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Predigt anlässlich
des 50jährigen Jubiläums der Dreieinigkeitskirche Hof (Von Dekan Günter Saalfrank) |
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Liebe festliche Gemeinde! Passt denn das zusammen? Theater spielen in der Kirche – dort, wo normalerweise Gottesdienst gefeiert wird? Für den Mann, der so fragte, war klar: Nein, Theater gehört nicht in eine Kirche. Freundlich, aber bestimmt erhielt er als Antwort: Für uns in der Dreieinigkeitskirche passt das zusammen. Gottesdienst feiern und Theater spielen – in ein und demselben Sakralbau. Wir in der Dreieinigkeitskirche können das gut miteinander vereinbaren. Passt denn das zusammen? Beim Bau der Dreieinigkeitskirche wurden Klinkersteine aus Holland verwendet. Die Freude war groß als das Gotteshaus am 5. November 1961 durch Kreisdekan Emil Flurschütz feierlich eingeweiht. Damals als jüngste evangelische Kirche in Hof. Lange Gesichter jedoch gab es zwei Jahrzehnte später als an der Westwand bei starken Regenfällen Wasser eindrang. Ursache waren verwitterte Klinkersteine. Sie blieben im Mauerwerk. Eine Lösung wurde gefunden, dass die Wand nicht mehr durchfeuchtete. Marode Steine sind Teil dieses Gotteshauses. Passt denn das zusammen? Viele einzelne Steine wurden vorhin zusammengetragen – hier im Modell Kirche. Unterschiedliche Pfarrer und Pfarrerinnen waren seit der Einweihung der Dreieinigkeitskirche aktiv: Verschiedener Prägung, verschiedenen Alters und verschiedener Statue. Unterschiedliche Arbeitsfelder machen diese Kirche aus, die hier vorne aus symbolischen Steinen aufgebaut wurde. Kirche hat mit Steinen zu tun. Wortwörtlich und im übertragenen Sinn. Wortwörtlich als Gebäude, dessen Jubiläum heute gefeiert wird. Gut, dass dieser Sakralbau vor einem halben Jahrhundert errichtet wurde: Als Ort der Stille und des Gebetes, als Stätte des Innehaltens und des Auftankens. Auch geographisch ist die Dreieinigkeitskirche der Mittelpunkt der Gemeinde. Sie ist ein wichtiges Wahrzeichen in Krötenbruck und gibt dem Stadtteil ein Gesicht. Zahlreiche Erinnerungen sind seit der Einweihung vor 50 Jahren mit dem Gotteshaus verbunden: Zum Beispiel die eigene Konfirmation, die Trauung, die Taufe der Kinder und vieles mehr. Passt denn das zusammen? Ich weiß nicht, wie viele Fragen die ungewöhnlich großen Bilder an der Altarrückwand ausgelöst haben und es vielleicht noch tun. Dreieinigkeit Gottes wird hier symbolisch dargestellt. Links das Auge Gottes, in der Mitte der Fisch als Zeichen für Jesus Christus und rechts die Flamme als Symbol für den heiligen Geist. Zeitgenössische Sinnbilder für das Wesen Gottes als Vater, Sohn und heiliger Geist. Die Darstellungen waren und sind stimmig für dieses Gotteshaus. Sie passen hier. Passt denn das zusammen? Kirche ist mehr als der Bau aus Steinen mit darstellender Kunst. Es geht um mehr als nur um das wortwörtliche Verständnis. Das macht auch der Predigttext für heute deutlich, der vorhin bereits gelesen wurde. In dem Abschnitt aus dem 1.Petrusbrief geht es um das Bild vom geistlichen Haus und den lebendigen Steinen. Das Modell der Dreieinigkeitskirche hier vorne greift dieses Bild auf. Dieses Gebilde aus lebendigen Steinen ist bewusst nicht vollendet. Es wird immer weiter daran gebaut: Von Generation zu Generation kommen neue Steine hinzu. Lebendige Steine: Dazu gehören auch die ganz unterschiedlichen Aktivitäten in der Gemeinde: Von A wie Abendandachten bis Z wie Zeit der Stille – der andere Advent. Die Kirche als lebendiges Geschehen. Sie in der Dreieinigkeitskirche sind am Puls der Zeit, aber ohne auf der Welle des Zeitgeistes zu surfen. Wie eine Gemeinde erlebt wird, hängt ganz entscheidend mit den Personen zusammen, die handeln und aktiv sind. Sie geben ihrer Gemeinde jeweils ein Gesicht. Ja noch mehr, sie geben in Wort und Tat Zeugnis vom christlichen Glauben. Manchmal, ohne dass es ihnen selbst bewusst ist. Sie öffnen und erleichtern den Weg zu Gott hin, können ihn mitunter aber auch erschweren. Im Predigtabschnitt aus dem 1.Petrusbrief ist vom geistlichen Haus und vom priesterlichen Geschlecht die Rede. Das meint, Mittler zwischen Gott und Menschen zu sein. Genau diese Aufgabe haben Priester. Und zwar im doppelten Sinn: Menschen zu Gott zu führen und Gott zu den Menschen. Übrigens: Dieser priesterliche Dienst ist nicht allein Aufgabe von Geistlichen, sondern von allen Christinnen und Christen. Ganz bewusst redet Martin Luther deshalb vom Priestertum aller Getauften. Sicher gibt es beim priesterlichen Dienst auch manch Anstößiges. Zum Beispiel bei den Werken der Barmherzigkeit. Etwa dem Werk, Fremde zu beherbergen. Sie haben hier einer Familie, die von Abschiebung bedroht war, Kirchenasyl gewährt. Nach 46 Monaten konnte es erfolgreich beendet werden. Die Familie erhielt Bleiberecht in Deutschland. Einige Menschen haben sich wegen des Kirchenasyls von der Gemeinde abgewendet, andere sind neu hinzugekommen. Diesen „Stein des Anstoßes“ will ich später in das Modell der Kirche einbauen. Als Platzhalter dafür, dass klare Worte und eindeutige Taten auch Widerspruch, Irritationen und Fragen auslösen können. Passt denn das zusammen? Sehr verschiedene Menschen engagierten und engagieren sich hier in der Kirchengemeinde – jeweils an unterschiedlichen Stellen. Das spiegelt sich auch im Modell von der Dreieinigkeitskirche hier vorne wieder. Die einzelnen Holzklötzchen sind verschieden groß und verschieden farbig. Ein Symbol dafür, dass die Mitglieder der Gemeinde unterschiedlich sind. Jeder und jede, hat seine jeweiligen Ecken und Kanten, bringt spezifische Erfahrungen mit, kommt aus unterschiedlichen Lebensbereichen, hat ein verschiedenes Alter. Oder im Bild ausgedrückt: Jeder und jede ist jeweils ein einzigartiger und lebendiger Stein, etwas Besonderes. Es braucht die verschiedenen Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche in einer Gemeinde:
Ein Haus aus lebendigen Steinen. Das ist keine Vision für die Zukunft. Das ist gelebter Alltag hier in der Dreieinigkeitskirche.Wie aber wird dieses Haus zusammengehalten – bei so unterschiedlichen Steinen? Ist es nicht ein mitunter instabiles Gebäude, das droht, in sich zusammen zu fallen? Die Antwort des 1.Petrusbrief: Jesus Christus hält als Eckstein alles zusammen. Ohne diesen entscheidenden Stein, den Eckstein, würde alles wohl zusammen stürzen. Aber mit diesem Eckstein hat es Bestand. Das ist auch im Modell der Kirche hier vorne ausgedrückt: Jesus Christus als Fundament der Dreieinigkeitskirche, dem Bau aus lebendigen Steinen. Die Gemeinde wird bestehen, solange sie sich auf ihn gründet. Solange sie sich immer wieder auf ihn als den Herrn ausrichtet und sich nicht an anderen Herren orientiert. In der gemeinsamen Ausrichtung auf Jesus Christus hin haben die unterschiedlichen Menschen und Arbeitsfelder jeweils ihren Platz:
Passt denn das zusammen? Mit Jesus Christus als Eckstein, der das Ganze zusammenhält, hat alles seinen Platz in der Gemeinde: Sie als einzigartige und lebendige Steine sowie die unterschiedlichen Bereiche und Aktivitäten. Da hat Gottesdienst feiern seinen Platz in der Kirche und Theater spielen. Zumal wenn es ein nachdenkliches Stück ist wie bei den Aufführungen vor kurzem. Wo es in einem Dialog um die Dreieinigkeit Gottes ging. Und jemand sagte, was ihm Schwierigkeiten dabei bereitet: „Mit Gott als Vater und Schöpfer komme ich ganz gut zurecht. Aber nicht mit Jesus Christus und dem heiligen Geist.“
Schade, dass der Mann nicht dabei war, von dem
zu Beginn der Predigt die Rede war und der sich Theater in einer
Kirche nicht vorstellen kann. Vielleicht hätte er seine Meinung
geändert. Denn hier in der Dreieinigkeitskirche passt es gut
zusammen. Hier haben Ermutigung und Anfragen ihren Platz, wie auch
Vergewisserung und Zweifel. Hier in diesem Haus mit lebendigen
Steinen. Oder wie es in einem modernen Lied heißt: Gottes Haus hat
viele Steine. Amen. |
Text:
4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein,
der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und
kostbar. |
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