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Liebe Leser,
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Vertrau
niemanden, bloß dir selbst. Es gibt viele solcher
Sprüche, solcher Aussagen zum Thema Vertrauen. Ein heikles Thema, finde
ich, denn wem kann man heutzutage denn schon noch vertrauen? Dem
Schönheitschirurgen, der einem zu einem Superpreis ein neues Gesicht
verspricht, ganz ohne Komplikationen und Schwierigkeiten? Der eignen
Bank, die einem verspricht ein starker Partner zu sein, um dann, wenn es
drauf ankommt aus Gründen der Gewinnoptimierung, die eigenen Mitarbeiter
zu entlassen? Oder gar dem Schiedsrichter beim Fußball, der verspricht
unparteiisch und unbestechlich zu sein?
Mal ganz ehrlich, würden Sie denen vertrauen ? Am besten ist doch, man
verlässt sich nur noch auf sich selbst. So kommt man am weitesten im
Leben. Wenn man die Dinge selbst in die Hand nimmt, Eigeninitiative
ergreift und selbst entscheidet, was gut und schlecht ist fürs eigene
Leben. Sicher das mag oft ziemlich mühselig und mit viel Aufwand und
Arbeit verknüpft sein, aber das ist es doch wert, sich abzurackern und
zu schuften, auch abends noch nach der Arbeit, wenn dafür nur bei der
Steuererklärung möglichst viel Rückzahlung rausspringt, denn wer weiß
schon, ob der Steuerberater sich genauso für einen ins Zeug legen würde?
Und es ist bestimmt auch all die Mühe und Anstrengung wert, nach einem
langen und anstrengenden Schuljahr in den Ferien Praktika zu machen,
einen Sprachkurs im Ausland zu besuchen denn wer weiß schon, ob man dem
staatlichen Bildungswesen noch vertrauen darf, ob einem da wirklich
alles für einen bestmöglichen Start ins Leben geboten wird.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wer in seinem Leben etwas
werden will, wer nicht im Stillstand verharren will, der muss die Dinge
selbst in die Hand nehmen. Fehlendes Vertrauen,
lässt uns müde und erschöpft durch unser Leben gehen und lässt uns
einsam werden, weil wir den anderen immerzu misstrauisch begegnen.
Fehlendes Vertrauen, der Wunsch die Dinge lieber selbst in die
Hand zu nehmen und die Konsequenz daraus, nämlich Mühe und Anstrengung
ein Leben lang, davon spricht auch unser heutiger Predigttext. Er steht
im ersten Buch Mose im dritten Kapitel. Es ist die uns allen
wohlbekannte Geschichte von Adam und Eva.
Adam und Eva, die beiden ersten Menschen, die in einem wunderschönen
Garten leben, die dort im Paradies alles haben, was sie brauchen, die
von allen Bäumen dieses Gartens essen dürfen, nur von einem nicht. Und
Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen
Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen
sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du von ihm issest musst du
des Todes sterben. Eine Zeit lang geht alles gut. Bis eines Tages die
Verführerin auf den Plan tritt. Aber die Schlange war listiger als alle
Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem
Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen
Bäumen im Garten? Und Eva antwortet der Schlange, wir dürfen von allen
Bäumen essen, nur von dem einen nicht, da sollen wir die Finger davon
lassen, sonst müssen wir sterben. Doch die Schlange lässt nicht locker,
sie widerspricht Eva: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern
Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset werden eure Augen aufgetan,
und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
Was für eine Verlockung! Zu sein wie Gott, selbst zu wissen und zu
entscheiden, was gut und was schlecht ist, selbst sein Leben
voranzubringen, Neues zu erforschen, alles noch besser, schneller zu
tun, nicht im Stillstand zu verharren. Und der Zweifel, wer weiß schon,
ob Gott es wirklich gut mit uns meint, ob er wirklich gut für uns
entscheidet? Vielleicht will er uns ja auch einfach nur klein
halten, uns einschränken, damit wir nicht weiterkommen im Leben.
Gott zu vertrauen ist ja gut, aber zu kontrollieren, ob er es wirklich
gut gemacht hat, ist mit Sicherheit besser. Vielleicht mag Eva damals so
gedacht haben, bevor sie den verhängnisvollen Schritt tut und vom Baum
der Erkenntnis ist, bevor auch Adam mitmacht bei der ganzen Sache, die
den beiden letztlich nur Kummer und Schmerz einbringt.
Evas Gedanken sind uns nicht fremd. Diese Angst zu kurz zu kommen im
Leben, wenn man sich nicht um alles selbst kümmert, wenn man zu sehr auf
die anderen vertraut. Ganz ohne Schlange, die von außen an uns
herantritt, kennen wir all diese Gefühle, sind wir selbst oft Adams und
Evas. Wie die Geschichte weitergeht, das wissen wir alle. Adam und Eva
erkennen ihre Nacktheit, fühlen sich auf einmal ausgeliefert und
schutzlos , sie verstecken sich vor Gott. Und werden schließlich aus dem
Garten vertrieben. Ab jetzt ist es an ihnen, zu entscheiden, was gut und
was schlecht für sie ist. Jetzt sind sie frei, das beste aus ihrem Leben
zu machen. Die Konsequenz daraus. Dieses neu
erworbene Wissen, zieht nun die Mühe und Anstrengung nach sich, sich
immer wieder auseinandersetzen zu müssen was gut und was schlecht ist,
für einen selbst, für die Mitmenschen und die Welt , immer wieder aufs
Neue misstrauisch vor jeder Entscheidung zu stehen, die andere für einen
getroffen haben. Kein Zuckerschlecken!
Adams und Evas Vertrauen auf Gott, darauf, dass seine Entscheidung für
uns gut sind, war nicht groß genug. Die Versuchung durch die Schlange,
die Verlockung , selbst Herr zu sein, das Misstrauen, das sie schürte,
waren größer. Und Gott, Gott reagiert enttäuscht und wütend über den
Vertrauensbruch strafend, schickt die beiden fort, kann sie nicht mehr
um sich haben, halst ihnen Mühsal, Schmerz und Anstrengung auf und
verweigert ihnen letztlich sogar noch das ewige Leben, indem er den
zweiten wichtigen Baum in seinem Garten, den Baum des Lebens, besonders
streng von seinen bewaffneten Engeln bewachen lässt.
So könnte man die Geschichte weiter lesen,
so könnte man Gottes Verhalten deuten, aber ich glaube, dass diese
Deutung falsch ist. Die ganze Geschichte um Adam und Eva, wäre dann
nichts weiter als eine pädagogisch fragwürdige Struwwelpetergeschichte,
die uns vermitteln will, wer sich nicht an Vorschriften hält, der
bekommt seine gerechte Strafe und das nicht zu knapp.
So möchte ich die Geschichten der Bibel aber nicht lesen. Wir würden
Gott und sein Verhalten, würden diese Geschichte auch völlig falsch
verstehen, würden wir sie so interpretieren. Lassen Sie mich Ihnen
deswegen eine zweite Deutung der Geschichte anbieten. Gott verbietet
Adam und Eva, vom Baum der Erkenntnis zu essen, zu ihrem eigenen Schutz,
nicht weil er ihnen etwas vorenthalten wollte. Denn Gott kennt das Böse,
das Chaos, das Furchtbare, er hat es bei seiner Schöpfung verworfen, an
den äußersten Rand gedrängt. Er will Adam und Eva davor beschützen, sich
damit auseinandersetzen zu müssen, will ihnen diese Mühsal und Plage
ersparen. Gott kündigt den Tod als Konsequenz für das Essen von diesem
Baum nicht zur Abschreckung, als Strafe an, sondern wiederum nur zum
Schutz der beiden. Denn Gott weiß, wie viel Mühe und Anstrengung es nach
sich zieht, wenn ich immer wieder aufs Neue, den Kampf, die
Auseinandersetzung mit der Frage, was gut und was schlecht ist,
auszustehen habe. Ein solch anstrengendes Leben, soll der Mensch nicht
ewig und auf Dauer führen müssen, diese Mühsal muss begrenzt bleiben.
Nicht zuletzt deswegen auch die Vertreibung aus dem Paradies, weg vom
Baum des Lebens. Denn von diesem Baum zu essen, bedeutet, ewig so zu
leben und das will Gott verhindern. Ein Leben, wie das, das Adam und Eva
nun bevorsteht, soll sich nicht in Ewigkeit fortsetzen.
Gott, der nur das Beste wollte, für sein
Geschöpf, der sein Geschöpf nicht durch einen fehlenden eigenen Willen
begrenzen wollte, war in all seiner Gnade, nicht vertrauenswürdig genug
für Adam und Eva. Doch er bleibt ihnen treu, in all seiner Gnade, in all
seiner Liebe. Davon lässt er sich nicht abhalten, ganz gleich, was auch
passiert sein mag, ganz gleich, wie sich die beiden entschieden haben.
Für mich ist diese Geschichte zu einer Gnadengeschichte geworden, die
mir von einem Gott erzählt, der vertrauenswürdiger nicht sein könnte.
Ein Gott, der selbst dann, wenn ich mich immer wieder falsch entscheide
nicht aufhört, das beste für mein Leben zu wollen.
Adam und Eva hatten damals das Gefühl, ihr Leben selbst in die Hand
nehmen zu müssen, um möglichst weit zu kommen, und haben damit einen
Stein ins Rollen gebracht, der bist heute weiter rollt. Misstrauen,
Skepsis, Egoismus, gehören unweigerlich zu dieser Welt, in der wir leben
mit dazu. Der Drang, immer Neues auszuprobieren, immer noch weiter zu
wollen, steckt in uns, bringt uns nicht immer nur Positives, sondern oft
auch bedenkliche Ergebnisse. Unser Leben ist Mühsal und Plage geworden,
im Vergleich zu den paradiesischen Urzuständen. All das sind
Konsequenzen, die wir alle mit zu
tragen haben, weil sie zu unserer Realität geworden sind. Doch
inmitten all dieses Wirrwarrs, inmitten all dieses Leids und Schmerzes,
hat Gott nie aufgehört, das Beste für seine Schöpfung zu wollen. Damals
nicht, und heute erst recht nicht. Gott bietet sich uns an, als ein
vertrauenswürdiger und solidarischer Partner.
Vielleicht haben wir heutzutage oftmals verlernt, anderen zu vertrauen,
uns auf andere zu verlassen. Vielleicht haben wir manchmal sogar
verlernt, Gott zu vertrauen. Dennoch lädt Gott uns immer wieder dazu
ein. Sicher, solches Vertrauen, bringt uns nicht auf einen Schlag wieder
ins Paradies zurück, hält nicht automatisch Leid und Schmerz aus unserem
Leben fern, aber es entlastet. So sicher es scheinen mag, selbst Herr
seines Lebens zu sein, tut es doch gut, darauf zu vertrauen, dass ein
letztendliches Gelingen meines Lebens nicht allein an mir hängt,
sondern, dass mein Leben durch Gottes Gnade heil werden wird. Vertrauen
auf Gott, wischt nicht einfach die Unvollkommenheit und Brüchigkeit
unserer Welt beiseite, aber es lässt uns leichter in dieser Welt leben,
lässt uns getroster in die Zukunft schauen.
Es ist befreiend, darauf zu vertrauen, dass ich nicht alleine dastehe,
nicht in Zeiten von Kummer und Schmerz, nicht in Zeiten der Angst und
des Zweifels, nicht in Zeiten der Überforderung und erst recht nicht in
Zeiten des Glücks, niemals. Fehlendes Vertrauen auf Gottes Güte, die
Angst nicht weit genug zu kommen, haben uns damals aus dem Paradies
vertrieben, und machen uns bis heute jeden Tag aufs Neue das Leben
schwer und mühselig. Doch durch alle Zeiten
hindurch, hat Gott sich durch unsere Fehler nicht abhalten lassen, für
uns da zu sein, und zur rechten Zeit, einen Neubeginn mit uns zu wagen,
dann wenn er alle Tränen abwischen wird, wenn weder Leid noch Schmerz
noch Geschrei mehr sein werden. Darauf dürfen wir vertrauen und uns
schon heute in aller Mühsal und Plage davon getröstet fühlen.
Vikarin
Judith Krauß
(Dreieinigkeitskirche
Hof)
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Text:
1 Aber die Schlange war
listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte,
und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht
essen von allen Bäumen im Garten?
2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der
Bäume im Garten;
3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt:
Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!
4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes
sterben,
5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen
aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine
Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie
nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch
davon und er aß.
7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass
sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich
Schurze.
8 Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl
geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht
Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten.
9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich
bin nackt, darum versteckte ich mich.
11 Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht
gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon
essen?
12 Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem
Baum und ich aß.
13 Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau
sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.
14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast,
seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem
Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben
lang.
15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und
zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf
zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
16 Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du
schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein
Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.
17 Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau
und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst
nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal
sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang.
18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf
dem Felde essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du
wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und
sollst zu Erde werden.
20 Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die
da leben.
21 Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und
zog sie ihnen an.
22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie
unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht
ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse
und lebe ewiglich!
23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde
bebaute, von der er genommen war.
24 Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden
die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg
zu dem Baum des Lebens. |