Predigt     Epheser 4/1-6     17. Sonntag nach Trinitatis     14.09.08

"Einheit durch Frieden bewahren"
(Von Pfarrer Martin Adel, Dreieinigkeit Hof)

Liebe Leser,

warum schreibt Paulus solche Sätze? Der ganze Epheserbrief ist eine einzige Ermahnung und Erinnerung, wie wir Christen leben sollten und worin wir uns unterscheiden sollten von den anderen, den Heiden. Doch wir tun es oft nicht.
Warum schreibt Paulus solche Sätze und warum hören wir solche Sätze bis heute in unseren Gottesdiensten und Predigten?

Weil es eben nicht so zugeht unter uns Menschen. Und was eben sehr bedauerlich ist, auch nicht unter uns Christen. Es ist eben Realität, Hochmut anstatt Demut, Gewalt anstatt Sanftmut, Hetze und Antreiben und Aufbrausen, anstatt Geduld. Aber mit dieser Erkenntnis, dass es halt nun mal Realität ist, können wir uns als Christen nicht zufrieden geben. Denn durch unseren Glauben haben wir einen anderen Auftrag – auch wenn die Welt uns etwas anderes Lehren möchte.

Als ich letzthin ein Interview zum Thema Steuern und den illegalen Geldtransaktionen nach Lichtenstein gehört habe, meinte doch einer, der unerkannt bleiben wollte: Die Steuern sind doch dazu da, dass man sie steuern kann. Und ein Professor für Betriebswirtschaftslehre meinte dazu sinngemäß: „Das ist das Produkt einer Haltung und Ausbildung der Betriebswirte, die die meisten Semester damit verbringen, wie man den Staat und sein Steuerrecht im Sinne der Ökonomie am besten umgeht und dabei dessen Vorteile maximal nutzt.“

Das kann und darf doch nicht die Maxime und die Grundausrichtung unseres Lebens und unser Gesellschaft sein. Ich nehm mir, was mir zusteht – und wenn der andere einen Fehler macht, dann ist das sein Problem. Homo homini lupus – der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Das mag so stimmen, aber das ist nicht unser Auftrag. Die Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche und die Ausbeutung der ganzen Welt – das ist nicht unsere Berufung als Christen. Billige Pflastersteine aus indischen Steinbrüchen, in denen ganze Wanderarbeiterfamilien mit samt ihren Kindern versklavt sind und trotz 12 Stunden arbeit und mehr sich täglich noch mehr verschulden. Und durch die vielen Zwischenhändler kann man nur noch schwer nach verfolgen, woher sie kommen. Das können wir nicht einfach so hinnehmen. Wir dürfen es nicht, weil wir eine andere Verantwortung haben, so wie Paulus schreibt: So ermahne ich euch nun, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid.

Paulus hatte damals sicherlich nicht die Globalisierung im Blick, doch die Maßgaben, woran wir uns halten sollten und woran wir uns ausrichten sollen, die galten schon damals weltweit, denn unser Glaube beschränkt sich nicht auf unsere Gemeinde hier, sondern er ist weltumspannend, so wie es hier heißt: ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Ja, Gott führt uns mit dem Glauben an ihn in eine weltweite Gemeinschaft, die eben gerade nicht bei der eigenen Nase, der eigenen Sprache und Kultur, der eigenen Hautfarbe aufhört. Unser Blick muss viel größer und weiter werden, weil Gott viel größer und weiter ist und wir werden dadurch in unserem Leben viel reicher werden, weil uns dabei der andere zu Bruder und Schwester wird, und wir uns gegenseitig mit Achtung und Respekt begegnen. Und das gilt im Sinne des Paulus zunächst einmal für uns Christen untereinander. Schöne wäre es ja, wenn wir es da schon einmal geschafft hätten.

Wenn wir uns an die Olympischen Spiele in China erinnern, auch an die Paralympics, die momentan noch laufen, dann ist das auch so ein Versuch, die Nationen miteinander in Frieden zu vereinen und sie haben vielleicht auch noch die Bilder im Kopf, bei denen sich russische und georgische Sportlicher während der Überreichung der Medaillen demonstrativ umarmen. Das ist unsere Vision vom friedlichen Zusammenleben und das ist unser Auftrag.

Natürlich muss auch daran erinnert werden, dass das Gastgeberland China mit aller Härte tausende von Menschen zwangsumgesiedelt und alle aufkeimenden Proteste bereits im Keim erstickt hat. Und dennoch sollten wir die Idee von Olympia nicht kaputt reden, sondern bestärken, so wie Paulus es auch meint: Und seid darauf bedacht, die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens zu bewahren

Wir müssen immer wieder neu nach diesen Spuren suchen und uns darum mühen und sie entdecken helfen, weil wir durch unseren Glauben parteiisch geworden sind. Und das nicht nur in unseren eigenen Reihen, sondern weit darüber hinaus. Gerade wir Deutschen neigen eher dazu, uns in unserer Kritik zu verheddern und zum Schluss nur noch vor einem frustrierten Scherbenhaufen zu stehen.

Doch wir haben einen anderen Auftrag. Wir können nicht mehr einfach nur nachplappern: Stiehlt ein Tscheche, stehlen alle Tschechen, sprengen einige fanatische Moslems Häuser und Menschen in die Luft, sind alle Araber plötzlich des Terrorismus verdächtig. So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, mit aller Demut und Sanftmut, in Geduld einander in Liebe ertragend.

Und das hat nichts mit Dummheit zu tun oder mit Wegsehen oder die Augen verschließen vor der Welt. Sondern genau umgekehrt: Gehalten im Glauben an Gott, können wir genauer hinsehen und können klarer die Ungerechtigkeiten benennen und differenziert die Welt um uns herum wahrnehmen, weil wir nicht Getriebene sind von Ängsten und Vorurteilen und dem Streben nach dem eigenen Vorteil, sondern gehalten in der Liebe Gottes, darauf bedacht, die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens zu bewahren:

Das ist auch mit der Grund, warum unsere deutschen Soldaten im Ausland ein so hohes Ansehen und so großen Respekt genießen. Weil es ihnen bei aller Bedrohung und aller Gewalt vordringlich um Gerechtigkeit und die Wahrung der Würde des Menschen geht. Aus christlicher Verantwortung. Und darauf sollten wir bei allen Anfragen immer wieder auch stolz sein. Denn das ist ein großer Wert – der in unserem Land nicht immer selbstverständlich war – und wir sollten dieses Gut nicht leichtfertig wieder verspielen. Denn wir haben einen anderen Auftrag für die Welt: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung;
ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Und das ist wichtig, dass wir damit aus der Kraft des Glaubens heraus bereits untereinander beginnen und immer wieder ein Zeichen setzen, bei allem Scheitern, für den Frieden unter uns und weltweit, zur Ehre Gottes. Denn wie heißt es in unserem Wochenspruch: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Pfarrer Martin Adel   (Dreieinigkeitskirche Hof)

Text: 

1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid,
2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe
3 und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens:
4 ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung;
5 ein Herr, ein Glaube, eine Taufe;
6 ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.
 


Archiv
Zurück zur: Homepage Dekanat Hof     Homepage Hospitalkirche