kaiser Karl und allen Fürsten zu Worms und spricht: "Wenn ich nicht durch das Zeugnis der Heiligen Schrift oder vernünftige Gründe überwunden werde ... so halte ich mich überwunden durch die Schrift, auf die ich mich gestützt habe, so ist mein Gewissen im Gotteswort gefangen, und darum kann und will ich nichts widerrufen, weil gegen das Gewissen zu handeln weder sicher noch lauter ist. Ich kann nicht anders, hier stehe ich, Gott helfe mir. Amen." (Worms 1521)

Was glauben wir denn?

Und die meisten von uns ahnen es schon. Das ist nicht unser Glaube. Bei uns plätschert das eher so dahin. Ein bischen Glaube, ein bischen Leben. Irgendwie. Im Konfiunterricht haben wir gesprochen, vom "Irgendwie-Glauben" (vorlesen; Kursbuch S. 117). "Irgendein höheres Wesen wird es schon geben. So antworten viele, wenn man sie fragt, ob sie an Gott glauben. Irgendwie, irgendein. Der Irgendwieglaube an irgendeinen Gott: Irgendwie wird es schon gut gehen. Irgendwie wird Gott mich schon nicht im Stich lassen. Irgendwie werden wir später alle einmal in den Himmel kommen. Denn irgendeiner muss doch letztlich für alles zuständig sein."

Doch das trägt nicht. Wenn´s drauf an kommt, trägt da gar nichts.
Was glauben wir denn? An Gott jedenfalls nicht. Schon eher, dass wir uns unser Glück erkaufen können, durch möglichst viel Haben und Besitzen. Und man kann nur sagen: Werdet glücklich damit. Auch glauben wir, dass wir ewig leben und sind erschreckt und erschüttert, wenn uns die Krankheiten ereilen und der Tod winkt. Außerdem glauben wir an das jung sein und jung und dynamisch bleiben und fit und fröhlich. Und wenn es nicht mehr geht, helfen wir nach - chirurgisch und dann: hier ein Pillchen, dort ein Schnäpschen. Wohl dem, der damit selig wird. Wir glauben an ein Leben ohne Beschwernis. Eine Ehe ohne Streit. An Kinder, die keine Schwierigkeiten machen. Doch wehe dem, es kommt anders. Dann schmeißen wir alles hin und Leben wird zur Qual. Der Blick verengt sich, die Miene verfinstert sich. Verbitterung stellt sich ein. Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Dir geschehe, wie du geglaubt hast?

Versuchungen

Wie bereitwillig wir doch immer wieder der Schlange folgen, die so wunderschön singt im Dschungelbuch: "Augen zu, vertraue mir. Hör auf mich und glaube mir." (oder so ähnlich) Aber das ist nicht der Glaube, von dem wir gelernt haben im Katechismus - lest doch wieder einmal nach in der Bibel oder im Kleinen Katechismus, wie er im Gesangbuch unter der Nummer 905 steht. Wie hieß es weiter in dem Konfirmandentext: "Die Bibel weiß nichts von irgendwie und irgendein. Nicht irgendein höheres Wesen, sondern Jesus von Nazareth wird in einem Stall geboren. Er geht nicht irgendwohin, sondern zu den Armen und Kranken und Sündern; er redet nicht irgendwas, sondern er spricht von Nächstenliebe; er endet nicht irgendwo, sondern für uns als Unruhestifter am Kreuz. Und dann ist nicht irgendwie Schluss, sondern er lebt und wirkt weiter. Nicht irgendwie, sondern so handelt Gott."

Auf wen habe ich gebaut?  Auf Gott oder auf mich und meine Welt. Was geben wir da unseren Kindern an die Hand. Voller Selbstbewusstsein machen sie sich auf ins Leben und haben nicht die Kraft und das Handwerkszeug, in schwierigen Situationen sich zu bewähren. "Dann geb ich auf. Dann schmeiß ich alles hin. Dann bring ich mich um." So kurzatmig haben wir sie erzogen.

Aus Glauben vertrauen

Unser Predigttext stellt uns in einen ganz anderen Raum. Im Kapitel 11 des Hebräerbriefes wird eine ganze Reihe an Glaubenszeugen aufgezählt, wie sie im Vertrauen auf Gott leben und handeln. Und etliche starben noch, bevor sich die Verheißung erfüllt hat. Mose sieht nicht das gelobte Land und Abraham wird nicht erleben, wie er ein großes Volk wird. Unser Glaube reicht meistens nur bis zum nächsten Magendrücken - Abraham vertraut dem Wort Gottes und ist gehorsam. Und er verlässt sein Vaterland und seine Verwandtschaft und sein Vaterhaus und bricht auf in eine Zukunft, die er nicht kennt.  "Aus Glauben erwies sich Abraham, als er berufen wurde, gehorsam, an einen Ort auszuziehen, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme." Und wir kämpfen uns mit dem Formular zur dritten Lebensversicherung herum.

Sollten wir nicht das unseren Kinder vorleben und mitgeben - einen Glauben, der stärker ist als alle Widerfahrnisse des Lebens. Keine Traumtänzereien, sondern selbst getragen vom Vertrauen, dass Gott einen Weg für mich bereithält. Ein Glaube, der es aufnehmen kann mit Krankheit, Tod und Teufel.  Ich denke dabei auch ganz real an unsere Zeit. Das kann doch nicht die Antwort sein, wenn wieder eine große Hofer Firma ins Insolvenzverfahren gehen muss, wenn da steht: "Dann brennt die Stadt." Da brennt gar nichts. Dann müssen wir uns vielleicht endlich auf den Weg machen, auf einen gemeinsamen und vor den Pharao ziehen und die Befreiung einfordern. Und fallen wir nicht dem Mose in den Rücken, wenn zunächst der Druck von außen erhöht wird. Erst am Schluss steht die Freiheit; dazwischen ist der Weg hart und entbehrungsreich; für alle.

Doch der Glaube macht dazu frei und je länger, je mehr. Der Glaube entängstigt mich und meine Bürokratenseele. Und wenn ich jeden Morgen mir aufs neue vorsagen muss - weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl. Und er heißt nicht Alkohol oder Missmutigkeit oder Resignation oder immer das alte Lied. Sondern er heißt: Ich bin getauft. Du hast einen Weg für mich und für meinen Nächsten. Lass mich aufbrechen. Immer wieder neu. Voll Vertrauen auf dein Wort.

Und so schließe ich mit einigen Worten Martin Luthers aus seiner Vorlesung zum Hebräerbrief: "Und das ist der Ruhm des Glaubens, nämlich nicht zu wissen, wohin du gehen sollst, was du tun sollst, was du leiden sollst, und, - wenn du alles gefangen genommen hast: die Erfahrung und das Einsehvermögen, die Tüchtigkeit und den eigenen Willen, - allein dem bloßen Wort Gottes zu folgen und sich mehr führen zu lassen und geführt zu werden als selbst etwas zu tun. Und so wird es ganz hell, dass Abraham mit diesem seinem Gehorsam aus Glauben das höchste Beispiel eines wahrhaft evangelischen Lebens zeigte. Er hat alles hinter sich gelassen und ist dem Herrn allein gefolgt, hat das Wort Gottes allem anderen vorgezogen, Gott über alles geliebt, ist aus freiem Antrieb ein Fremdling geworden und war zu jeder Stunde den Gefahren des Lebens und des Todes unterworfen."
 

Pfarrer Martin Adel   (Dreieinigkeitskirche Hof)

Text: 

(8)Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.
(9)Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.
(10)Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.


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