Ein Pfarrhof wird zum Bibelgarten

Gattendorf.  Zwischen Pfarrhaus, Gemeindehaus und Kirche entsteht in Gattendorf bei Hof vermutlich der erste Bibelgarten in Hochfranken. Rund 50 der über 110 in der Heiligen Schrift erwähnten Pflanzen sind dort bereits zu finden. Bis Frühjahr nächsten Jahres sollen weitere hinzu kommen.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen  Projekt hatte die Gattendorfer Pfarrfamilie Güntzel. „Der großzügige Pfarrhof ist ideal für einen Bibelgarten,“ dachte sich Pfarrfrau Claudia Güntzel schon länger. Als Sohn Andrew eine Projektarbeit für die achte Klasse der Waldorfschule in Hof suchte, wurde begonnen, die Anlage mit biblischen Pflanzen in die Tat umzusetzen. Vorher allerdings musste Andrew seinen Klassenlehrer noch „Nachhilfe“ geben. Denn der konnte zunächst mit dem Begriff „Bibelgarten“ nichts anfangen.

Der 15-Jährige befasste sich intensiv mit den Pflanzen im Alten und Neuen Testament. Seine Mutter, die mit nach den entsprechenden Bibelstellen suchte, unterstützte ihn dabei. „Ich habe viel über die Pflanzen gelernt“, erzählt er. Sein Vater, ein Theologe mit grünem Daumen, half ihm bei der praktischen Umsetzung des Gartens. Gemeinsam legten sie auch einen kleinen Teich an. „Damit Pflanzen wie Kalmus, Rohrkolben und Papyrus wachsen können, brauchen sie eine feuchte Umgebung,“ erklärt Pfarrer Jens Güntzel.

Andrew konnte viele Erfahrungen bei dem Projekt machen. Zum Beispiel, wie Ölbäume, die normalerweise in südlichen Ländern wachsen, im Norden Bayerns gut die Zeit von Herbst bis Frühling überstehen. „Das Pfarrhaus wurde zum Winterquartier“, berichtet er. Freilich hat der 15-Jährige auch Rückschläge erlebt: Wenn ein Same nicht aufging und noch einmal gepflanzt werden musste.

Im Herbst soll ein Stück Wiese vor dem Pfarrhaus umgegraben werden, um Platz zu schaffen für weitere biblische Pflanzen. Neben der Pfarrscheune möchte die Pfarrfamilie Getreide ansäen. Claudia Güntzel kann sich vorstellen, dass es später einmal Führungen für Schulklassen und Gemeindegruppen gibt. Schon jetzt können die Gattendorfer ihren Bibelgarten bewundern. Und auch die Pilger, die auf dem Jakobsweg Station in dem Ort bei Hof machen und im Gemeindehaus übernachten.