Predigt    Galater 5/1,6    Reformationstag    31.10.2006

"Protestant für den Geist Jesu Christi"
(
Von Oberkirchenrat i.R. Gotthart Preiser
)

Liebe Gemeinde, verehrte liebe ökumenische Gäste,

ob die Evangelischen jetzt neidisch seien, wurde in den letzten Monaten öfter gefragt. Der Weltjugendtag in Köln mit hunderttausenden Jugendlichen. Die Papstbegeisterung in Bayern, die durchaus mit der von der Fußball-Weltmeisterschaft konkurrieren konnte. Ein Fernsehprogramm, das in vier Tagen mehr vom Papst brachte als von den Evangelischen in vier Jahren. Aber statt neidisch zu sein, will ich mich da lieber mitfreuen, nicht nur, dass die meisten Lieder, die beim Papstbesuch gesungen wurden, in unserem Gesangbuch stehen und etliche Festmusik von Heinrich Schütz und Joh. Seb. Bach war, sondern mehr noch, wenn Menschen in unserem Land sich wieder einmal für den Glauben begeistern, auch wenn das – für uns etwas fremd - sehr an eine Person angehängt ist.

Und so wollen wir uns auch mitfreuen, wenn das 1000-jährige Jubiläum des Bistums Bamberg festlich begangen wird. Ist es doch auch unsere eigene Geschichte, die da gefeiert wird, eine Segensgeschichte, in deren Mitte Jesus Christus stand – trotz aller beklagenswerten Fehlentwicklungen. Unzählige Menschen haben ihm durch die Jahrhunderte die Ehre gegeben in Domen und kleinen Dorfkirchen, am Kinderbett und auf der Intensivstation, in Kriegs- und Friedenszeiten, in Dankbarkeit für wunderbares Glück und mit bangendem Herzen in großer Not, auch in dieser Kirche. Und Ungezählte sind im Vertrauen auf ihn in ihre letzte Stunde gegangen. In dieser Segensgeschichte ist der Glaube auch zu uns gekommen und dafür wollen wir Gott danken.

Und so feiern wir unser Reformationsfest nicht als trotzigen Protestantentag, sondern in Demut vor dem heiligen Gott in Dankbarkeit für das von Luther Zurechtgerückte und Dazugewonnene: an theologischer Erkenntnis, aber auch an Liedern und Kirchenmusik und deutscher Sprache und Bildung und vielem mehr - und zugleich in Betrübnis, dass die in Konfessionen aufgespaltene Christenheit nicht so einig ist, dass sie ihren Auftrag, den Geist dieser Welt zu prägen, überzeugend genug erfüllen könnte. Wir feiern Reformationsfest aber auch in Verantwortung dafür, dass wichtige Erkenntnisse der Reformation nicht verloren gehen dürfen.

Darum ging es Martin Luther, dass die Kirche Jesu Christi nicht ihre Bestimmung verfehlt, nicht eines Tages gar nicht mehr tut, wozu sie da ist, sondern sich in anderen selbstgewählten Gefilden tummelt. Damals verbrauchte sie ihre Kraft beim Einmischen in Königskrönungen und politische Streitigkeiten und für die Beschaffung von Geld für den Petersdom in Rom, was zu dem Irrweg des Ablasshandels geführt hatte. Ach Gott, das darf doch nicht sein, war Luthers Sorge, dass sich die Geldsorgen in der Kirche an die erste Stelle schieben, vor das Ringen um den Glauben der Menschen. Und die politische Einflussnahme der Kirche darf doch nicht wichtiger werden als die Seelsorge an den einzelnen Christen. Und das Funktionieren ihrer Organisationsstrukturen darf doch nicht wichtiger sein als das ganz persönliche Glaubensverhältnis jedes Christen zu seinem Herrn.

Es ist allezeit die Versuchung und Gefahr der Kirche, dass sie, vielleicht ohne es zu merken, zulässt, dass aktuelle Probleme das Evangelium aus der Mitte drängen. Und es ist allezeit die Versuchung jedes Einzelnen, dass man sich beruhigt, weil man ja irgendwie im christlichen Milieu lebt und manches Christliche praktiziert, aber im Übrigen soviel Anderes, scheinbar Wichtigeres zu tun hat. Da müssen wir uns an einem Tag wie heute wieder an die entscheidende biblische Wahrheit erinnern lassen. Um diese Wahrheit ging es Martin Luther, als er heute vor 489 Jahren, am 31. Oktober 1517, in Wittenberg seine 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche heftete. Da schreibt er im Vorwort zu diesen Thesen: „Aus Liebe zur Wahrheit, um sie ans Licht zu bringen, soll in Wittenberg unter Vorsitz Martin Luthers, Doktor der Theologie und Magister der freien Künste disputiert werden im Namen Jesu Christi, Amen.“

„Um die Wahrheit ans Licht zu bringen,“ da meint Luther nicht allgemeine Richtigkeiten, sondern zuallererst die Christuswahrheit. Dass Jesus Christus in der Mitte unseres Glaubens, und unseres Denkens und Handelns auf dieser Erde stehen soll. Jesus Christus allein. Er der Weg, die Wahrheit und das Leben. An dieser Stelle wird die Trennungslinie zu anderen Religionen bestehen bleiben. Toleranz im Zusammenleben mit allen friedliebenden Menschen auf dieser Erde wird eine der ganz wichtigen Aufgaben sein, die die Menschheit lernen muss, wenn sie sich nicht selbst zerfleischen will. Aber Toleranz wird desto besser gelingen, je eindeutiger wir uns zu Jesus Christus bekennen, der Liebe und Achtung zu allen Menschen geboten hat. Und wir sollten es den friedliebenden Muslimen nicht allzu schwer machen, ihrerseits tolerant zu sein, und nicht ihren Eindruck verstärken, dass wir in der westlichen Welt alle Scham und Zucht und den Respekt vor dem, was anderen heilig ist, über Bord geworfen haben.

„Aus Liebe zur Wahrheit, um sie ans Licht zu bringen.“ Das schließt ja ein, dass man gegenüber der Wahrheit blind sein kann oder sie einfach nicht zu fassen bekommt. Unsere Redensart „Wenn ich mal ehrlich bin“, erklärt die Wahrheit ja fast zur Ausnahme. So viel Verdrossenheit in unseren Tagen kommt ja daher, dass man nicht weiß, welchen Aussagen man glauben kann oder was vielleicht nächste Woche oder nach der nächsten Kabinettssitzung nicht mehr gilt. Wir sind ja längst misstrauisch gegen die Worte der immer aufdringlicheren Werbung, oder wenn irgendwo versprochen wird, dass es keine Entlassungen geben werde. Oder wenn behauptet wurde, dass die Langzeitarbeitslosen alle wieder in Arbeit und Brot kommen könnten, wenn sie nur wollten. Was ist denn noch wirklich verlässlich? Und dabei geht es ja nicht nur um Worte, sondern um die Gestaltung der Zukunft von uns und der Welt. Werden wir und unsere Kinder und Enkel voll Vertrauen leben können oder schaut uns die Zukunft an wie in diesen Tagen wieder die heidnischen Halloween-Kürbisse: wie eine grinsende Fratze, gespenstisch, hohl? Leben muss doch verlässlich sein. Leben ist verlässlich, wenn wir uns auf Jesus Christus verlassen, der sagen durfte, dass ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist. Und dazu muss die Christuswahrheit ans Licht und ernstgenommen werden: Jesus Christus, Herr der Welt und Mitte unseres Lebens. Unsere Zukunft soll bei ihm und in Verantwortung vor ihm geborgen sein.

Nun ist das Bemerkenswerte, dass Martin Luther seine Thesen zum Hervorholen der Wahrheit nicht mit Vorwürfen und nicht mit einem moralischen Appell zu mehr christlichem Handeln beginnt, sondern mit einem dringenden Ruf zur Buße. Das ganze Leben soll eine ständige Reue und Buße sein. Es ist seine Überzeugung, dass neues Leben erst aus der Buße kommt, oder wie Carl Friedrich von Weizsäcker es einmal ausgedrückt hat, aus der Verzweiflung. Aus der Verzweiflung darüber, dass das menschliche Handeln so oft in die Irre und zum Bösen in die Sünde führt. Die selbstzufriedene Selbstgerechtigkeit, wo man sich gar nicht ändern will, ist die Sünde, sagt von Weizsäcker. Der Friede zum Beispiel kommt wohl tatsächlich erst nach dem Erschrecken über den Wahnsinn von Krieg und Terror und die Sinnlosigkeit von Vergeltungsschlägen, die doch nur den Hass ins Uferlose vermehren. Mehr Gerechtigkeit kommt wohl erst nach der Verzweiflung darüber, dass die einen im Überfluss immer mehr Übergewicht ansetzen und gleichzeitig Millionen an Hunger und vermeidbaren Krankheiten sterben. Und das Kyoto-Protokoll wird vielleicht erst nach der Verzweiflung darüber umgesetzt, dass noch mehr Wirbelstürme auch amerikanische Landstriche verwüsten.

So muss unsere Suche nach verlässlichen Gestaltungsformen einer guten Zukunft wohl auch erst durch das Erschrecken hindurch, dass so vieles falsch läuft, z.B. wenn ein Fußballstar in einem Jahr mehr verdient als eine Krankenschwester in 20. Oder wenn die Aktienkurse immer dann steigen, wenn Tausende ihren Arbeitsplatz verlieren. Oder dass es in München viermal soviel zugelassene Autos gibt wie Kinder. Wird der grenzenlose Egoismus einer unersättlichen Konsumgesellschaft siegen, in der Aktienkurse mehr zählen als Menschen, oder wird ein aus der Christuswahrheit kommender Geist diese Welt auch für kommende Generationen lebenswert und bewohnbar erhalten?

In einem alten Gebet heißt es: Herr, erneuere deine Kirche und fange bei mir an. Es war Luthers Überzeugung, dass die Buße, das Erschrecken, die Verzweiflung über Fehlentwicklungen bei einem selbst anfangen muss. Bei Martin Luther war dieser Gedanke mit einer großen Gewissensnot verbunden. Was wird aus dir, wenn dein Leben einmal zu Ende geht? Was war‘s denn, wenn es einmal heißt: Das war’s!?  Eine wichtige Frage auch für uns. Wie hättest du denn gelebt haben wollen, wenn du noch einmal von vorn anfangen könntest? Was wäre dir dann wichtig gewesen? Und wie hat wohl Gott sich dein Leben gedacht? Tatsächlich eine bedenkenswerte Frage.

Die meisten Menschen möchten guten Gewissens in den Spiegel schauen können. „Man muss doch vor sich selbst bestehen können.“ Manchmal kann man das auch. Irgendwo sind wir doch alle ganz gut: bei der Arbeit oder beim Sport oder der Musik, in der Versorgung der Familie oder im ehrenamtlichen Einsatz für andere. Aber wenn daheim manche Frage vorwurfsvoll mit „Warum hast du wieder...?“ beginnt, dann weiß man schon, dass wieder etwas nicht gut genug war. Wenn die herangewachsenen Kinder aus dem Haus ziehen, oder wenn man an das Grab eines geliebten Menschen treten muss, kommt die Frage: Hast du genug geliebt, genug Zeit gehabt? Bei uns Männern reicht da manchmal schon das Datum des Hochzeitstages, um im Selbstbewusstsein, ein guter Ehemann zu sein, etwas bescheiden zu werden. Auf dem Grabstein von Willy Brandt ist sein Lebenswerk zurückhaltend in die Worte gefasst: „Man hat sich bemüht.“

Martin Luther, wollte nicht nur vor sich und anderen bestehen, sondern hat sich der Frage gestellt: Was sagt Gott zu deinem Leben? Und was wird sein Urteil sein, wenn du einmal vor ihm stehst? Und da ahnte er, dass es dann vor Gott nicht reichen werde zu sagen: „Man hat sich bemüht“. Der Ehrliche weiß, dass man oft genug nicht einmal den eigenen Maßstäben und Vorsätzen entsprochen hat. Und unsere Generation könnte wissen, dass sie kaum vor den armen Völkern der Welt und erst recht nicht vor künftigen Generationen wird bestehen können.

Luther war ehrlich zu sich selbst, hat diese Wahrheit zugelassen: Ja, so ist es, du bist nicht gut genug, erst recht nicht vor Gott. Und da befreit dich auch nicht deine Ausrede „ich bin nun mal so“. Aber etwas anderes befreit ihn. Was ich nicht schaffe, schafft ein anderer. Das schafft Jesus Christus für mich. Er hat alles Unzulängliche und alle Schuld auf sich genommen. Gott lässt es gut sein, was nicht gut war. Weil einer gut war und gut zu dir ist: Jesus Christus. Du brauchst dich nur an ihn zu hängen. Dann lässt er dich nicht mehr los. So wird alles gut. Darüber fing sein Herz an, vor Freude zu jubeln. Nichts kann mich scheiden von der Liebe Gottes, wie sie in Christus Jesus offenbar geworden ist. Dem kann und dem muss ich mich immer wieder zuwenden, wenn ich über mich selber unglücklich bin, er ist doch ein gnädiger Gott, der mich lieb hat und es gut mit mir meint. Da hat Luther zu einer wunderbaren Freiheit gefunden.

Es ist die großartige Erkenntnis der Reformation, dass Gott seine unvollkommene, schuldbeladene Gemeinde immer wieder in eine wunderbare Freiheit der begnadigten Sünder führt. Aber diese Freiheit ist zerbrechlich wie ein zartes Kristallglas. Paulus sagt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest in dieser Freiheit und lasst euch nicht wieder in das Joch der Knechtschaft fangen.

Die Gemeinde Gottes ist immer wieder in der Gefahr, sich einfangen zu lassen, die gewonnene Freiheit wieder zu verraten. Kaum war das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei heraus in die Freiheit gelangt, tanzte es um das goldene Stierkalb der Macht und des Wohlstandes und der sexuellen Lust. Kaum hatten die Christen der ersten Jahrhunderte im Jahr 313 die Freiheit von den tödlichen Verfolgungen gewonnen, setzten sie selber auf Macht und herrschaftliche Gewalt. Und als Europa durch Gottes Gnade aus all den heidnischen Zaubereien herausgefunden hatte und christlich geworden war, verstrickte es sich in die Machtkämpfe zwischen weltlicher und kirchlicher Gewalt. Und so war und ist Kirche immer in Gefahr, sich einem neuen Zeitgeist anzupassen und sich verblendeten Ideologien zu unterwerfen, wo dann selbst ein Landesbischof nicht dagegen gefeit ist, wie das übrige Volk in einen schlimmen Sog zu geraten, was man dann Jahrzehnte später deutlicher sieht. So muss man in jedem Jahrzehnt neu aufpassen, wo man seine Freiheit verlieren könnte. Und natürlich muss jeder Christ ebenso darauf schauen, dass er seine Freiheit nicht verliert oder missbraucht. Wir müssen z. B. acht geben, dass wir unseren Sonntag nicht verlieren. Und nicht die Freiheit, in eigener verantwortlicher Gestaltung Beruf und Familie zusammenzubringen.

Martin Luthers Erkenntnis war ja, dass wir als von Gott geliebte und von seiner Gnade getragene Menschen in einer großen Unabhängigkeit leben können. Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge, durch den Glauben. So meint es schon Paulus in seinem Brief an die Galater. Ihr braucht euch nicht der Vorschrift der Beschneidung zu unterwerfen. Das ist ein Ritus, der für euer Verhältnis zu Christus und für das ewige Leben nichts bringt. Bei Luther ging es um die Freiheit vom kirchlichen Ballast seiner Zeit, der den Glauben nicht förderte, sondern nur die Angst verstärkte.

Aber nicht jede Freiheit bekommt einem, nicht alles tut einem gut, was man sich an Genuss und Geschwindigkeit und abendlichem Fernsehen und Zeit im Internet leistet. Und auch der amerikanische Präsident muss lernen, dass nicht jede selbst genehmigte Freiheit im Umgang mit der Macht einem auf Dauer gut bekommt. Man muss schauen, wohin das Leben als Ganzes läuft, ob es die Spur ist, in die Gott uns gesetzt hat, damit wir einmal bei ihm ankommen. Luther begriff die von Gott geschenkte Freiheit, als er die Freiheit von sich selbst begriff. Er begriff die Gnade, dass Gott mit ihm zurecht kam, obwohl er selber so schlecht mit sich zurecht kam, weil er empfand, dass er fremden und eigenen Ansprüchen nicht genügte. Ihm ging auf, man braucht sich nicht ständig vor sich und anderen rechtfertigen. Muss sich nicht dauernd um sich selber drehen, nicht immer auf andere schielen. Evangelische Freiheit ist unmittelbar zu Gott hin und nur an sein Wort gebunden.

Es ist die Freiheit, in all den Dingen, die unser Leben beherrschen wollen, danach zu fragen, was Gott gefällt. Zum Beispiel die Freiheit, inmitten von so viel Lüge und Täuschung aufrichtig zu sein. Die Freiheit, zwischen so viel Rücksichtslosigkeit Liebe zu streuen. Zwischen so verbissen Streitende die Frage zu werfen, ob sich das ganze Theater wirklich lohne, und Versöhnung zu versuchen. Die Freiheit, gesunden Menschenverstand einmal über bürokratische Vorschriften zu setzen. Die Freiheit, gegen den Strom der allgemeinen Konsumanbetung zu schwimmen, also der Steigerungsfalle zu entkommen, als müsse alles immer noch neuer, noch besser, noch moderner sein. Die Freiheit, den Kindern das zu geben, was sie wirklich brauchen an Zeit und Liebe, nicht was der Druck der anderen als cool bezeichnet, wobei ein Musikinstrument mehr wert wäre als teure modische Klamotten. Die Freiheit im allgemeinen Klagen und Schimpfen einmal zu sagen, mir gefällt es, ich finde vieles gut. Die Freiheit, auf die Angst zu verzichten, man könnte irgendwo zu kurz kommen, und stattdessen zu schauen, wo man einem Menschen etwas Gutes tun kann. Besonders einem, der nun wirklich dauernd zu kurz kommt, weil es ihn oft ohne eigene Schuld aus unserer Wohlstandsgesellschaft geworfen hat. Einem Menschen ein gutes Wort der Wertschätzung sagen, der zum eigenen Elend auch noch ertragen muss, dass das Wort von der Unterschicht gefallen ist. Durch die Liebe diene einer dem andern, schreibt Paulus. Oder nach der Regel Martin Luthers, der seine These, ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan durch den Glauben, mit der wichtigen Ergänzung versehen hat: Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan durch die Liebe. Anders ausgedrückt durch die Verantwortung, die wir alle haben, dass menschliches Leben im Geist Gottes gelingt. So wird es eine große Aufgabe für jeden Einzelnen, aber auch für unser Volk als Ganzes sein, das Maß der Freiheit zu finden, das dem Leben dient.

Die Politik trichtert uns ein, dass jeder für seine Zukunft selbst Verantwortung übernehmen muss, weil sie allein nicht mehr aller Probleme Herr wird. Das gilt auch für den geistlichen Bereich. Man muss selber dafür eintreten, dass unser Glaube in unserer Welt noch eine Rolle spielt. Man muss nicht unbedingt ein Protestant sein, um an der Freiheit der Kinder Gottes teilzuhaben. Aber man muss am Protest gegen die Gottvergessenheit beteiligt sein, Protestant für den Geist Jesu Christi.

Christlicher Glaube, Gottvertrauen, Wahrheitsliebe, Freiheit und Verantwortungsbewusstsein, das ist heute alles mehr in die Hände des Einzelnen gelegt als in die Institution Kirche. Das hat ja schon Martin Luther geahnt, als er Kirche nach unten, an die Basis verlagern wollte, dorthin, wo Menschen glauben und vertrauen und Christus nachfolgen wollen und bereit sind zu zeigen, dass dieser Glaube das Leben prägt. Und die das kommende Reich Gottes nicht aus den Augen verlieren, wo wir einmal die ganze Wahrheit schauen, und in ganzer Freiheit leben werden. Jahrhunderte lang haben in Hof Menschen so geglaubt. Das muss doch so bleiben.
Text: 

Paulus schreibt:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft einfangen.
In Christus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.


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