| Liebe Leser,
1. Glaube heißt verstehen –
Wissenschaftssprache / Geistliche Sprache
muss man eigentlich, wenn man ein Christ ist, wenn man an Gott, den
Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glaubt, muss man dann seinen
Verstand an den Nagel hängen und einfach alles glauben, was in der
Bibel steht oder wie es der Pfarrer oder die Pfarrerin sagt?
Ich sage gleich vorne weg: Nein. Gott hat uns einen Verstand
gegeben, dass wir nicht alles und jeden Blödsinn glauben sollen. Er
hat uns einen Verstand gegeben, damit wir unterscheiden lernen
zwischen den Dingen, die wichtig sind, und denen, die unwichtig
sind.
Und hier steht es ja auch:
"Liebe Brüder und Schwestern, seid nicht
Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um
Böses geht; im Verstehen aber seid vollkommen."
Das ist mal ein Wort das so richtig zu Herzen geht. Was
müssen wir uns oft herumschlagen mit solchen Sätzen: Das musst du
halt einfach alles glauben in der Kirche.
Doch es fällt uns schwer, das einfach so alles zu glauben, in einer
so wissenschaftshörigen Welt, die nur glaubt, was wiederholbar und
beweisbar ist. Und damit wir auch alles
glauben können, wie es in der Bibel steht, fangen dann besonders
religiöse Gruppen an naturwissenschaftliche Beweise zu erbringen,
dass ein Mensch tatsächlich im Magen eines Fisches drei Tage
überleben kann und sie meinen damit die Echtheit und die Wichtigkeit
der Jonageschichte bewiesen zu haben. Und verstanden haben sie
nichts. Denn es kommt überhaupt nicht auf den Fisch an, sondern auf
die Umkehr des Jona, dass er seinen Auftrag erfüllt.
Und umgekehrt meinen die Evolutionstheoretiker mit ihren sehr
einleuchtenden biologischen Beweisketten und geologischen Befunden
widerlegen zu können, dass die beiden Schöpfungsgeschichten, wie sie
in den ersten Kapiteln der Bibel stehen, nicht stimmen, weil sie
Beweise haben, dass die Erde nicht in sieben Tagen erstanden ist,
sondern in Jahr Milliarden. Und sie haben nicht begriffen, dass es
schon damals nicht um wissenschaftliche Beweise ging, sondern um die
Frage: Wer ist der Herr der Welt? Wer hält das Universum zusammen?
Und darauf haben wir eine Antwort gefunden: Es ist Gott und sonst
keiner! Wie es dann geschah, das ist seine Sache und beschrieb der
Mensch schon immer so, wie er es gerade verstand, ob im Garten Eden,
in sieben Tagen oder heute als Urknall und Evolutionstheorie.
Glaube heißt nicht, seine Vernunft an den Nagel hängen zu müssen.
Glauben aber heißt zu wissen, wo die Vernunft Stärken hat und wo
ihre Grenze sind und darin Gott die Ehre zu geben. So wie Paulus
schreibt: "Liebe Brüder und Schwestern, seid
nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn
es um Böses geht; im Verstehen aber seid vollkommen."
Vielleicht sollten wir uns wieder mehr bemühen in unserem Verstehen
vollkommener zu werden und nicht Äpfel mit Birnen zu verwechseln und
nicht meinen, nur weil 1 + 1 = 2 ist,
dass wir damit schon die Wahrheit Gottes erkannt, geschweige denn
ihn widerlegt hätten. In ganz amüsanter Weise
hat das einmal Adrian Plass in seinem „Tagebuch eines frommen
Chaoten“ zum Ausdruck gebracht. Einige von ihnen werden es bereits
kennen:
Das Büroklammer – Experiment S.22-27 (Auszüge)
Montag, 6.Januar
Machte auf dem Heimweg von der Arbeit einen Abstecher in den
christlichen Buchladen. All diese Bücher! Gerald (sein Sohn) sagt,
erbauliche Taschenbücher sind wie chinesisches Essen. Zunächst sehr
sättigend, aber es dauert nicht lang, bis man wieder was braucht.
Erwischte aber diesmal ein wirklich gutes Buch über den
Glauben. Es heißt: "Du liebe Güte was in aller Welt tun wir in
Gottes Namen um Himmels willen?" Finde den
Titel sehr originell. Es geht darum, wie Christen durch den Glauben
Berge versetzen können, wenn sie wirklich im Einklang mit Gott sind.
Sehr inspirierend.
Zu Hause angekommen) wartete (ich), bis keiner in der Nähe war und
begann, mit einer Büroklammer zu üben. Legte sie auf den
Schreibtisch, blickte sie gebieterisch an und wollte, dass sie sich
bewegt. Nichts! Versuchte, es ihr mit lauter Stimme zu befehlen. In
diesem Moment kam Gerald herein und fragte: "Warum schreist du so
rum, Papa?“
Konnte ihm schlecht erklären, dass ich einer Büroklammer Kommandos
gab!
Sagte, ich übe Stimm-Projektion. Er fragte: „Was ist denn das?“ Ich
sagte: „ Weiß ich selber nicht.“ Fühlte mich wirklich belämmert.
Am Abend ein weiteres Rendezvous mit der Büroklammer. Nahm
diesmal wirklich Vollmacht über sie in Anspruch. Rührte sich
keinen Millimeter vom Fleck.
Sagte Gott, ich würde alles aufgeben, was er von mir
verlangt, wenn er sie dazu bringen würde, sich wenigstens drei
Zentimeter zu bewegen. Nichts!
Alles ziemlich besorgniserregend. Wenn man bloß den Glauben von der
Größe eines Senfkorns braucht, um einen ganzen Berg zu versetzen,
wie viel Hoffnung gibt's dann für mich, wo ich nicht mal eine
Büroklammer motivieren kann, zu machen, was man ihr sagt!
Samstag, 11. Januar
Stand heute zeitiger auf, um dieser verflixten Büroklammer eine
letzte Chance zu geben. Endete damit, dass ich sie grimmig, wenn
auch phon-schwach (weil ich keinen wecken wollte) anzischte. Als ich
aufgab und die Tür aufmachte, stieß ich auf Anne (seine Frau) und
Gerald im Nachthemd, die gelauscht hatten und ziemlich besorgt aus
der Wäsche guckten.
Anne sagte: „Schatz, warum sagst du zu der Büroklammer, du würdest
ihr schon zeigen, wo's langgeht, wenn sie
nicht endlich ihren dämlichen Akt bringt?“
Erklärte mit dem Rest von Würde, den ich aufbringen konnte, dass ich
ein Glaubensexperiment durchgeführt habe und ein bisschen aus der
Haut gefahren bin, weil’s nicht geklappt hat.
Anne sagte: „Aber Liebling, Christsein heißt doch nicht, einem
magischen Zirkel anzugehören. Warum sollte Gott wollen, dass du
durch den Glauben eine Büroklammer versetzt?“
Gerald rieb sich die Augen und sagte: „Papa, ich finde, du bist
unbezahlbar. Ich würde dich nicht für viel Geld hergeben.“
Gefiel mir, dass er das sagte. Anne kochte mir ein warmes Frühstück.
Fühlte mich wirklich ziemlich glücklich."
Glauben heißt nicht, die Vernunft in den Schrank zu sperren, sondern
zu lernen, in welche Dimension Gott hineinspricht und wofür er
Naturgesetze eingesetzt hat, die wir zu erforschen und zu ergründen
haben. Und dabei beides nicht miteinander zu verwechseln.
Martin Luther schreibt passend dazu schon vor 500 Jahren:
"Jede Wissenschaft
hat ihre Sprache
Hier muss ich wiederholen, was ich bereits
mehrfach gesagt habe: Wir müssen uns an die besondere Art und Weise
gewöhnen, in der der Heilige Geist redet, wie ja auch die anderen
Künste [Wissenschaften] niemand fruchtbar studieren kann, der nicht
ihre Sprechweise beherrscht. So haben die Juristen ihre besonderen
Termini, die die Mediziner und Philosophen nicht kennen; und so
haben auch diese je ihre eigene Sprachen, die den anderen Künsten
und Berufen unbekannt sind. Nun soll die eine Kunst die anderen
nicht bevormunden, sondern jede soll an ihrer eigenen Ausdrucksweise
festhalten. So sehen wir, dass der Heilige Geist auch seine Sprache
und Art hat zu reden. Nämlich: dass Gott alles sprechend erschaffen,
durch sein ungeschaffenes Wort gewirkt habe. Wie der Philosoph seine
besonderen Ausdrücke gebraucht, so auch der Heilige Geist. Und der
Astronom benutzt seine sogenannten Sphären, Auges, Epizykel etc. mit
vollem Recht, denn gerade so kann er richtig und angemessen lehren.
Aber die Heilige Schrift benutzt diese Begriffe nicht, sondern nennt
das ganze über uns befindliche himmlische Gebäude einfach Himmel.
Das soll der Astronom nicht zu verbessern suchen noch tadeln;
sondern er soll seine Ausdrücke behalten und die Schrift in ihrer
Art reden lassen.
Die Astronomen sagen auch, der Mond habe sein Licht von der Sonne.
... Dies bestreite ich nicht, bin aber der Ansicht, dass es eine
göttliche Kraft ist, die der Sonne ein solch großes Licht gegeben
hat, dass es auch den Mond zu erhellen vermag. ...
Bei den Astronomen, den Meistern dieser Kunst, findet man am
allerbesten, wie diese Dinge zu erörtern sind. Ich
lasse mir daran genügen, dass wir aus so herrlichen und zu unserem
Leben nützlichen Geschöpfen zugleich Gottes Güte und Macht erkennen,
der diese Dinge durch das Wort geschaffen hat und noch heute uns zu
Dienst und Nutzen erhält und regiert. Dies gehört zu unserem Beruf
und ist etwas Theologisches; es hat die Kraft, die Herzen zu trösten
und fest zu machen."
(Aus dem Genesis Kommentar von 1544; zit.
nach: Glaube und Naturwissenschaft, Quellentexte, hrg. von G.
Süßmann und H. R. Rapp, Göttingen sig87)
2. Prophetische Rede – Erbauung, Ermahnung (=
Ermutigung), Tröstung
Schuster, bleib bei deinem Leisten, hat man früher öfter gesagt
und es würde vielen von uns gut tun, wenn wir wieder unterscheiden
würden zwischen der religiösen Wahrheit, die die Herzen „tröstet und
fest macht“ und den knallharten Fakten dieser Welt.
Ich habe letzten einige Aufsätze zur „Spiritualität von
Männern“ gelesen und gerade sie tun sich oft schwer, zu
unterscheiden zwischen der Fakten ihres Arbeitsalltages und dem,
wovon der Glaube spricht und was dem Herrn hilft. Dabei ist ihr
Sehnen genau dieses, was Paulus im Glauben gefunden hat:
"Wer aber prophetisch redet, der redet den
Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung (griech:
zur Ermutigung und zur Tröstung)."
Keiner von uns braucht religiöse Floskeln und auch keine kirchliche
Insidersprache. Mir waren sie immer zuwider, diese Friede, Freude,
Eierkuchenpredigten, in denen hinten Friede und Liebe herausgekommen
ist, aber nichts Hilfreiches oder
Ermutigendes oder Ermahnendes
oder Tröstendes für mein Leben. Diese
Zungenreden, die keiner versteht und die im Gelalle verlallen
brauchen wir nicht. Kann sein, dass wir in der Glossolalie, im
Zungenreden und im ekstatischen Gruppen- oder Gottesdiensterlebnis
selber innerlich auftanken oder eine Begegnung mit Gott hatten. Dann
ist das gut so.
Aber der Glaube muss sich übersetzen in den Alltag, in die Praxis
und ins Verstehen für den anderen. Ein Verstehen, das umfassender
ist als nur unser naturwissenschaftliches Denken. Aber dennoch ist
es ein Verstehen, das sich dem anderen mitteilen will und mitteilen
lässt, ohne dass dieser gleich selber zum Glauben kommen müsste.
4. Suche nach den wahren Worten – Streben nach
der Liebe
Wir brauchen die prophetische Rede, damals wie heute, die sich
auf die Suche begibt nach dem rechten Wort zur rechten Zeit.
Und dazu brauchen wir Mut und Gelassenheit, aber nicht
Gemobbe. Wir brauchen
auch kein besserwisserisches oder apokalyptisches: Ihr werdet schon
noch sehen. Was wir brauchen, sind überzeugende, offene und öffnende
Worte, getragen von einem tiefen Glauben.
Glauben hat etwas mit Vertrauen zu tun, aber nicht mit Blindheit.
Und das ist das, was wir der Welt geben können. Wir können ihr etwas
abgeben von unserm Mut, den wir im Glauben gefunden haben, um den
Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern voller Hoffnung nach
Vorne zu blicken. Wir können ihr etwas zeigen von unserem Vertrauen,
mit dem wir uns den Höhen und Tiefen des Lebens stellen.
Wir können sogar von unseren Schwächen und unserem Scheitern
erzählen, weil wir dadurch nicht unser Gesicht verlieren, sondern
wahrhaftig werden vor Gott.
Darin steckt das vollkommene Verstehen. Und das ist größer als
nur beharrlich nachzubeten: 1+1=2 und glauben tu ich nur, was ich
sehe. Damit wird man nicht glücklich. Wir nicht und die anderen um
uns herum auch nicht. Denn die Liebe und die Nachsicht, die Hand,
die zärtlich über meinen Kopf streichelt und das Danken und Staunen
und die Barmherzigkeit und das verzeihende Wort haben darin keinen
Platz.
Ja, wir müssten mehr nach den prophetischen Worten suchen, die
verstehen und die Welt hinter der Welt erklären und trösten und
ermutigen und ermahnen und auferbauen. Weil darauf eine Verheißung
liegt, die Verheißung Gottes wie er seine Kirche bauen will:
"Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein
Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und
von allen überführt; was in seinem Herzen verborgen ist, würde
offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott
anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist."
Zeige uns Gott, wie wir die rechten und richtigen Worte finden,
ermutigend und ermahnend, erbauend und tröstend, keine Floskeln oder
religiöse fast food, sondern Worte, damit wir im Verstehen
vollkommen werden und begreifen, worin die Wahrheit des Wortes
Gottes liegt, uns und unserem Nächsten zum Heil.
Pfarrer
Martin Adel
(Dreieinigkeitskirche
Hof)
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Text:
1 Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die
Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen
Rede!
2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern
für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von
Geheimnissen.
3 Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung
und zur Ermahnung und zur Tröstung.
20 Liebe Brüder, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht;
sondern seid Kinder, wenn es um Böses geht; im Verstehen aber seid
vollkommen.
21 Im Gesetz steht geschrieben (Jesaja 28,11-12): »Ich will in
andern Zungen und mit andern Lippen reden zu diesem Volk, und sie
werden mich auch so nicht hören, spricht der Herr.«
22 Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen,
sondern für die Ungläubigen; die prophetische Rede aber ein Zeichen
nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.
23 Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle
redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein,
würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen?
24 Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein
Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und
von allen überführt;
25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde
er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass
Gott wahrhaftig unter euch ist.
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