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Liebe Leser,
als Student bin ich beim Roten Kreuz im
Rettungsdienst gefahren. Meine Aufgabe war unter anderem, Menschen
wiederzubeleben, deren Herz aufgehört hatte zu schlagen. Also jemanden
wieder ins Leben zurückzuholen. Später einmal habe ich gelesen, was
diese Menschen erleben und sehen, während Sanitäter und Ärzte
Notfallmaßnahmen an ihnen durchführen. Andere erzählen, sie würden
unglaublich viele Farben sehen, kaum beschreibbar und von überirdischer
Schönheit. Wieder andere sagen, sie sehen ein strahlendes Licht, auf das
sie zugehen - so als würden sie heimgehen. Für manchen, der das hört,
sind das schon Beweise, dass es ein Leben nach dem Tod geben muss.
Vorsicht, sagen die Hirnforscher, das können genauso gut noch letzte
Signale unseres Gehirns vor dem Tod sein, ein letztes, wunderschönes
Aufbäumen sozusagen. Ein Leben danach ist damit noch lange nicht
bewiesen. Aber auch nicht das Gegenteil. Die Forschungsergebnisse können
ein Leben nach dem Tod nicht ausschließen.
Wovon wir an Ostern reden, die Auferstehung, das ist noch einmal etwas
ganz anderes. Auferstehung, das ist nicht einfach eine Wiederbelebung
und sozusagen die Rückkehr von den Toten ins Leben. Auferstehung - das
ist eine tief greifende und grundlegende Verwandlung. Unser irdischer
Körper zerfällt mit dem Tod und verwest. Die Person, der Wesenskern von
uns Menschen, wird zu neuem Leben erweckt. Deshalb schreibt der Apostel
Paulus einmal den Christen im griechischen Korinth: Ihr werdet eines
Tages grundlegend verwandelt werden.
Was am Ostermorgen geschah – damals als Jesus auferstand -, ist laut
Paulus nicht irgendein Ereignis, sondern der Dreh- und Angelpunkt des
christlichen Glaubens. Hören Sie dazu den Apostel Paulus aus dem 15.
Kapitel seines 1. Korintherbriefs:
Das sage ich aber, liebe Geschwister, dass Fleisch und Blut nicht können
das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht ererben die
Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht
alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe
plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es
wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen, und wir
werden verwandelt werden. Denn das Verwesliche muss anziehen die
Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit
(1.Kor.15,50-53).
Der Apostel Paulus redet von einem Geheimnis: Alle, die an Jesus
Christus glauben, werden eines Tages verwandelt. In einem Augenblick
wird es geschehen, schreibt er, doch wie genau das vor sich geht, lässt
er offen. Soviel sagt er: Es wird alles anders sein als vorher. Vor
allem wird es keinen Tod mehr geben. Und damit nichts mehr, was einem
Angst macht. Paulus beschreibt dieses verwandelt werden so: Es ist, als
ob wir Christen eine andere Kleidung anziehen - raus aus den alten
Gewändern als Sterbliche, hinein in die neuen Kleider der
Unsterblichkeit. Es steckt sozusagen der alte Kern von uns noch drin und
doch sehen wir ganz anders aus, sind ganz andere. Auferstehung ist nicht
einfach die Fortsetzung des bisherigen Lebens, sondern die Verwandlung
in ein neues.
Das schönste Beispiel für eine Verwandlung finde ich in der Natur, wenn
sich die Raupe in einen Schmetterling verwandelt. Raupe und
Schmetterling haben zwar eine gemeinsame Lebensgeschichte, sind aber
total verschieden. Während sich die Raupe auf der Erde bewegt, erhebt
sich der Schmetterling vom Boden, fliegt in die Höhe und entfaltet sein
Leben. Eine ähnliche Verwandlung geschieht, wenn wir sterben und wieder
auferweckt werden. Im Tod verlassen wir den dreidimensionalen Raum, in
dem sich unser Leben abspielt, und gehen in den mehrdimensionalen Raum
über, in dem das neue Leben ist.
Wenn der Apostel Paulus die Auferstehung beschreibt, dann mit diesem
Bild: Christen ziehen neue Kleidung an, wenn sie verwandelt werden. Was
es mit dieser Kleidung auf sich hat, sagt er im Brief an die Korinther
folgendermaßen: Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen die
Unverweslichkeit und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit,
dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: Der Tod ist
verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle wo ist dein
Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde
ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren
Herrn Jesus Christus! (1.Kor.15,54-57)
Es ist die Kleidung des Siegers, um die es dem Apostel Paulus geht.
Genauer gesagt geht es um das Siegertrikot von Jesus Christus. Sehr
vollmundig und überzeugt spricht der Apostel davon. So, als gäbe es
überhaupt keinen Zweifel daran, dass dem Tod und allen Angst
einflößenden Mächten und Gewalten ein für allemal ein Ende bereitet
wurde. Doch so schnell kommt da nicht jeder mit. Die Jünger - und wohl
nicht nur sie - brauchen Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass
der Stachel des Todes nun abgebrochen ist.
Auch wenn es bei Paulus so vollmundig und überzeugt klingt und auch wenn
wir es uns manchmal wohl wünschen: Nach Ostern sind die traurigen,
nachdenklich stimmenden Töne im Leben – sozusagen die Moll-Töne - nicht
einfach weggeblasen. Sie werden auch nicht mit einem Schlag durch
strahlende Dur-Töne überlagert. Vielmehr braucht es Zeit, bis sich
Hoffnung und Zuversicht durchsetzen, dass Jesus Christus stärker ist als
alle anderen Mächte. Dass er an Ostern den Tod besiegte. Und dass damit
ein Anfang gemacht ist, an dessen Ende dann restlos alle Mächte und
Gewalten besiegt sind. Bis dahin allerdings machen uns oft noch
Verzweiflung, Einsamkeit, Sinnlosigkeit und ihre Folgen zu schaffen.
Dieser „Tod vor dem Tod“ kann manchmal sogar schlimmer sein als der
biologische Tod. Wenn in uns etwas abstirbt an Freude, Selbstvertrauen
oder Sinn im Leben. Ich denke an Menschen, die sich dann an die Hoffnung
klammerten: Das letzte Wort haben nicht der Tod und all die Mächte, die
uns das Leben schwer machen. Das letzte Wort hat Jesus Christus.
Derjenige, von dem es in der Bibel heißt: „Ich bin der Erste und der
Ewige und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von
Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.“
Wer sich an Jesus Christus, den Mann mit dem Siegertrikot hält, ist
gehalten. Das haben Menschen in der Bibel und bis heute von Generation
zu Generation immer wieder erlebt. Dann bleibt es nicht bei den dunklen
Moll-Tönen, dann gibt es noch ganz andere, bestimmende Klänge im Leben,
bis eines Tages nur noch ein zuversichtliches und strahlendes Dur
erklingt – wie am Anfang des Gottesdienstes bei der Kantate von Johann
Sebastian Bach.
Uns Christen werfen manche vor, wir würden aufs Jenseits vertrösten.
Heute habe ich den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft das Gegenteil
der Fall ist: da werden wir allein mit dem Diesseits abgespeist. So
läuft das Leben oft ab wie ein Besuch in einem Freizeitpark. Wer einmal
drin ist, dem geht es darum, möglichst viel mitzunehmen. Paulus hat
glasklar gesehen, dass hinter all dem die Angst steht: die Angst zu kurz
zu kommen in diesem Leben. Sie versteckt sich hinter aller Gier, den
Machtgelüsten, hinter Kriegen und allem Grausamen, was die Welt und
Menschen sich so ausdenken können. Wer mit der Auferstehung rechnet und
damit, dass unserem Leben vor dem Tod noch ein Leben nach dem Tod folgt,
kann gelassener sein. Paulus schreibt in seinem Brief nach Korinth:
Darum, meine lieben Geschwister, seid fest, unbeweglich und nehmt
immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass euere Arbeit nicht
vergeblich ist in dem Herrn (1.Kor.15,58).
Ich weiß nicht, wie Sie über Auferstehung denken. Nicht selten
jedenfalls wird es als dogmatische Aussage gesehen – ohne großen Bezug
zum Alltag. Weil diese Gefahr besteht, schärft schon der Apostel Paulus
den Christen in Korinth ein, Auferstehung darf keine bloße theologische
Formel bleiben. Es muss sich zum Beispiel auch im Beruf, der Familie
oder der Freizeit zeigen, wenn jemand von einem Leben nach dem Tod
ausgeht.
Menschen, die mit der Auferstehung rechnen, leben anders als diejenigen,
die diese Hoffnung nicht haben. Denn sie erwarten nicht alles und jedes
von diesem Leben. Darauf zu vertrauen, dass mit dem Tod nicht alles aus
ist, weil Jesus ihm die Macht genommen hat, das hat ganz konkrete
Folgen. Nämlich zuversichtlich zu sein, weil es seit Ostern eine
begründete Hoffnung gibt. Zum Beispiel, sich nicht entmutigen zu lassen
angesichts der Herausforderungen, vor denen unser Land steht. In einer
Zeit, in der viel von der Ich-AG die Rede ist, sollten wir Christen eine
GmbH bilden: eine Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung. Und immer
wieder von der Hoffnung reden, die uns seit Ostern geschenkt ist und uns
trägt. Nicht als Zweckoptimisten nach dem Motto „Es wird schon werden“,
sondern als Menschen, die von Auferstehungshoffnung bestimmt sind. Und
die ermutigt sind durch die Worte des Apostel Paulus: „Wisst, dass euere
Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.“
Dekan Günter Saalfrank
(St.
Michaelis Hof)
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Text:
50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass
Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird
das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.
51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle
entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;
52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten
Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden
auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.
53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und
dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.
54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und
dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt
werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14):
»Der Tod ist verschlungen vom Sieg.
55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«
56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der
Sünde ist das Gesetz.
57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn
Jesus Christus!
58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt
immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit
nicht vergeblich ist in dem Herrn. |